Plattenladenwoche

Wenn BossHoss in Prenzlauer Berg dem Vinyl huldigen

Zum Start der bundesweiten Plattenladenwoche haben The BossHoss ein Konzert bei Vopo-Records gegeben. Sie sind Berlins Botschafter.

Sascha Vollmer (l.) und Alec Völkel von „The BossHoss“ bei der Eröffnung der Plattenladenwoche in Prenzlauer Berg

Sascha Vollmer (l.) und Alec Völkel von „The BossHoss“ bei der Eröffnung der Plattenladenwoche in Prenzlauer Berg

Foto: Reto Klar

Es wird eng. Und laut. „The BossHoss“ legen los, spielen 30 Minuten lang ein Lied nach dem anderen. Draußen vor dem Schaufenster drängen sich die Fans, die auch gerne noch hineinkommen würden. Doch es ist einfach kein Platz mehr. Mit Hingabe wippen und singen die Fans bei den Liedern mit, an Tanzen ist bei dem Platz nicht zu denken. Ab und zu quietscht begeistert ein weiblicher Fan.

Der Andrang ist groß beim Startschuss für die siebte bundesweite Plattenladenwoche, die am Montag um 12 Uhr mit dem Auftritt von „The BossHoss“ im Berliner „Vopo Records“ an der Danziger Straße beginnt. „The BossHoss“ ist in ihrer siebenköpfigen Besetzung angetreten. Die beiden Frontmänner Sascha Vollmer und Alec Völkel singen, Vollmer spielt zusätzlich Gitarre. Normalerweise passen in den Laden nur etwas mehr als 50 Menschen hinein. An diesem Tag sind es rund 100 Zuschauer, die sich zwischen den 10.000 Vinyl-Platten und 5000 CDs drängen.

Ein Hort der „musikalischen Früherziehung“

Und genau deshalb ist es ein Ort, an dem sich die Mitglieder der Band, deren neues Album „Dos Bro“ auf Platz eins der deutschen und österreichischen Charts steht, wohlfühlen, wie sie sagen. Als den „Hort unserer musikalischen Früherziehung“ bezeichnen sie den Plattenladen und erklären damit ihr Engagement für die Aktion.

Der Plattenhändler sei der Mann des Vertrauens gewesen. „Wir sind damit großgeworden“, sagt Sascha Vollmer, der regelmäßig in den kleinen Laden in Prenzlauer Berg kommt. „Mit dem Plattenkästen-Durchwühlen und dem Taschengeld-Sparen für die nächste heiß ersehnte Platte. Als ich das letzte Mal hier im Laden war, habe ich acht oder neun Platten mitgenommen“, erzählt Vollmer.

Auch für ihn als Künstler habe Vinyl mehr Wert, sagt er. „Wir haben ja mehr zu sagen, als uns bloß per Streaming zu verbreiten. Wir schaffen mit so einer Platte ja ein Gesamtkunstwerk, wir überlegen uns ein Logo, einen Titel, ein Coverbild, wollen die Texte unterbringen, die wir uns ausgedacht haben. Die Haptik zur Musik ist wichtig und sollte nicht vernachlässigt werden.“

Zurück zum besonderen Musikerlebnis

Auch für Alec Völkel ist es ein ganz anderes Musikerlebnis. „Wenn man sich eine Platte kauft und damit nach Hause fährt und sie auflegt, ist das schon was anderes, als wenn man Musik auf Spotify anmacht. Da ist halt nicht viel dahinter. Aber natürlich haben Streamingdienste auch ihre Berechtigung und man kann toll Musik entdecken auf diese Weise.“

Mit seinen Gedanken ist Völkel zurzeit dennoch sicher nicht ganz bei seiner Musik. Schließlich ist erst Ende September bekannt geworden, dass der 43-Jährige sich mit seiner Lebensgefährtin, der Journalistin Johanna Michels, verlobt hat und sie ein Kind erwarten. Am Montag will er sich dazu nicht äußern.

Wer ausführlich erzählen möchte, ist „Vopo Records“-Inhaber Henry „Vossi“ Voss. Seit 25 Jahren betreibt er sein Geschäft. Es gibt Platten aus allen Genres zu kaufen, bis auf Schlagermusik. „Das Sortiment ist aber sehr gitarrenlastig“, erklärt er. Auch Singer-Songwriterin Alexa Feser und Rapper Fard sind gekommen.

„Vinylplatten muss man entdecken“

Feser steht hinter dem Tresen. Sie hat eine besondere Verbindung zu Vinylplatten. Schon mit 16 Jahren legte sie als DJ auf. Sie nutze keinen Streamingdienst, bei ihr gebe es nur Vinyl zu Hause, sagt sie. „Bei den modernen Musikmedien macht man noch vieles parallel, konzentriert sich nicht so auf die Musik allein“, sagt sie. „Das ist ein Grund für die Hektik unserer Zeit. Vinylplatten kann man nicht anklicken, die muss man entdecken“, sagt Feser. „Und die Aufmerksamkeit, die sie brauchen, entspannt sehr.“

Die Plattenladenwoche

Das Event Zum siebten Mal präsentieren sich unabhängige Plattenläden in 70 deutschen Städten. Es gibt Konzerte und kreative Aktionen, außerdem werden Sondereditionen veröffentlicht. Am Montag startete die diesjährige Woche. Sie soll bis 24. Oktober dauern.

Die Künstler In diesem Jahr ist die Berliner Band „The BossHoss“ Botschafter der Plattenladenwoche, 2014 war es Bela B. von den „Ärzten“. Auch Musiker wie Herbert Grönemeyer waren bereits dabei. Auf dem zur Eventwoche erscheinenden Sampler „Kein Mensch ist illegal“ singen Thees Uhlmann und Farin Urlaub. Der Sampler ist in den teilnehmenden Plattenläden erhältlich.