Comicverfilmung

Milan Peschel und Charly Hübner sprechen Asterix und Obelix

Die Schauspieler Milan Peschel und Charly Hübner besuchten Anfang der 90er-Jahre gemeinsam die Ernst-Busch-Schule. Jetzt standen sie für die „Asterix im Land der Götter“ im Synchronstudio.

Foto: Andre Poling / Fotograf André Poling

Milan Peschel und Charly Hübner kennen sich schon fast so lange wie Asterix und Obelix. Anfang der 90er-Jahre besuchten die beiden Schauspieler zusammen die Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin. Jetzt standen sie für die Comicverfilmung „Asterix im Land der Götter“, der am 26. Februar ins Kino kommt, zusammen im Synchronstudio. Ein Gespräch über Humor, Freiheit und die gemeinsame Heimat Ost-Berlin.

Berliner Morgenpost: Wie sind Sie zu den Sprechrollen gekommen?

Milan Peschel: Ich wurde gefragt ob ich es machen will. Dann hab ich Charly Hübner als Obelix vorgeschlagen.

Warum haben Sie ihn vorgeschlagen?

Peschel: Wen denn sonst? Ist ja wohl klar, dass Charly das machen muss. Er ist einfach der Beste dafür. Weil er ein fantastischer Schauspieler ist und den Geist absolut trifft. Und diesen intelligenten Humor versteht und zu schätzen weiß.

Herr Hübner, hat Herr Peschel Gemeinsamkeiten mit Asterix?

Charly Hübner: Auf jeden Fall. Ganz viele! Die Schläue. Und diesen subversiven Humor, den hat Milan ja total.

Peschel: Subversiv passt zum Thema! Das gallische Dorf ist ja auch subversiv. Das ist ja wie so eine kommunistische Urgemeinschaft. Es stellt sich gegen den Kapitalismus. Das ist ja durchaus ein Thema dieser Comics.

Hübner: Genau, man erträgt sich mit Liebe aber auch mit offenen Argumenten. Also mit dem Fisch auf den Kopp und so. Aber einer wie Troubadix wird in dieser Gesellschaft immer geduldet! Der würde bei uns total durchgereicht werden! In diesem Dorf darf er immer, wenigstes ein Mal kurz, drei Töne spielen. Dann kommt der Schmied und haut zu, aber das ist Ritual.

Peschel: Die sind streitfähig.

Hübner: Und das ist eine hohe Kunst, wie wir in diesen Tagen ja wissen. Gegenargumente ertragen zu können, ohne sie zu töten.

Und dafür brauchst du Spieler, die das können. Milan hat das schon als Student gekonnt.

Seit 55 Jahren sind die Comics sehr erfolgreich. Was fasziniert die Leute so an Asterix und Obelix?

Peschel: Dieses Dorf ist so ein letztes Refugium der Freiheit und stellt eine Sehnsucht der Menschen dar: Heimat, nicht aus dem Paradies vertrieben zu werden. Ein Spiegel der Gesellschaft. Und es geht auch um den größtmöglichen Moment der Freiheit ...

Hübner: ... in dem Materialismus keine Rolle spielt. Ich meine, die haben in Holzhütten gelebt! Und Caesar will die dann mit Luxusappartements verführen …

Peschel: Das ist wie der Traum von der ewigen Jugend. Diese Freiheit leben zu können. Ab einem gewissen Alter geht das ja gar nicht mehr. Da willst du eben nur in einem guten Hotel übernachten oder auf ein gutes Klo gehen. Um so schöner ist es, wenn man solche Momente noch mal erlebt, wo man dazu gezwungen ist, von dem was man gewohnt ist, wieder abzuweichen und was völlig Neues und Anderes zu erleben, was auch ein Glücksgefühl sein kann.

Hübner: Das ist was fürs Herz! Und wenn Du nur eine Seite liest – deswegen liegt Asterix bei mir auf dem Klo – eine Seite, das ist für das Herz so herrlich, diese Anarchie, diese Freiheit ...

Peschel: Ich muss es mir auch mal nebens Klo legen.

Wo oder wann empfinden Sie persönlich denn dieses Gefühl der Freiheit?

Peschel: Beim Theaterspielen.

Hübner: Theater und Mecklenburg. Ich komme von der Seenplatte und Milan hat ein Haus in Pommern. Da machst du dann, süditalienische Mutti-mäßig, eine Pasta und Freunde kommen und es gibt Wein und es entsteht ein Tag. Da hast du das Gefühl um das ganze Haus herum sind drei Kilometer Freiheitszone. Weil man alle bei sich hat, die gleichgesinnt sind.

Peschel: Wo Zeit dann keine Rolle mehr spielt.

Herr Peschel, Sie kommen aus Ost-Berlin und leben in Prenzlauer Berg. Stören Sie die Veränderungen im Bezirk?

Peschel: Es ist anstrengend teilweise, aber das ist eben meine Heimat. Es ist immer noch Ost-Berlin. Und Sanierung bedeutet ja auch, dass Sachen erhalten bleiben. Das ist nur möglich, wenn da Leute auch Geld reinbringen. Und ich kann es niemandem verübeln, dass er dahin möchte, wo es schön ist. Da passieren grenzwertige Dinge. Wenn da irgendwo steht: „Kauft nicht beim Schwaben“...

Hübner: ... das ist bescheuert!

Peschel: Das ist dumm und gefährlich!

Hübner: Das ist ja auch der Punkt, der im Film durchgespielt wird: Was passiert, wenn man das Neue kurz mal reinlässt? Und das ist der große Unterschied: Die Jungs kapieren es dann, die wissen genau wo ihr Herz ist. Da ist man ganz schnell auf so einer herrlichen Metaebene. Und deswegen ist es Kult. Genau wie Terence Hill und Bud Spencer. Ist doch verrückt! Man will, dass die gewinnen, weil man fühlt, die wollen aus richtigen Gründen Gerechtigkeit! Und deswegen verzeiht man denen auch dass sie sich verhauen, ob da oder bei den Galliern. Man hat im Herzen das Gefühl, die machen das für eine richtige Sache. Wieso haben wir das Gefühl, das es richtig ist? Weil es sich um etwas dreht, das uns allen irgendwie wichtig ist.

Peschel: Genau.

Hübner: Und das ist das Coole an dieser Erfindung Asterix und Obelix.