Ausstellung

Donata Wenders zeigt „Silent Traces“ in Charlottenburg

| Lesedauer: 4 Minuten
Julia Siepmann

Foto: Amin Akhtar

Donata Wenders, die Frau des Regisseurs Wim Wenders, zeigt in der Galerie Johanna Breede in Charlottenburg ihre fotografischen Eindrücke der japanischen Alltagskultur.

Sollen die Kleinformate auf die rechte oder die die linke Seite? Donata Wenders steht in der Galerie Johanna Breede und hält prüfend ein Bild an die weiß getünchte Wand. Es zeigt den Nacken und die kunstvolle Frisur einer Japanerin und stammt aus ihrer Serie „Journey to Onomichi“, die sie ab Freitag unter dem Ausstellungstitel „Silent Traces“ in der Charlottenburger Galerie zeigt.

Die meisten der kostbaren Bilder, von Hand applizierte Silbergelantine-Abzüge auf Barytpapier, stehen bereits am richtigen Platz. Die Fotografin nickt zufrieden. Die Bilder, mit denen die Frau des Regisseurs Wim Wenders ihre Eindrücke der japanischen Kultur eingefangen hat, passen zu ihr, denn sie wirken genauso zart wie sie selbst.

Es sind Szenen aus dem asiatischen Alltag, wie Menschen beim Ritual der Teezeremonie, ein Handwerker, der einen Fächer herstellt, ein Schwarm Vögel. „Die Fotos sind gleichzeitig Teil eines gemeinsames Projekts mit meinem Mann“, sagt Wenders, streicht über ihr schwarzes Strickkleid und erklärt, wie die beiden dabei vorgegangen sind. „Wir sind jeweils getrennt voneinander durch die Straßen von Onomichi gelaufen und haben die Motive ausgewählt, die uns am meisten interessiert haben“, erzählt sie, „dabei habe ich festgestellt, dass mich besonders die Dinge faszinieren, die langsam vergehen, die es also nicht mehr lange gibt.“ Ein Mönch, der andächtig eine Tasse Tee hält, eine zarte Blüte an einem Strauch, ein Feldarbeiter, der eine Handvoll Samen in den Boden gleiten lässt – solche Dinge.

Begeisterung für Kunst

Auch die Wahl von Onomichi selbst, einer Kleinstadt in der Präfektur Hiroshima, geschah nicht zufällig. „An diesem Ort wurde unser Lieblingsfilm ‚Tokyo Story‘ von Regisseur Yasujiro Ozu gedreht, dort wollten wir uns schon immer umsehen.“ Wenn Wenders vom Fotografieren spricht, ist ihre Begeisterung für diese Kunst förmlich zu spüren. Ihre Augen leuchten dann und der knallrot geschminkte Mund formt sich zu einem breiten Lächeln. „Nebenan hängt eine Bilderserie, die mir auch sehr am Herzen liegt“, sagt sie und führt in den hinteren Raum der Galerie.

Dort hängt ihre Serie „In the Snow“, elf kleinformatige Prints, aufgenommen im verschneiten Allgäu vor vier Jahren. Diese Bilder, auf denen eine weibliche Silhouette poetisch im Schneegestöber wandelt, hat sie bereits im letzten Jahr in der Galerie Polka in Paris gezeigt. Mit Erfolg, denn selbst der berühmte Fotograf Peter Lindbergh erstand eines ihrer Werke. Ob Schnee oder eine Glasscheibe, wenn Wenders Menschen fotografiert, dann tut sie das nie direkt. Immer gibt es ein Element, was zwischen ihr und dem Porträtierten steht.

„In diesem Zwischenraum entsteht eine besondere Atmosphäre“, erklärt sie und lächelt, „meistens liebe ich die Leute, nachdem ich sie fotografiert habe.“ Viele Berliner sind leider nicht darunter, denn die meisten Fotografien von Donata Wenders entstehen auf ihren Reisen, viele davon im Ausland. Zu Hause in Mitte habe die gebürtige Berlinerin nie viel Zeit für ihre Leidenschaft, erzählt sie, da sei die Fotografie der pure Luxus, da müsse zwischen all den Reisen und Dreharbeiten der Alltag organisiert werden.

Oder es stehen andere Aufgaben an, so wie jetzt. „Im Moment helfe ich Wim dabei, seine früheren Filme zu restaurieren“, erzählt sie, „das ist eine tolle Arbeit.“ Genau wie die Arbeit in der Dunkelkammer, die Donata Wenders seit ihrer Jugend beherrscht, noch heute ist jede Fotografie von Hand abgezogen. Die Ausstellung ist ihre zweite in Berlin, zwei Jahre zuvor hat sie schon einmal Arbeiten bei Galerist Heiner Bastian gezeigt. Auch eine tolle Adresse. „Bisher konnte ich wählerisch sein“, sagt sie und lacht.

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