Filmpremiere

Zwei Hochstapler unter sich

Daniel Brühl feiert die Premiere von „Ich und Kaminski“ in Berlin. In der Satire spielt er einen skrupellosen Journalisten.

Zwölf Jahre nach „Goodbye Lenin“ haben sich Regisseur Wolfgang Becker und Schauspieler Daniel Brühl für ein weiteres gemeinsames Projekt zusammengetan. „Ich und Kaminski“ heißt der neue Film, der am Dienstagabend im Delphi Filmpalast Premiere feierte und auf dem gleichnamigen Roman von Daniel Kehlmann beruht.

Er hätte einfach auf einen Filmstoff gewartet, der passen würde, sagte Regisseur Wolfgang Becker bei der Premiere in Berlin. „Ich hatte nie vor, Rekorde mit meiner Filmanzahl zu brechen“, erklärte der 61-Jährige. Eine Einstellung, die Katrin Sass unterstützt. Die „Goodbye Lenin“-Schauspielerin findet es großartig, dass Becker nicht alle Stoffe annimmt und auf seine Geschichte gewartet hätte.

Tom Tykwer kam mit Ehefrau Marie Steinmann zur Premiere, obwohl er den Film bereits „sicherlich 20-mal“ gesehen hätte, wie er scherzte. „Der Film ist toll, weil er zwei Generationen aufeinander jagt. Einen angestrengten Gegenwartsmenschen und einen alten Künstlertypen. Das ist ein Generationskonflikt, in dem sich jeder wiederfinden kann“, sagte Tykwer. Besonders begeistert sei er von Beckers Gabe, eine Geschichte gleichzeitig wahnsinnig lustig und traurig zu erzählen. In „Ich und Kaminski“ treffen der skrupellose Kunstjournalist Sebastian Zöllner und der vermeintlich blinde Maler Manuel Kaminski aufeinander. Der von Brühl gespielte Journalist hofft mit einem Enthüllungsbuch über den ehemals berühmten Maler seine Karriere voranzutreiben.

Dass Daniel Brühl für die Rolle des ehrgeizigen Sebastian Zöllner gecastet wurde, ist für Daniel Kehlmann die ideale Wahl. „Eine der größten Schwierigkeiten war es, einen Schauspieler zu finden, der den unsympathischen Charakter sympathisch und vielschichtig spielen kann“, sagte der Autor. Mit Brühls schauspielerischer Leistung und Beckers Regieführung ist er mehr als zufrieden. „In dem Film werden Bilder komponiert, wie man es im deutschen Kino selten zu sehen bekommt“, schwärmt er.

Inspiration für den Charakter des ungemütlichen Kulturjournalisten holte sich Daniel Brühl aus eigenen Bekanntschaften, wie er im Gespräch mit Moderator Knut Elstermann verriet. „Wenn man in Berlin wohnt und viel unterwegs ist, trifft man häufig auf junge Menschen, die zu früh denken, dass sie viel größer sind als sie sind“, sagte er. Als Becker ihm die Rolle anbot, hätte er sofort zugesagt. „Es war großartig einen so unsympathischen Kerl zu spielen, besonders weil ich oft als der ,netteste Junge der Nachbarschaft’ gesehen werde“, sagte Brühl bei der Premiere.

Den zweiten Hauptdarsteller zu finden, war eine größere Herausforderung. „Wir haben viele Castings durchführen müssen, bis wir den tollen dänischen Schauspieler Jesper Christensen gefunden haben“, erzählte Becker. Das lange Suchen habe sich aber gelohnt, denn die Chemie zwischen dem 37-Jährigen und dem 67-Jährigen hätte sofort gestimmt. Ob die Chemie des alten Traumduos Becker und Brühl stark genug ist, um wieder Millionen von Zuschauern ins Kino zu locken, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Und wer weiß, vielleicht gelingt es der Kunstwelt-Satire, die Erfolgsgeschichte der Mauerfall-Komödie fortzusetzen.