Dresdener Ereignis

Was den SemperOpernball so besonders macht

Hans-Joachim Frey hat den SemperOpernball wiederbelebt. Er erzählt, warum Königin Silvia von Schweden ihn nicht zum Tanz auffordern durfte und welche Fehltritte sich prominente Gäste erlaubt haben.

Foto: Amin Akhtar

Zum zehnten Jubiläum am 30. Januar hat Hans-Joachim Frey ein Buch über den SemperOpernball geschrieben. Die Berliner Morgenpost traf den Gründer und künstlerischen Leiter des Dresdner Gesellschaftsevents in Berlin und sprach mit ihm unter anderem darüber, warum Königin Silvia von Schweden ihn nicht zum Tanz auffordern durfte und welche Fehltritte sich prominente Gäste in den vergangenen Jahren erlaubt haben.

Berliner Morgenpost: Herr Frey, wäre ein Event wie der SemperOpernball auch in Berlin möglich?

Hans-Joachim Frey: Der Ball ist grundsätzlich überall möglich. Und Berlin ist die Stadt der Städte in Deutschland. Da geht es eher um die Frage, ob der Markt nicht schon zu gesättigt ist an großen Events. Schließlich sind die Karten ja auch nicht ganz billig bei uns. Und wenn die Berliner ein Highlight nach dem anderen haben und es gewöhnt sind, eingeladen zu werden, dann fragen sie sich vielleicht: Warum soll ich jetzt bis zu 2000 Euro für eine Karte ausgeben? Und wichtig ist auch der richtige Ort. Die Semperoper ist ja ein einmaliges Gebäude. Man müsste warten, bis die Staatsoper Unter den Linden wieder eröffnet ist, aber im Konzerthaus wäre es auch möglich, wenn es einem wie in Dresden gelingt, wirklich dieses spezielle, herausragende Event zu kreieren.

Es zahlen also auch die Prominenten?

Es gibt natürlich auch Prominente, die wir einladen. Aber der Grundsatz lautet, dass der Ball durch die Eintrittskarten finanziert wird. Wir haben keine Großsponsoren, so bleiben wir unabhängig, arbeiten aber mit wunderbaren Partnern zusammen. Meist sind die Tickets dann immer innerhalb von sechs Wochen ausverkauft und das bereits acht Monate, bevor das Event stattfindet. Die Nachfrage ist riesig. Wir verkaufen 2300 Tickets im Preis zwischen 235 und knapp 2000 Euro pro Platz.

Waren Sie bereits Ballexperte, als Sie den Ball 2006 gegründet haben?

Ich war überhaupt kein Ballexperte. Ich war Operndirektor und Regisseur in Dresden, und es gab in der Stadt schon länger das Bestreben, diesen Ball wiederzubeleben. 2006 gab es die 800-Jahr-Feier von Dresden, und etwa zwei Jahre vorher war klar, zu diesem Anlass soll es den Ball wieder geben. Und ich wurde damit beauftragt. 2004 bin ich dann zum Wiener Opernball gepilgert und habe das Ganze erst einmal studiert. Wie funktioniert so ein Ball? Was können wir anders machen? Dann haben wir unser eigenes Format gegründet. Der Gedanke war, Klassik-Entertainment zu schaffen. Das heißt, wir wollten unbedingt zwei Stunden selber ein Galaprogramm machen, und erst anschießend wird getanzt.

Der Wiener Opernball war das Vorbild?

Grundsätzlich ist der Wiener Opernball die Mutter aller Bälle, aufgrund seiner erfolgreichen, durchgehenden Geschichte. Also haben wir uns das, vor allem was die Logistik angeht, erst einmal angeguckt und auch einiges abgeschaut. Aber dann haben wir ein ganz eigenes Profil entwickelt. Dazu gehört unser Programm, der Orden, den wir vergeben, und die Tatsache, dass vor der Oper mehr als 10.000 Menschen stehen und mitfeiern, als ein Volksfest. Diese Mischung ist, denke ich, einmalig.

Haben Sie vorher überlegt, ob es dafür auch eine exzentrische Persönlichkeit wie Richard Lugner braucht?

Die ganze Geschichte mit den Prominenten ist bei uns sehr gewachsen. Wir brauchten das nicht, da wir das Konzept mit den Preisträgern entwickelt haben. Erst war das Armin Mueller-Stahl, und es hat sich immer weiterentwickelt. Bis heute, wo wir 2014 mit Königin Silvia von Schweden, José Manuel Barroso, Catherine Deneuve, Thomas Gottschalk und Udo Jürgens wirklich herausragende Persönlichkeiten als Gäste begrüßen durften.

An wen erinnern Sie sich besonders gern?

Einmal an den viel diskutierten Besuch 2009 von Wladimir Putin, aber auch gerne an Gérard Depardieu oder meinen Tanz mit Königin Silvia. Als sie zusagt hatte, bat uns das Protokoll, dass sie bitte nicht mit dem direkten Tanzgeschehen in Verbringung kommen sollte. Am Abend näherte sich dann dieser Zeitpunkt, hinter uns saß die Protokollchefin. Ich lehnte mich also zurück und fragte, was die Königin nun tun wolle. Und sie antwortete mir: „Ich glaube, sie fühlt sich ganz wohl, fragen Sie doch einfach.“ Ich fragte also: „Königliche Hoheit, wonach ist Ihnen?“ Und sie breitete einfach die Arme aus und nickte. Sie durfte mich ja nicht zum Tanz auffordern, aber die Geste hat genügt. Das war ein großes Erlebnis.

Gab es auch Fälle, in denen sich ein prominenter Gast danebenbenommen hat?

Es gab einen Prominenten, der sich im „Kempinski“ die teuersten Weine für mehr als 1000 Euro kommen lassen hat. Am nächsten Tag waren die Flaschen nicht mehr da – auch nicht die leeren. Oder ein Gast kam und hatte sich einen Smoking in seiner Größe bestellt, den wir extra anfertigen lassen mussten, um ihn ihm für den Abend zu leihen. Dann kam er zu spät und hatte den Smoking gar nicht an, den er aber trotzdem mit nach Hause nahm.

Was haben Sie fürs zehnte Jubiläum am 30. Januar geplant?

Wir haben jedes Jahr ein Motto. Dieses Mal ist es „Dresden jubelt“. Wir feiern nicht nur den zehnten SemperOpernball, sondern auch 25 Jahre deutsche Einheit, 30 Jahre Wiedereröffnung der Semperoper und zehn Jahre Wiedereröffnung der Dresdner Frauenkirche. Daraus zelebrieren wir einen großen Jubiläumsball. Die Farbe Gold spielt eine große Rolle. Die Debütantinnen werden zum ersten Mal ein goldenes Kleid tragen. Wir erwarten Gäste aus aller Welt und und präsentieren ein wirklich berauschendes Programm und Dresden als weltoffene Stadt.

„Der Dresdner SemperOpernball“ von Jürgen Helfricht, Saxophon GmbH, 19,90 Euro.