Bibi Bourelly

Diese Berlinerin schreibt die Hits für Rihanna

Nachdem Bibi Bourelly in Wilmersdorf die Schule schmiss, startete sie in Los Angeles durch. Der Rihanna-Hit „#BBHMM“ entstand durch schlecht gelauntes Gegrummel - und kam weltweit in die Charts.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Ein einziger Nachmittag veränderte das Leben von Bibi Bourelly. Die 20-jährige Berlinerin war in Los Angeles mit dem befreundeten Produzenten Deputy im Studio und hörte ein paar unfertige Beats. An diesem Tag war sie schlecht gelaunt, grummelte auf dem Weg in die Aufnahmekabine: „Bitch better have my money“. Nur drei Stunden später war der gleichnamige Song fertig. Und genau diesen Song nahm US-Sängerin Rihanna später zusammen mit Kanye West auf – und machte daraus ihren Hit „#BBHMM“. Das Lied erreichte nach der Veröffentlichung im März dieses Jahres in acht Ländern die Top Ten der Charts.

Bibi Bourelly, die mit richtigem Vornamen Badriia heißt und in Kreuzberg und Wilmersdorf aufgewachsen ist, ist zu diesem Zeitpunkt erst seit eineinhalb Jahren im Musikbusiness. Zuvor hat sie in Berlin die Schule vorzeitig verlassen und beschlossen, ihren Weg in Los Angeles zu finden. Der plötzliche Erfolg fühlt sich für sie verrückt an, sagt Bibi Bourelly. Abgefahren sei das, aber es mache sie glücklich und dankbar. Auch „Higher“, ein zweiter Song von ihr schafft es auf das kommende achte Album des Musikstars aus Barbados. „Ich liebe Rih. Sie ist so cool und hilft mir jetzt viel“, sagt Bibi Bourelly, die ihre Songtexte gern mit Schimpfworten spickt: „Es ist kein Fluchen, sondern die Art, wie ich halt rede.“

Bibi Bourellys Vater ist der amerikanische Jazzmusiker Jean-Paul Bourelly, der schon für Pharoah Sanders, Cassandra Wilson und Rod Stewart Gitarre spielte. Anfang der 90er-Jahre zog er nach Berlin. Rund 20 Jahre später postet seine Tochter auf ihrer Instagram-Seite ein altes Cover des Veranstaltungskalenders „Ticket“ mit einem Foto der beiden: die kleine Bibi auf den Schultern ihres Gitarre spielenden Papas.

Bibi Bourelly begleitete ihren Vater früh auf Tourneen und lernte dabei Jazz, Soul und Rock frühzeitig kennen. Kaum ein Wunder, dass sie schon als Teenager anfängt, ihre ersten Songs zu komponieren. Als Bibi Bourelly vor ein paar Jahren in Wilmersdorf die Nelson-Mandela-Schule verlassen hatte, waren ihre Eltern weniger begeistert von den Plänen ihrer Tochter. „Sie waren sauer“, sagt Schulabbrecherin Bourelly. „Aber als sie sahen, dass ich hart an meiner Karriere arbeite und sich langsam Erfolg einstellt, haben sie mich besser verstanden.“ Dank ihrer Wurzeln hatte Bibi Bourelly von Anfang an keine Schwierigkeiten damit, Songtexte auf Englisch zu schreiben. „Ich bin Amerikanerin und Deutsche“, sagt sie. Mit Freunden und der Familie rede sie auf Deutsch und auf Englisch, daher beherrsche sie beide Sprachen.

Mittlerweile ist Bibi Bourelly zu einer kleinen Größe im amerikanischen Musikgeschäft geworden. Das belegen ebenfalls Selfies der Berlinerin mit Rihanna, Kanye West und „Happy“-Komponist Pharrell Williams. Doch Songs komponieren möchte sie künftig nur noch für sich selbst. „Ich bin Sängerin, ich schreibe nicht mehr für andere Leute“, sagt Bibi Bourelly. Lieber konzentriert sie sich auf ihre eigene Karriere. So ist im April ihre erste Single „Riot“ erschienen.

Trotz ihrer Karriere in den USA habe Bibi Bourelly ihre Heimat nicht vergessen, sagt sie. „Berlin hat mich zu dem gemacht, was ich bin. Berlin ist meine Musik, es ist die Art, wie ich mich kleide, wie ich spreche“, hat sie dem „Vice“-Magazin gesagt. „Ich bin in den Straßen und U-Bahnen dieser Stadt aufgewachsen. Dann bekam ich Ärger und ging nach Amerika.“ Oft vermisse sie jedoch ihre Freunde, ihren Vater – und das Wetter. Den Beweis gibt es auf einem Foto bei Instagram zu sehen: Ihren Nacken schmückt seit Kurzem der Schriftzug „Berlin“.

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