Comedy

Die Fremdgeh-Tipps von Frauenversteher Atze Schröder

Als „Fifty Shades of Grey“-Leser weiß Atze Schröder, wie das schöne Geschlecht tickt. Sein neues Programm heißt „Richtig fremdgehen“. Er selbst praktiziere das nicht, aber offenbar kennt er sich aus.

Foto: BREUEL BILD/ABB / picture alliance / BREUEL BILD

Nachdem er in seinem Debütroman „Und dann kam Ute“ über die Liebe zu einer veganen Waldorf-Pädagogin schrieb, zeigt sich Atze Schröder in seinem neuen Programm „Richtig fremdgehen“ wieder von seiner altbekannten Seite. Am 23. April 2015 ist der Comedian mit seiner Show auch in der O2 World in Berlin zu Gast. Im Interview erklärt er schon vorab, welche Regeln es bei einem Seitensprung zu beachten gibt und warum Frauen sich beim Ehebruch generell geschickter anstellen.

Berliner Morgenpost: In Ihrem letzten Programm ging es um eine Liebesgeschichte. Was ist seitdem vorgefallen, dass es dieses Mal um “Richtig fremdgehen” geht?

Atze Schröder: Letztes Jahr war ich mit meinem Buch “Und dann kam Ute” auf Lesetour, danach dachte ich, bevor mein Image komplett im Eimer ist, mache ich mal ein Programm, in dem ich es richtig krachen lasse. Anders kann man das Thema auch gar nicht behandeln. Ich habe versucht, sehr moralisch zu bleiben, aber das geht nicht. Es ist einfach schlüpfrig. Und die Frauen lachen am Ende am lautesten. Wenn man genau hinguckt, sieht man, dass es den Frauen gar nicht hart genug sein kann. Am Anfang sind sie immer noch ein bisschen verhalten, aber irgendwann brechen die Dämme. Bei dem Thema kann man natürlich zuerst fragen: Warum geht man überhaupt fremd. Aber dann wird es schnell bitter. Das kann man in einem Comedy-Programm nicht gebrauchen.

Wie sieht Ihr präferiertes Beziehungsmodell aus. Ist fremdgehen okay?

Nein, überhaupt nicht. Ich halte Treue für sehr wichtig. Das Programm ist keine Aufforderung fremdzugehen. Ich habe mich nur mit dem Thema beschäftigt, weil ich festgestellt habe, wie viele Leute fremdgehen.

Wie haben Sie sich mit dem Thema beschäftigt?

Ich habe mit Bekannten gesprochen und mich bei verschiedenen Online-Seitensprung-Portalen angemeldet. Mysecret.de, Mydirtyhobby, Joyclub … Und das sind nur die Seriösen. Da tun sich unglaubliche Abgründe auf. Ich war sogar im Swinger Club. Angezogen allerdings, nur zur Besichtigung. Das muss man ja fast schon wieder goutieren, wenn die Pärchen dort gemeinsam hingehen. Oder ist das auch schon Fremdgehen, wenn der andere zuguckt?

Wo fängt denn fremdgehen für Sie an?

Das muss jeder für sich selbst definieren. Ist es zum Beispiel nicht eigentlich viel schlimmer, wenn ich die ganze Zeit an eine andere Frau denke, als wenn ich tatsächlich fremdgehe?

Sie denken in einer Beziehung also nie an andere Frauen?

Doch, natürlich. Ich schaue sogar mal hinterher, wenn die toll aussehen. Das ist für mich noch kein Fremdgehen. Ich bin mit meiner Perle schon 28 Jahre zusammen. Das grenzt ja fast an Liebe. Da gab es sicher schon mal einen Kuss auf dem Mund mit einer anderen Frau, aber ansonsten hat es sich einfach nie gelohnt. Klar denkt man mal darüber nach, aber das wäre mir das Risiko nicht wert. Und dann könnte ich das auch nicht genießen. Also kann ich es auch gleich sein lassen. Wenn ich das Gefühl habe, es könnte klappen, dann reicht mir das schon. Ich werde nächstes Jahr 50, da fange ich auch nicht mehr damit an.

Sie sind also eigentlich kein Experte fürs Fremdgehen?

Nur durch Beobachtungen. Ich übernachte ja oft im Hotel, wenn ich unterwegs bin. Da bekommt man schon mit, wer mit wem am Tresen sitzt und wer wo morgens aus dem Zimmer kommt. Ich kann wirklich sagen, dass unfassbar vielen Leute fremdgehen.

Gelten für Frauen und Männer die gleichen Regeln beim Fremdgehen?

Grundsätzlich ja, aber die Frauen machen es besser. Oft denkt man, Frauen gehen überhaupt nicht fremd. Aber daran sieht man einfach nur, dass Frauen viele geschickter sind. Männer denken, wenn sie mal gefragt werden, reden sie sich schon irgendwie raus. Wenn eine Frau gefragt wird, hat sie mindestens eine Ausrede mit Einleitung, Hauptteil und Schluss schon da liegen. Frauen haben auch ihre berühmte Intuition. Wenn die einem Mann nur einmal tief in die Augen schauen, fängt der schon an zu stottern und dann ist alles vorbei. Ich glaube, Frauen wissen das schon vor der Frage.

Sollte man einen Seitensprung beichten?

Ganz klar, nein. Wenn es nur ein Ausrutscher war, sollte man das auf jeden Fall verheimlichen. Das macht sonst viel zu viel kaputt. Die Tür kriegt man nicht wieder zu, sondern muss sich bis zum Ende des Lebens entschuldigen. Ich würde das lieber still genießen.

Und wenn man erwischt wird?

Leugnen. Da muss man noch sagen: Schatz, gut, dass du kommst, hier hätte sonst wer weiß was passieren können. Oder: Ich wurde als Geisel genommen.

Wie funktioniert dann also richtiges Fremdgehen?

Die perfekten Regeln gibt es nicht. Man muss aber einiges beachten. Zum Beispiel, dass es sich auch lohnt, wenn man das Risiko schon eingeht. Wenn die 80-jährige Oma im Schaukelstuhl sitzt, müssen sie ihre Enkel fragen: Warum grinst du so? Und dann denkt sie an diese Nachmittage mit Atze Schröder in Berlin, wo er sie aber mal so richtig durchgebügelt hat und freut sich, dass sie seit fünf Jahren wieder Gefühl in den Beinen hat. Dann hat es sich gelohnt. Und eine Regel lautet: Einmal ist keinmal. Da hat man leicht einen im Schlappen, laue Sommernacht, Vollmond, ein bisschen geknutscht, die Hormone steigen. Und dann ist es passiert. Hinterher tut es dir vielleicht direkt leid. Aber willst du so etwas beichten? Eigentlich war doch gar nichts. Alte Leute sagen doch immer, man bereut am Ende nicht das, was man getan hat, sondern das, was man nicht getan hat.

Eine Affäre ist also etwas anderes als der Absturz an der Hotelbar?

Das würde ich schon so sagen. Da kann man natürlich sagen, dann darf man nichts trinken. Ich habe gehört, es funktioniert, sich Männer für einen Abend schön zu saufen. Als Mann denkt man ja immer, es geht schon irgendwie. Schön lackierte Fingernägel reichen da manchmal schon aus.

Wenn es keine richtigen Regeln gibt, worum geht es dann genau in Ihrem Programm?

Udo Jürgens hat mal gesagt, für unattraktive Menschen ist es leicht, treu zu sein. Solche Thesen beleuchte ich dann. Es gibt also Menschen, von denen weiß man einfach, dass die treu sind. Unsere Kanzlerin zum Beispiel. Der können wir nicht vorwerfen, dass sie sich nach oben geschlafen hat. Oder unsere Nationalmannschaft. Dann spreche ich darüber, dass Fußball heute viel erotischer geworden ist. Selbst auf der Trainerbank werden plötzlich enge Hemden getragen. Da wo früher Typen wie Paul Breitner wie Mammuts über den Platz getrabt sind, hat man heute epilierte Augenbrauenmodels wie Cristiano Ronaldo oder Mario Götze. Da wird die Fantasie der Frauen natürlich angeregt. Oder ich spreche über “Fifty Shades of Grey”. Das erste Buch habe ich gelesen, weil ich wissen wollte, warum das so erfolgreich ist. Das ist ja eine recht einfache Geschichte. Wenn es nicht so ein hartes Thema wäre, wäre es zumindest sprachlich ein Kinderbuch. Schon auf den ersten zehn Seiten ist die Fassade des Gebäudes, in dem sie Christian Grey interviewt, sandsteinfarben, der Empfang ist sandsteinfarben, der Boden in seinem Büro glaube ich auch. Da bin ich als alter Literaturfan eigentlich schon raus. Ich habe mich dann gezwungen, trotzdem weiterzulesen. Ich wollte verstehen, warum Frauen von dem Buch so begeistert sind und habe dann daraus geschlossen, dass es für Frauen um Fantasie geht. Dass solche Geschichten dann auch übertrieben sein können. So wie bei all den Gaby Hauptmanns und Ildiko von Kürthys: Die einsame Innenarchitektin Julia begegnet nach einer großen Enttäuschung dem großen Staranwalt Ramon und alles scheint perfekt, doch was verbirgt er?

Eigentlich sind Sie also ein Frauenversteher?

Total. Ich bin in einem Frauenhaushalt groß geworden. Oma, Mama, Schwester, da weiß man, was Frauen wollen.