Interview

BossHoss sind „Berlins Urban Cowboys“ - und Freunde des Lesens

The BossHoss sind recht vielfältig: Musik, dann die Juroren-Rolle bei „The Voice“ - und nun bringen Vollmer und Völkel zusammen mit Daniel Ernle ein Kinderbuch heraus.

Foto: BM

2004 haben Alec „Boss Burns“ Völkel und Sascha „Hoss Power“ Vollmer The BossHoss gegründet. Elf Mitglieder hat die Band inzwischen, neben Echo und Deutschem Fernsehpreis folgte von 2011-2013 der Einsatz von Vollmer und Völkel als Jurymitglieder bei „The Voice of Germany“. Nun haben die Beiden mit Daniel Ernle ein Kinderbuch herausgebracht. „The BossHoss – Kleine Cowboys ganz groß“ (Baumhaus Verlag). Ein Gespräch über Piff Paff Pedro, böse Jungs im wahren Leben und den großen Wild-West-Traum in Berlin.

Berliner Morgenpost: Hatte Ihr Management die Idee, ein Kinderbuch zu machen – oder Sie?

Alec Völkel: Die Idee kam vom Verlag. Ein Buch wollten wir schon immer machen, aber nicht unbedingt ein Kinderbuch. Das fanden wir super. Cowboys und kleine Kinder passt doch total. Wir haben viele Kinder, die Fans sind.

Sie haben selbst Kinder. Herr Völkel, ihr Sohn ist 15, Herr Vollmer, Ihrer ist fünf und Sie haben eine 15-jährige Tochter. Auf welchem Nachtisch liegt der Comic?

Sascha Vollmer: Meine Tochter findet es nicht mehr so spannend. Aber meinem Sohn muss ich es abends vorlesen.

Völkel: Und wie findet er es?

Vollmer: Super, der ist Fan. In seine Kita habe ich auch schon ein paar Comics geliefert. Er war ja auch schon am Entstehungsprozess beteiligt. Die unterschiedlichsten Stadien habe ich mit ihm auch besprochen. Text und Bild habe ich immer zuhause prüfen lassen.

Sie engagieren sich für Projekte gegen Analphabetismus. Warum dieses Feld?

Völkel: Wir können beide nicht lesen. (Sie lachen.) Deswegen auch ein Bilderbuch. Nein, früh anfangen ist wichtig. Die Kiddies brauchen Lesebücher. Und müssen lernen, dass Lesen Spaß macht.

Vollmer: Kids und Lesen, das ist in einem reichen Bildungsbürgerland wie Deutschland spannend. Und definitiv eine Sache, zu der wir uns gern äußern.

Bei „The Voice Kids“ wollten Sie sich gar nicht äußern – bei „The Voice“ sind Sie raus.

Völkel: Wir könnten jetzt natürlich eine Super-Promo starten und uns da hin setzen und 100.000 Bücher verkaufen – da würde sich der Verlag sicher freuen. „The Voice“ hat Spaß gemacht und ist für uns gut gegangen. Aber wir dachten, wir sollten es bei einem belassen. Drei Jahre haben wir das gemacht, jetzt wollten wir uns mal wieder auf die Musik konzentrieren. Das wäre auch nicht mehr wirklich glaubwürdig, wenn wir jetzt plötzlich „The Voice Kids“ machen würden, wo wir uns gerade zurückgezogen haben.

Vollmer: Wir wurden doch auch schon während der Sendung gefragt, ob wir nicht „Kids“ auch noch machen wollen. On top. Da haben wir viele Kämpfe ausgestanden – weil wir es bei der großen Sendung belassen wollten.

Im Buch geht es um den großen „Wild-West-Traum“. Welcher ist Ihrer?

Völkel: Zum großen Teil ist unser Traum schon erfüllt, würde ich sagen. Das, was wir geschafft haben, und das aus eigenen Stücken heraus. Wir machen das, was wir am liebsten tun und verdienen damit gutes Geld. Der Traum darf aber auch noch größer werden. Wir würden uns natürlich freuen, wenn wir im Ausland noch Fuß fassen. Und die Leute uns auch in Jahren noch zur Seite stehen.

Vollmer: Der Traum ist also, dass wir diesen hier weiter träumen dürfen. Die Cowboy-Thematik haben wir uns ja zurecht gelegt. Aber wir sind ja jetzt keine Stalljungen oder Kuhhirten. Wir leben in Berlin. Wir sind die Urban-Cowboys, wenn Du so willst. Es geht im übertragenen Sinne um Freiheit, darum, seinen Traum zu verwirklichen und sich nicht von seinem Ziel abbringen zu lassen.

Und in welchem Kiez leben Berlins Urban Cowboys ihren wilden Westen?

Vollmer: Wir leben alle in unterschiedlichen Stadtteilen, ich in Friedrichshain, Alec in Prenzlauer Berg. Da sind wir oft und viel in den vergangenen zehn Jahren unterwegs gewesen. Inzwischen sind wir aber auch so viel on the road, dass wir ganz gern zuhause sind, wenn wir in Berlin sind. Wir müssen nicht mehr die Kracher steigen lassen.

Völkel: Zuhause ist es schon schön, ja. Unser Studio ist auch in Prenzlauer Berg.

Also eher Spaziergang durch den Mauerpark als Bier auf der Kastanienallee?

Völkel: Beides. Wir gehen schon noch gern ein Bier trinken. Mit Restaurants ist es leider bisschen schwer geworden in Prenzlauer Berg. Frühstücken ist mega, aber ein gutes Restaurant?

Vollmer: Ja, im Weinstein waren wir öfter, rustikal, deutsche Küche, gute Weine – aber die sind ja nach Kreuzberg gezogen. Da gab es früher sogar so einen Billig-Thai auf der Bergmann, der hat die Nummern der Gerichte immer gesungen, wenn sie aus der Küche kamen. Der hatte ein Keyboard in der Küche, das war super. Da war das Essen Nebensache.

Feiert The BossHoss gemeinsam Grillpartys im Garten?

Vollmer: Wir treffen uns schon, ja, Sonntag gehen wir ins Kino. Neulich hatte meine Tochter Geburtstag, da hat sie allerdings fünf Freundinnen mit ins Studio gebracht – und wir haben ein paar Songs eingesungen. Das fanden sie natürlich toll. Und jetzt gibt es eine Warteliste für das nächste Mal, jetzt wollen sie alle kommen.

Völkel: Also, wer Kinder hat und wer Bock hat von uns, der trifft sich auch mal privat. Aber auch das ist weniger geworden. Wir touren viel und hängen da schon aufeinander. Wenn wir in Berlin sind, streut es sich auch ganz gern mal. Manchmal machen wir Bandabende. Aber wenige – weil die immer so böse enden. Da sind es dann nicht die Schrecklichen Sechs, sondern die Schrecklichen Sieben, die um die Ecke kommen. (Sie lachen.)

Gibt es bei den „Schrecklichen Sechs“ einen Favoriten? Piff Paff Pedro, Bohnenstangen Bill, oder doch XXX?

Vollmer: Ach, die sind alle toll. Obwohl: Die mit dem mysteriösen Fremdling, der mit der Gitarre aus dem Nichts kommt – die ist schon sehr wegweisend. Bei den Schrecklichen Sechs finde ich auch den kürzesten Cowboy, der nicht mal auf das Fahndungsfoto passt, klasse. Oder One Dollar Bill, der so harmlos ist, das sein Kopf nur einen Dollar wert ist. Der bärtige James ist mir erst im Nachhinein gekommen, den hätte ich noch anders gemalt.

Wer aus Ihrer Umgebung diente als Vorlage für die Charaktere?

Völkel: Sagen wir mal, sie stehen für bestimmte Sachen, die einem so im Leben passiert sind. Wir alle haben mit Widerständen und Ängsten zu tun. Mit Dingen, die uns zurückwerfen oder die wir uns nicht trauen. Das, was wir da erlebt haben, bezieht sich auf die bösen Jungs hier im Buch, vor denen wir Angst haben.

Vollmer: Und der Fremdling ist so eine Situation wie im Leben, wo auf einmal eine Tür aufgeht. Eine Situation, womit man vorher nicht gerechnet hat, wo einem aber Gutes passiert.

Und wer war bei Ihnen die Bedrohung?

Vollmer: Auf uns ist niemand mit der Knarre losgegangen.

Völkel: Aber die bösen Jungs kommen auch im Musikbusiness. Da musst Du Dir auch wie ein kleines Kind die Frage stellen, ob der jetzt gut oder böse ist. Meistens weiß man das leider erst danach. Ein reales Beispiel ist unser ehemaliger Manager. Sieben Jahre war der an unserer Seite, vor drei Jahren haben wir uns von ihm getrennt. Wir waren befreundet, das hatten wir zumindest im Gefühl. Und der hat uns einfach mal richtig über die Leisten gezogen, Geld hinter unserem Rücken um die Ecke gebracht, uns beschissen. Das hat lange gedauert, bis das aufgeflogen ist. Und dann war es ein langer Kampf, auch vor Gericht. Und das sind Rückschläge, die einen an die Wand drücken.

Vollmer: Abgesehen davon, dass man tierisch enttäuscht ist. Das verändert einen, man wird misstrauischer, ist nicht mehr so frei wie früher. So formt man sich leider für das Geschäft, die Musikwelt ist ein Haifischbecken, man lernt aus solchen Fehlern.

Was?

Vollmer: Uns gibt es jetzt zehn Jahre, da weiß man schon besser Bescheid. Aber wenn man ganz sicher sein will, darf man niemandem mehr trauen.

Völkel: Zumindest nicht geschäftlich. Wir haben dem damals ja alles überlassen, unsere Konten und Daten. Das machen wir nicht mehr, wir führen unsere Konten selbst und haben unsere eigene Managementgesellschaft gegründet.

Warum durften Sie, Herr Völkel, „Boss“ – und mussten Sie, Herr Vollmer, „Hoss“ werden?

Vollmer: Ich musste Hoss werden, ja.

Völkel: Nein, das ist gar nicht so schwer. Weil wir damals in der Kneipe saßen und die Idee zur Band geil fanden. Da kam Sascha um die Ecke und fragte mich, wie ich den Namen „BossHoss“ finde. Klang nach Western und Cowboy, ein Super-Show-Konzept. Und da er ja gut erzogen ist, hat er gefragt, ob ich Boss und er Hoss heißen soll.

Vollmer: Das ist keine hierarchische Anordnung bei uns.

Völkel: Nein, wir sind beide Boss.

Und wer ist der Böse von Ihnen?

Völkel: Böse? Gibt es bei uns gar nicht. Wir sind die Guten, wir kommen von draußen.

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