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Aaron Le ist Polizist - und spielt im TV einen Polizisten

Schauspieler Aaron Le hat zwei Standbeine: Der 32-Jährige ist Schauspieler. Zugleich arbeitet er seit vier Jahren beim Objektschutz der Berliner Polizei. Nun ist er mit „Die Rentnercops“ im TV.

Foto: Amin Akhtar

Wenn er es sich aussuchen könnte, dann sollte alles so bleiben wie es ist. Aaron Le ist mit Leib und Seele Schauspieler. „Der Traumberuf seit meiner Kindheit“, sagt der 32-Jährige. „Aber mein zweites Standbein ist ebenfalls ein große Glück.“ Seit vier Jahren arbeitet er beim Zentralen Objektschutz (ZOS) der Berliner Polizei – und spielt demnächst, natürlich, einen Polizisten in der ARD. In seiner Rolle als junger Kommissaranwärter Hui Ko ist er ab dem 31. März immer dienstags in „Die Rentnercops“ zu sehen (18.50 Uhr) – eine Hauptrolle neben Katja Danowski, die seine Chefin spielt, Wolfgang Winkler und Tilo Prückner, deren Figuren als alte Polizei-Hasen wegen Personalnot aus der Rente zurückgeholt werden. Der Clash der Generationen ist praktisch vorprogrammiert.

„Eine wunderbare Rolle, eine tolle Geschichte“, findet Aaron Le. „Mir hat die Produktion großen Spaß gemacht und ich bin sehr stolz, dabei gewesen zu sein.“ Lächeln muss er, wenn er in diesem Zusammenhang an seine Kollegen bei der Polizei denkt. Sie wissen schon längst um sein Schauspielerdasein. „Als der Münsteraner ‚Tatort‘ mit dem Titel ‚Die chinesische Prinzessin‘, in dem ich den Mörder gespielt habe, im Fernsehen lief, bekam ich ganz viele nette und lustige Nachrichten von meinen Kollegen“, erzählt er und lacht. „Ich glaube, die waren sogar bisschen stolz, dass einer von ihnen im Fernsehen mitspielt.“

Seine Eltern kamen als „Boatpeople“ aus Vietnam

Aaron Le, der mit komplettem Namen Aaron Hong Phuong Le heißt, ist in Gelsenkirchen groß geworden, zog 2001 nach dem Fachabitur nach Berlin. Seine Herkunftsgeschichte hingegen klingt dramatisch. Seine Eltern, die noch in Gelsenkirchen leben, stammen aus Südvietnam. Sie flohen 1982 als „Boatpeople“ über das südchinesische Meer und wurden durch das Hospitalschiff Cap Anamur gerettet. Zu diesem Zeitpunkt war Les Mutter schwanger, brachte ihren Sohn auf der Reise im philippinischen Morong zur Welt. Wie viele andere Südvietnamesen fassten sie Fuß in Deutschland. Zunächst waren sie wenig begeistert, dass Aaron Schauspieler werden wollte. „Sie waren strikt dagegen, wollten lieber, dass ich Arzt, Anwalt oder Architekt werde“, sagt Aaron Le. „Jetzt sind sie stolz auf den Weg, den ich gegangen bin.“

Dabei war dieser Weg alles andere als leicht. Er besuchte zunächst die Schauspielschule „Die Etage“ in Kreuzberg. Drei Jahre dauerte die Ausbildung, die er mit staatlichem Abschluss beendete. Wie viele Schauspieler hielt auch er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, wenn die Angebote mal ausblieben. Unter anderem jobbte er als Regal-Einräumer bei einer Supermarktkette. „Ich habe wie viele quasi von Null angefangen und mit Ehrgeiz, Selbstdisziplin und Zielstrebigkeit meinen Traumberuf als Schauspieler erreicht“, sagt Le. „Wenn man am Ball bleiben will, muss man viel Geduld und Humor haben.“

Brutalität, Scherben und Brände

Nach und nach kamen gute Film-Angebote. „Sperling und der Mann im Abseits“, „Im Angesicht des Verbrechens“, „Tatort“, „Kommissarin Lucas“ – und schließlich „Wir sind jung, wir sind stark“, ein Film über die feindlichen Übergriffe auf Asylbewerber in Rostock-Lichtenhagen 1992. „Schon die Dreharbeiten haben mich sehr bewegt, wegen der Brutalität, der Scherben und der Brände. Als ich dann den fertigen Film sah, kamen mir fast die Tränen.“ Nicht einfach war für Le auch, dass er einen Nordvietnamesen spielte. „Ich beherrsche leider nur südvietnamesisch, da musste ich ganz schön üben“, sagt er.

Dafür beherrscht er Kampfsport umso besser. Seine seit Jugendtagen angeeigneten Taekwondo und Kung-Fu-Kenntnisse waren bis jetzt jedoch noch nicht gefragt beim Film. „Aber ich habe dadurch sowohl als Schauspieler, als auch bei der Polizei sicher eine gefestigte Ausstrahlung und Haltung.“ Überhaupt profitiere er in beiden Berufen vom jeweils anderen. „Ich kann mich bei der Polizei im Umgang mit Menschen sicher besser in ihre Lage hineinversetzen.“

Manchmal wird er vom Polizeidienst freigestellt. „Ich bin meinem Chef Andreas Gnädig sehr, sehr dankbar für seine Kooperation“, sagt Le. Bis auf Weiteres sind alle Urlaube fürs Drehen reserviert. Doch Le liebt seine Zwölf-Stunden-Dienste bei der Polizei. „Ich arbeite gerne“, erklärt er. „Und außerdem sammele ich viele Überstunden, die ich dann mit der Arbeit für den Film abbummeln kann. Das ist optimal.“ Eine Einschränkung hat ihm die Polizeiarbeit aber doch auferlegt. „Ich darf keine Mörder oder Folterer mehr spielen – außer es handelt sich um eine ausgesprochene Verzweiflungstat“, sagt Aaron Le. „Das ist sonst ethisch nicht vereinbar. Kommissare sind natürlich kein Problem. Ich bin gespannt, wie viele Rollen da noch kommen.“

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