Dreh in Charlottenburg

Friedrich Liechtenstein - "Eine sehr, sehr geile Tankstelle“

Werbeheld Friedrich Liechtenstein und Christoph Tophinke laden zum „Tankstellenparty-Dreh“ in die Kantgarage in Charlottenburg.

Die Zwei von der Tankstelle: Christoph Tophinke und Friedrich Liechtenstein (r.) tanzen in der Kantgarage an der Kantstraße

Die Zwei von der Tankstelle: Christoph Tophinke und Friedrich Liechtenstein (r.) tanzen in der Kantgarage an der Kantstraße

Foto: Joerg Krauthoefer

Charlottenburg. Ein Schnitzel im Brötchen, daneben knackiger Gartensalat mit Fire Roasted Chicken Ribs. „Happen schnappen“, steht nebst Fast-Food-Fotos auf dem Banner, das sich über den Eingang zur Tankstelle spannt. Dahinter, im Aufgang zur Parkgarage, steht ein goldenes Auto. Ein Mann im Mercedes. Mit Discokugel. Er trägt Vollbart. Und Sonnenbrille. Und eine kleine gestickte Blume am Revers seines Jacketts. Das Symbol des „Chelsea Farmer’s Club“.

Der Mann mit Bart und Brille ist Friedrich Liechtenstein. „Supergeil“-Sänger, Schauspieler und Werbeheld, mehr als 14 Millionen Mal wurde sein Spot für ein Lebensmittelunternehmen angeklickt. „Superfit, superleicht, Supermarkt, supergeil“, sang Liechtenstein – supergeil fand ihn offenbar die Netzgemeinde.

Er produzierte weitere Spots, sang von „Topleuten“, „tollen Stiften auch“ und „sehr geilen Vätern/Müttern/Kollegen“. Hunderte kopierten ihn, der Song wurde zum Charterfolg. Das war 2014. Am Montagabend hat der gelernte Puppenspieler und Bühnendarsteller einen kleinen Kreis an einem seiner Folgeprojekte teilhaben lassen. Gemeinsam mit Christoph Tophinke, Gründer des „Chelsea Farmer’s Club“ aus der Schlüterstraße, hatte er zum „Tankstellenparty-Dreh“ in die Kantgarage nach Charlottenburg geladen. Für Arte dreht die Berliner Produktionsfirma Gebrueder Beetz derzeit eine zehnteilige Serie mit Liechtenstein. Es geht um Tankstellen. „Das hier ist eine sehr, sehr geile Tankstelle“, sagt Friedrich Liechtenstein.

Ein Elch, ein Schwan, ein Reiher

Der 59-Jährige startet den Motor. In Schrittgeschwindigkeit geht es in den Keller. Unten warten ein Elch, ein Schwan, ein Reiher, ausgestopfte Tiere zwischen Tanqueray-Bar, Palmen und einem Laufsteg aus schwarzem Lack – und rund 50 Gäste. Sie tragen Gin in den Händen, Cocktailkleider und Smokings am Körper, ein Teil tanzt. „Ihr seid sehr, sehr geil“, haucht Liechtenstein in sein Mikro im Auto.

Im kommenden Frühjahr soll „Tankstellen des Glücks“ von Regisseur Marco Wilms ausgestrahlt werden. Liechtenstein will die Welt davon überzeugen, dass Tankstellen die romantischsten Orte der Gegenwart sind, heißt es. Das sei zwar eine steile These, „aber steile Thesen machen Spaß“, sagt Liechtenstein.

Für den Dreh in der Kantgarage hat Tophinke gesorgt. Er stellte Dekoration und Kostüme. Schon Anfang des Jahres hatte er eine Party für Liechtenstein organisiert. Im ersten Stock des „Borchardt“ in Mitte war zur „Black Tie Party“ geladen worden, mit Palmwedel, monströser Carrera-Bahn und Kakerlakenrennen. Liechtenstein sang und erzählte, 600 Gäste feierten. „Es war ein echter Zirkus für Erwachsene“, sagt Tophinke.

Ein Stück Kulturgeschichte

Der Zirkus ist auch an diesem Abend wieder da. „Du weißt selber, wie geil Tankstellen sind“, sagt Liechtenstein, inmitten seiner absurden Szenerie. Und dann sagt er: „Nein, jetzt mal im Ernst.“ Es gehe um ein Stück Kulturgeschichte. Orte wie Tankstellen, an denen sich seit Jahrzehnten Menschen aller Klassen mischen. An denen er selbst sich auch mal „ausknipsen“, er selbst sein könne. Ohne supergeil. Einfach Friedrich. Sie zu erhalten, wie die Kantgarage, deren Eigentümer den Antrag auf Abriss gestellt hat, sei wichtig. Und dass mit einer solchen Party in Berlin zu feiern, „ist dann doch wieder sehr, sehr geil“.