Umweltaktivistin

Jane Goodall liebt an Berlin vor allem die Wildschweine

| Lesedauer: 5 Minuten
Karoline Beyer

Foto: dpa Picture-Alliance / BARNABAS HONECZY / picture alliance / AP Photo

Jane Goodall reist mit 81 Jahren unermüdlich um die Welt. Ein Gespräch über ihren Kampf für Tiere und Umwelt.

Sie gehört zu den bekanntesten Naturschützern der Welt, ist Vorbild für Umweltaktivisten und Friedensbotschafterin der UN. Jane Goodall, 81, rettet seit Jahrzehnten bedrohte Schimpansen und gilt als Forscher-Legende. Am Dienstag kam sie ins Neue Glashaus des Botanischen Gartens in Dahlem. Der Abend mit dem Titel „Jane Goodall: Stories and Music from her life’s Journey“ umfasste Geschichten aus ihrem Leben und Ausschnitte aus dem Dokumentarfilm „Jane’s Journey“.

Berliner Morgenpost: Frau Goodall, es heißt, Sie reisen bis zu 300 Tage im Jahr. Woher nehmen Sie die Kraft?

Jane Goodall: Eigentlich sind es sogar wesentlich mehr als 300 Tage. Woher ich die Kraft nehme, weiß ich gar nicht. Ich werde das oft gefragt. Vermutlich sind es vor allem meine Vorträge und mein globales „Roots and Shoots“-Programm, die mir Kraft geben. Bei „Roots and Shoots“ engagieren sich Kinder und Jugendliche weltweit für Menschen, Tiere und Umwelt. Dann kommen sie zu mir und erzählen, was sie tun, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Das ist es, was mich sozusagen „energetisiert“, denke ich. Zwischendurch bin ich aber völlig erschöpft.

Übernachten Sie auf Reisen in Hotels?

Ich habe einige wenige Menschen, bei denen ich gerne zu Hause übernachte. Aber es ist meist angenehmer und unkomplizierter in einem Hotel. Da kann man machen was man will. Mache ich die Tür zu, bin für mich und treffe eigene Entscheidungen.

Sie kamen ins Neue Glashaus des Botanischen Gartens. Warum?

Es ist ein schöner Veranstaltungsort. Zudem herrscht dort eine Art tropische Atmosphäre, in der ich mich sehr wohl fühle. Ich habe einen großen Teil meines Lebens im warmem Klima Afrikas verbracht.

Sie haben mit Berliner Schülern ein Bienen-Hotel eröffnet. Warum liegt Ihnen das so am Herzen?

Unsere Bienen drohen zu verschwinden. Unter anderem die Verwendung von Pestiziden in der Landwirtschaft fügt ihnen und der Umwelt großen Schaden zu. Verlieren wir sie, werden Pflanzen nicht mehr befruchtet. Es würde langfristig keine Nahrungsmittel mehr für Menschen geben. Das ist leider ein ganz einfacher Vorgang. Zwar kann noch eine Zeit lang von Menschenhand bestäubt werden, aber flächendeckend ist das unmöglich. Wir brauchen Bienen und andere Bestäuber dringend.

Spielen Kinder und Jugendliche eine wichtige Rolle im Kampf gegen Bienensterben?

Junge Menschen auf der ganzen Welt leben zunehmend distanziert von der Natur. Viele von ihnen verstehen sie nicht. Ihnen zu zeigen, wie Bienen gehalten werden und wie man Honig gewinnt, ist eine Möglichkeit, sie zu begeistern. Wenn wir Kinder nicht begeistern und beispielsweise in unserem „Roots and Shoots“-Programm versammeln können, besteht keine Chance, irgendetwas zu retten. Wenn die uns nachfolgende Generation nicht besser auf alles acht gibt als wir, wo ist der Sinn in allem?

Weltweit bekannt geworden sind Sie vor allem dank Ihres Engagements für Affen. Welche Bereiche sind Ihnen noch wichtig?

Im Moment vor allem das Verschwinden von Nashörnern, Löwen und Elefanten. Das geschieht tatsächlich erschreckend schnell – durch die Gier nach Rhinozeros-Hörnern und Elfenbein. Wenn wir nicht rapide etwas ändern, werden bald keine dieser Tiere mehr übrig sein.

Mit Ihren Lesungen und Filmvorführungen zeigen Sie eine persönliche Seite von sich. Erreichen Sie so mehr Menschen statt mit wissenschaftlichen Vorträgen?

Ja, das ist extrem wichtig. Wenn ich erzähle, wie ich als Kind meinen Träumen folgte, obwohl ich weder Geld noch Qualifikationen besaß, stärkt das junge Menschen enorm. Manchmal sagen sie mir: Du hast gesagt, du konntest deinen Träumen folgen, also kann ich es auch.

Waren Sie schon einmal in Berlin?

Schon ein paar Mal, zum Beispiel für Lesungen. Und um Dietmar Todt, Biologie-Professor an der Freien Universität, zu treffen. Das ist aber Ewigkeiten her, mindestens 15 Jahre. Das letzte Mal war ich allerdings 2010 hier, als ich einen „Bambi“ verliehen bekam. Ich bedauere, dass ich nie genug Zeit in Berlin verbringen konnte, um einen Lieblingsort zu bestimmen. Aber ich war im Grunewald, um Nachtigallen zu beobachten. Außerdem habe ich das Holocaust-Mahnmal besucht und bin danach nach Auschwitz gefahren. Denn ich war auch ein Kind des Krieges.

Welche Eindrücke nehmen Sie mit?

Ich erinnere mich, dass ich, als ich das erste Mal in Berlin war, erwartete, eine zugebaute, graue Stadt vorzufinden. Und dann war ich begeistert, alles so grün und freundlich vorzufinden. Vor allem so viel Wald. Und dass hier Wildschweine leben, finde ich großartig, die gibt es in England nicht.

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