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Konstantin Wecker spricht über seine Depressionen

Liedermacher Konstantin Wecker hat Einblicke in sein Seelenleben gewährt. „Ich hatte vor zwei Jahren eine schwere Depression. Ich habe nie gedacht, dass mich so etwas erwischt“, sagte der 68-Jährige im Interview mit dem Privatsender Hit Radio FFH. Er habe seine bestehende Schwermut zunächst weggedrängt. „Bis dahin habe ich gedacht, wenn jemand gesagt hat, er ist depressiv: Geh kalt duschen! Das war für mich keine Krankheit“, so Wecker. Erst als er dann selbst unter Depressionen gelitten habe, sei ihm klar geworden, wie es anderen Betroffenen gehe. „Und plötzlich hatte ich Verständnis“, fügte der Sänger hinzu.

Soziales Verhalten ist für Wecker sehr wichtig. „Mitgefühl kann ich mir nicht leisten“ sei ein schrecklicher Satz, sagte der Musiker, der sich seit Jahren in der Hospizbewegung engagiert. Er sei überzeugt, das jeder Mensch empathisch geboren werde. Die größte Sicherheit sei die, „sich auf sein Herz zu verlassen – wenn man eines hat“. Das gelte auch in der Erziehung von Kindern, so der Vater von zwei Söhnen.

Wecker hat im Frühjahr zusammen mit der evangelischen Theologin Margot Käßmann das Buch „Entrüstet euch! Warum Pazifismus für uns das Gebot der Stunde bleibt. Texte zum Frieden“ veröffentlicht. Die Zusammenarbeit bezeichnete Wecker nun als „auf den ersten Blick ungewöhnlich, aber eigentlich dann doch logisch“. Beide seien bekennende Pazifisten.

Sein neues Album „Ohne Warum“ beschäftigt sich jedoch mit der kriegerischen Welt. Ein krankes Wirtschaftssystem, abgewrackt und korrupt, Konzerne, die uns beherrschen – es sind provokante Thesen, die Konstantin Wecker auf „Ohne Warum“ (das am 19. Juni erschienen ist) vorträgt. „Ich mache mir so langsam wirklich Sorgen um die Demokratie“, sagt der Liedermacher dazu. Herausgekommen sind 16 Lieder mit einer eindringlichen Botschaft. Keine Musik, die man nebenbei im Hintergrund laufen lässt, sondern die zum Nachdenken anregt – auch dann, wenn man die Meinung des Komponisten nicht teilt.

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