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Katarina Witt - Eiskönigin sucht Thronfolgerin

Die ehemalige Eiskunstläuferin wird 49. Eine Nachfolgerin ist nicht in Sicht. Ihren Geburtstag wird sie unter anderem in der O2 World verbringen - beim Konzert ihres Bekannten Bryan Adams.

Foto: Massimo Rodari

Auf dem Eis stand Katarina Witt vor sechs Jahren das letzte Mal. Seitdem hat sie die Schlittschuhe nicht mehr angezogen, auch nicht zum Privatvergnügen: „Einfach auf dem Eis stehen, ist keine Erfüllung“, begründet sie ihre Abstinenz beim Gesprächstermin im Hotel Mandala am Potsdamer Platz. Dort rührt sie als Markenbotschafterin die Werbetrommel für „Disney On Ice – Das zauberhafte Eisfestival“, das im Februar 2015 ins Velodrom in Prenzlauer Berg kommt.

Als sie die Halle betreten habe, in der die Läufer für die aktuelle Show „Die Eiskönigin – völlig unverfroren“ trainierten und die frisch gemachte Eisfläche gesehen habe, da habe sie „schon ein klein wenig Sehnsucht bekommen“, so Witt. Aber wenn man einmal runter sei vom Eis, dann könne man nicht einfach wieder rauf und ein paar Pirouetten drehen.

Im Disney-Prinzessinnen-Alter sei sie ohnehin nicht mehr, aber die Rolle des Hummers Sebastian in der Show habe es ihr angetan: „Ich wäre der Lobster“, antwortet die ehemalige Olympiasiegerin wie aus der Pistole geschossen auf die rein hypothetische Frage, welche Rolle sie bei Disney on Ice übernommen hätte. Seit Katarina Witt das Stück gesehen habe, käme auch kein Hummer mehr bei ihr auf den Tisch, scherzt sie.

Am Abend beim Bryan-Adams-Konzert

Auch nicht zur Feier des Tages: Am heutigen Mittwoch feiert die ehemalige Eiskunstläuferin Geburtstag. Geplant ist ein Konzertbesuch mit Freunden: Bryan Adams, den sie privat kennt und dessen Musik sie sehr schätzt, spielt in der O2 World. 49 Jahre alt wird die frühere Eiskönigin – eine Thronfolgerin ist bisher nicht in Sicht. Der nächste Eiskunstlauf-Star lässt auf sich warten.

„Das liegt zum Teil daran, dass die Zeit insgesamt viel kurzlebiger geworden ist“, sagt Katarina Witt über den Mangel an fähigem Nachwuchs, „auch weil das Vorbild der Teenager von heute zum Teil Shows sind, in denen es darum geht: ‚Wie wird man schnell berühmt‘ oder ‚wie wird man ein Star‘. Viele vergessen, dass gerade im Leistungssport extrem viel Fleiß, Zeit und Quälerei nötig sind, bevor man zu den Weltbesten gehört“, so die gebürtige Staakenerin.

Witt beklagt „extreme Kurzlebigkeit“

Um es im Leistungssport zu etwas zu bringen, müsse man locker zehn, zwölf Jahre intensiv trainieren. „Das passt wenig in den Zeitgeist von heute“, sagt Witt und erwähnt in diesem Zusammenhang auch die neuen Medien. Zum Glück gäbe es aber nach wie vor junge Sportler, „die diese Träume haben“. Dennoch werde es immer schwieriger, gerade junge Menschen für den Sport zu begeistern. „Ein zentrales Element unserer heutigen Zeit ist die Ungeduld. Alles muss immer fix geposted werden. Dadurch entsteht eine extreme Kurzlebigkeit.“

Beruhigend findet die 49-Jährige, dass „gerade unsere Generation, die mit jahrelanger harter Arbeit und hoher Qualität ihren Beruf erfolgreich ausübt, nach wie vor ihr treues Publikum hat. Ob das jetzt ein Herbert Grönemeyer ist mit seiner neuen Platte oder Schauspieler, die einen nach wie vor begeistern“. Solche Vorbilder sollten dem Nachwuchs doch beweisen, dass auch lange, solide Karrieren möglich seien, so hofft sie.

Der Nachwuchs macht sich indes auf der Eisfläche auf dem Marlene-Dietrich-Platz warm. Hier zeigen gerade einige Läufer aus der neuen „Disney On Ice“-Show neugierigen Kindern in Schlittschuhen ein paar Tricks.

Bis zum Februar werden es die Mädchen und Jungen nicht mit den Nachwuchs-Sportlern in Kostümen von Micky Maus, Arielle oder der Eiskönigin Elsa aufnehmen können – aber vielleicht animiert die Familien-Show ja doch den ein oder anderen kleinen Zuschauer, in die Fußstapfen der Profi-Läufer zu treten. Katarina Witt würde es begrüßen.