Jean Paul Gaultier

Der Mann mit dem Matrosen-Shirt besucht Berlin

Der legendäre Designer Jean Paul Gaultier ist nach Berlin gekommen, um im „Schwuz“ in Neukölln die Vorabpremiere der Dokumentation „Jean Paul Gaultier arbeitet“ zu feiern.

Foto: Reto Klar

„Es sind meist die schlecht angezogenen Leute, die am interessantesten sind“, sagte Jean Paul Gaultier einmal. Demnach dürfte sich der Designer in Berlin überaus wohlfühlen. Sagt man doch den deutschen Hauptstädtern häufig einen recht eigenwilligen Geschmack in Modefragen nach. Vielleicht auch deshalb ist der 62-jährige Franzose häufiger an der Spree anzutreffen. Im November des vergangenen Jahres besuchte er die Stadt, um sich im Friedrichstadt-Palast die Show „The Wyld“ mit Kostümen seines Kollegen Thierry Mugler anzuschauen und im Theater des Westens die Benefizgala „Künstler gegen Aids“ zu besuchen.

Am Montagabend war Gaultier nach Berlin gekommen, um im Club „Schwuz“ an der Rollbergstraße in Neukölln die Vorabpremiere der Dokumentation „Jean Paul Gaultier arbeitet“ (15. April, 21.35 Uhr, Arte) zu feiern. Darin widmet sich der französische Regisseur Loïc Prigent dem Schaffen des Designers: von den allerersten Spitzbrüsten, die er als kleiner Junge für seinen Teddybären Nana bastelte, über Madonnas legendäre Raketen-BHs bei ihrer „Blonde Ambition“-Tour 1990 bis hin zu seinen stilprägenden weiß-blauen Marine-Shirts.

Zu den prominenten Gästen auf dem roten Teppich gehörten in Berlin „Tatort“-Kommissarin Meret Becker, TV-Talkerin Sandra Maischberger, Schauspielerin Loretta Stern und Designer-Kollege Wolfgang Joop. „Ich habe selbst nichts von Jean Paul Gaultier im Schrank, ich interessiere mich für ihn eher als Künstler“, gab Sandra Maischberger zu. Obwohl sie sich heute hauptsächlich klassisch kleide, habe auch sie mit 18 eine wilde Phase gehabt. „Damals waren Neonfarben sehr angesagt. Ich habe damals immer drei verschiedenfarbene Strumpfhosen übereinander angezogen, das gab ein interessantes Muster“, so die 48-Jährige.

Als Fan der ausgefallenen Designs des Franzosen outete sich hingegen Meret Becker. „Ich finde, er macht ganz tolle abgefahrene Sachen“, so die Schauspielerin. Mit 21 sei sie in Paris einmal für ihn bei einer Modenschau gelaufen und habe von damals noch eine schwarze Lederkorsage. Für ihre eigene Stilsicherheit wollte die Berlinerin nicht bürgen. „Ich bin in meinem Modegeschmack sehr launenhaft“, sagte sie – ganz nach dem Geschmack von Jean Paul Gaultier also.

Der zählt seit beinahe 40 Jahren zu den ganz Großen der Modeszene. Der produktive Designer setzte sich mit einem unkonventionellen Stil durch und erfand neue Codes. Wie kein anderer hat er es immer wieder verstanden, den Zeitgeist der letzten Jahrzehnte in Mode umzusetzen.

Der Filmemacher Prigent hat Jean Paul Gaultier begleitet und ihn gebeten, seine erfolgreichsten Kreationen noch einmal auferstehen zu lassen. Im Film erklärt er die Herkunft der Korsetts, die zu seinem Markenzeichen wurden, und des Männerrocks, hier präsentiert von seinem Lieblingsmodel Tanel.

Gaultier spricht im Film über Kollektionen, die Skandale auslösten, selbst erfundene Materialien und Reiseinspirationen. Dabei wird deutlich, mit welcher Virtuosität, Kühnheit und Begeisterungsfähigkeit der Modemacher bei der Arbeit ist.