Botschafter

So feiern die diplomatischen Vertreter der Hauptstadt ihr Fest

Wie feiert der amerikanische Botschafter John B. Emerson, was macht sein italienischer Kollege? Und was passiert in Island, Ruanda und Großbritannien. Ein Besuch bei frohen Botschaftern.

Foto: Krauthoefer / jörg Krauthöfer

USA: „Glühwein muss aber noch nicht sein“

Räuchermännchen, Weihnachtspyramide und ein riesiger Weihnachtsbaum zieren auch dieses Jahr wieder die Residenz der Emersons. Sich einen ganzen Monat auf das Fest vorzubereiten, ist immer noch ungewohnt für den amerikanischen Botschafter John B. Emerson, Ehefrau Kimberly und die beiden Zwillingstöchter Hayley und Taylor. „In Deutschland spielt die Adventszeit eine viel wichtigere Rolle als in den USA“, sagt Taylor, die sich besonders über die Weihnachtsmärkte in Berlin freut. Glühwein soll es für die Töchter aber nicht geben, findet Mutter Kimberly. „Ihr seid zwar 18 geworden, aber das muss noch nicht sein“, sagt sie. Heiligabend werden die Emersons mit ihrer älteren Tochter Jackie, die in den USA studiert, und einer befreundeten Familie in der Karibik feiern. „Deshalb dürfen die Geschenke auch nicht allzu groß ausfallen“, scherzt Vater John B. Emerson. Seine Frau ergänzt: „Also kein Coffee-Table-Book, oder so.“ Auf Winterstimmung hoffen die Emersons dann nach der Rückkehr. „Die Weihnachtsmärkte haben in Berlin nach Heiligabend noch offen“, sagt Hayley Emerson. „Und dann wollen wir hier Silvester feiern – das ist doch auch etwas Wunderschönes.“

Italien: „Meine Mutter übernimmt die Regie“

Der italienische Botschafter Pietro Benassi wird die Feiertage in seiner Heimat verbringen. „Ich bin sicher, dass auch dieses Jahr meine Mutter die Regie für das Abendessen übernehmen wird.“ Da habe es Tortellini in Brühe „und einen ausgezeichneten Braten“ gegeben, erzählt Benassi. Meist nehme er sich dann eins der Bücher, die unter dem Weihnachtsbaum liegen, „vielleicht höre ich dazu auch Musik von einer schönen CD“, sagt er. An der Weihnachtszeit in Berlin gefällt ihm, dass „die Atmosphäre gar nicht so viel anders ist als in italienischen Städten“. Insofern fühle er sich auch vorher nicht weit weg von zu Hause. Zudem schaue er sich gern die neapolitanische Weihnachtskrippe in der Botschaft an, „ein handwerkliches Prunkstück“ sei sie. Reine Handarbeit, wie sie bereits Bildhauermeister im 17. Jahrhundert verwendet haben sollen. „So, wie bei den Krippen in der Certosa di San Martino und der Reggia di Caserta“, freut sich der Botschafter

Island: „Dann singen und tanzen die Kinder“

Botschafter Gunnar Snorri Gunnarsson hat eine isländische Tradition mit nach Berlin gebracht: „Die kleine Weihnacht“. Gemeinsam mit der „Schule für isländische Kinder“ lädt Gunnarsson traditionell vor Weihnachten in seine Residenz. „Dann singen die Kinder und tanzen um den Weihnachtsbaum, einer oder mehrere der Weihnachtsmänner kommen, tanzen mit und bringen den Kindern Süßigkeiten“, sagt Gunnarsson. Im Gegensatz zu den Deutschen glauben die Isländer an 13 Weihnachtsmänner, Kerle genannt. Heiligabend feiert der Botschafter in Island, im Kreise der Familie. „Ab 18 Uhr läuten die Glocken zur Christmette, und damit wird die Weihnacht eingeläutet. Viele gehen zur Kirche, in meiner Familie hören wir dem Gottesdienst im Radio zu“, erzählt Gunnarsson. „Danach wünschen wir uns gegenseitig frohe Weihnachten und essen Schneehuhn, wenn dies zu bekommen war, oder Rentier.“ Für das kommende Jahr wünscht der Botschafter Glück und Gesundheit. „Und Frieden, in diesen unruhigen Zeiten.“

Großbritannien: „Wir bleiben in Berlin“

An Weihnachten wird es voll in der Residenz des britischen Botschafters Sir Simon McDonald und seiner Frau Olivia in Grunewald. Die vier Kinder plus Schwiegereltern kommen zu Besuch. „Berlin ist so eine aufregende Stadt und schließlich haben wir hier das perfekte Haus“, sagt Olivia McDonald. Die Heimat holt sich die Familie einfach in Form eines britischen Festtagsessens in die Stadt. Am ersten Feiertag gibt es Truthahn oder Gans mit Brotsauce. Dass er Weihnachten nicht zu Hause verbringt, ist für den britischen Botschafter normal. Der „Knight Commander of the Order of St Michael and St George“ ist seit 1982 im diplomatischen Dienst und bereits in Dschidda, Riad, Bonn, Washington und Tel Aviv tätig gewesen. „Ein Jahr haben wir Weihnachten in Bethlehem verbracht, das war sehr besonders“, sagt er. An deutschen Traditionen haben die McDonalds die Weihnachtsmärkte lieb gewonnen. „Und wir gehen in die Kirche“, sagt der Botschafter. „Das ist wohl die größte Veränderung.“

Ruanda: „Ein bisschen Heimat nach Hause holen“

Gewöhnungsbedürftig am Weihnachtsfest in Deutschland findet Christine Nkulikiyinka das Wetter. Die Diplomatin ist seit 2009 als Botschafterin der Republik Ruanda in Berlin. Ein paar Mal habe es im Winter wenigstens geschneit. „Aber gerade ist das doch nichts Halbes und nichts Ganzes“, sagt sie. Nkulikiyinka lebt mit ihrem Mann und den beiden Kindern in der Nähe des Teufelsberges. Die Weihnachtsfeiertage verbringt die Familie jedoch bei Gent in Belgien. „Wir haben dort Familie, wir werden etwa 15 Leute sein“, so Nkulikiyinka. „Dann wird reichlich gekocht und wir tanzen zu traditioneller Musik.“ In ihrer Residenz in der Stallupöner Allee hat Christine Nkulikiyinka den Baum zusammen mit ihrem Sohn Jean Jacques geschmückt. „Die Große ist schon 18, die hatte keine Lust“, verrät sie und lacht. Neben einem Stern auf der Spitze und Christbaumkugeln finden sich dort auch traditionelle kleine Strohkörbchen aus Ruanda. „Man muss sich ein bisschen Heimat nach Hause holen, egal, wo man ist“, sagt sie.