Interview

Wie Adel Tawil gegen Liebeskummer kämpft

Für „Unsere Lieder“ hat der Berliner Sänger Adel Tawil die Lieblingsstücke seiner Fans gesammelt und daraus einen Song gemacht.

Adel Tawil freut sich. Er durfte die Lieblingslieder seiner Fans zum Song „Unsere Lieder“ zusammenfassen

Adel Tawil freut sich. Er durfte die Lieblingslieder seiner Fans zum Song „Unsere Lieder“ zusammenfassen

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Herzschmerz hatte Adel Tawil in letzter Zeit reichlich. Ende 2014 wurde bekannt, dass sich der Sänger nach über zehn Jahren Beziehung von seiner Frau Jasmin getrennt hat. Mittlerweile ist er mit seiner neuen Freundin Lena glücklich.

Das schwere, vergangene Jahr werde man auf seinem neuen Album hören, sagt der Berliner im Gespräch. Bis das erscheint, hat sich der 37-Jährige aber erst einmal den Gefühlslagen seiner Fans angenommen. Für „Unsere Lieder“ hat er deren Lieblingsstücke gesammelt und daraus einen Song gemacht.

Berliner Morgenpost: Was hören Sie bei Liebeskummer?

Adel Tawil: Ich finde, da hat Adele mit ihrem Album „21“ einiges zu bieten. „Someone Like You“ ist doch eins der heftigsten Lieder bei Liebeskummer. Das habe ich auch viel gehört.

Haben Sie den Internet-Shitstorm, der nach Ihrer Trennung von Jasmin über Sie hereingebrochen ist, kommen sehen? Oder sind Sie in Ihren Augen im Guten auseinandergegangen?

Das dachte ich, ja. Das war ja auch zunächst unser gemeinsames Statement. Ich fand es erschreckend, wie von einigen Medien alles, was geschrieben wurde, übernommen wurde, ohne zu wissen, was wirklich passiert ist. Ich bin natürlich abgehärtet, was das Internet angeht. Aber es war doch gruselig, wie schnell sich manche Leute ein Urteil gebildet haben, ohne ausreichende Informationen zu haben.

Und Sie haben nicht das Bedürfnis, jetzt einmal zu erzählen, wie es wirklich war?

Zum gegebenen Zeitpunkt werde ich das vielleicht machen. Jetzt wäre es nur ein Anfeuern. Ich bleibe meiner Linie treu: Ich werde mein Privatleben nicht nach außen kehren.

Gehören Sie zu den Künstlern, die von sich behaupten, sie können besser schreiben, wenn sie leiden?

Ich glaube, ich kann immer schreiben, nicht nur dann, wenn sich in meinem Leben ein echtes Drama abspielt. Aber natürlich nimmt man sich mehr Zeit für sich selber, wenn man Kummer hat. Wirklich bewusst wird einem das Leben oft erst, wenn man etwas verloren hat. Da fangen plötzlich die großen Fragen des Lebens an, im Kopf zu rotieren. Und dann hat man oft mehr Muße, sich hinzusetzten und das in Worte zu fassen.

Werden Sie die Trennung auf Ihrem neuen Album thematisieren?

Ich denke schon. Davor kann ich mich gar nicht verschließen. Am Ende des Tages sitzt man im Studio und muss wahrhaftig sein. Sonst macht es keinen Spaß und fühlt sich nicht richtig an. Natürlich habe ich auch mit dem Gedanken gespielt, das gar nicht an mich ranzulassen und eine richtig schöne Nach-vorne-Platte zu machen. Klar wird es auch positive Lieder geben, weil es im Leben immer weiter geht.

Zusammen mit der Telekom haben Sie gerade das Projekt „Unsere Lieder werden eins“ verwirklicht. Haben Sie Ihre Fans über deren Lieblingssongs besser kennengelernt?

Ich denke schon. Das ist ja das Schöne an dem Projekt. Ich habe gemerkt, dass mich die Menschen hinter den Playlists wahnsinnig interessieren. Ich fand es zum Beispiel interessant, dass sehr viele aktuelle Lieder dabei waren. Und dass die Bandbreite sehr groß war: von Heavy Metal über Klassik bis Schlager.

Was haben Sie denn über die Teilnehmer, die Ihnen Playlists für den Song „Unsere Lieder“ geschickt haben, erfahren?

Ich wollte die Sache relativ einfach halten, deshalb sehe ich nur ein Foto und die Lieder. Beim Anschauen habe ich mich an die verschiedenen Typen aus der Schule erinnert. Der eine war alternativ und hat Nirvana gehört, der andere Techno mit Marusha und Westbam. Ich war mit Hip Hop und Michael Jackson unterwegs. Viele haben mir über Facebook geschrieben, wie sie sich an die Songs erinnert haben, als sie noch Teenager waren und eine Zahnspange getragen haben. Zu welchem Lied habe ich denn mit wem zum ersten Mal getanzt? Da wird es schnell sehr emotional. Die Leute spüren genau das Gleiche, was ich gespürt habe, als ich „Lieder“ geschrieben habe.

Sie haben Ihrem Song aber auch keine Erklärung beigelegt, welches Lied aus welcher Lebenssituation von Ihnen stammt.

Zu einigen habe ich das immer mal wieder so nebenbei erzählt. „Maria durch ein Dornwald ging“ ist zum Beispiel aus meiner Zeit im Kirchenchor, wo ich zum ersten Mal solo gesungen habe. Kurt Cobain hat für mich alles verändert. Das war die erste Band, deren Lieder ich in der Schule gecovert habe. Durch Nirvana und Rage Against The Machine habe ich überhaupt erst gemerkt, dass Singen auch cool sein kann. „Fremd im eigenen Land“ von Advanced Chemistry fiel in eine Zeit, als ich selber auf Identitätssuche war. Ich fühlte mich als Deutscher, aber irgendwie habe ich doch mitgekriegt, dass ich anders bin. Das war für mich sehr bewegend, weil ich gemerkt habe, dass ich nicht der einzige bin. Dass ich stolz auf das sein kann, was ich bin.

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