Interview

Im Herzen bleibt Ralf Moeller der Junge aus dem Pott

Hollywood-Star Ralf Moeller ist in Deutschland zu Besuch. Wir haben mit ihm über seine amerikanische Staatsbürgerschaft, deutsche Klischees und sein soziales Engagement gesprochen.

Foto: BBI Films

Angefangen als Schwimmlehrer und Bodybuilder hat sich Ralf Moeller in den vergangenen 20 Jahren als Schauspieler in Hollywood etabliert und lebt in Los Angeles. Am Dienstag feiert der Film "Love Hate & Security", in dem er neben der italienischen Schauspielerin Romina Di Lella spielt, Premiere in Berlin. Nach einem Zwischenstopp in Cannes ist er nun in Deutschland und Europa unterwegs. Wir haben mit ihm telefoniert.

Berliner Morgenpost: Hallo Herr Möller, wo erwische ich Sie denn jetzt gerade? Sind Sie noch in Cannes?

Ralf Moeller: Nein, in Cannes war ich nur ein paar Tage. Gerade bin ich in Düsseldorf, morgen geht's nach Baden-Baden. Ich bin gerade viel in und um Deutschland herum unterwegs, habe viel zu tun – mache aber auch ein bisschen Urlaub.

Und wann verabschieden Sie sich wieder aus Deutschland?

Mein Trip endet wohl am 11. Juni. Als letztes steht ein Event im Rahmen meiner Kampagne "Starke Typen" auf dem Programm, die ich schon einige Jahre gemeinsam mit Politikern voran treibe.

Um was handelt es sich dabei?

Ich möchte jungen Menschen mit Migrationshintergrund den Weg ins Arbeitsleben erleichtern und Vorurteile abbauen. Ich besuche Hauptschulen und stelle Kontakte zu Unternehmen her, versuche Praktika zu vermitteln. Damit ist dann der erste Schritt getan.

Haben es Kinder mit Migrationshintergrund denn immer noch schwerer?

Wir wissen doch alle, dass in Deutschland immer noch vieles mit Vorurteilen behaftet ist. Oftmals ist hier ja das Glas immer halb leer, nicht halb voll. Viele bilden sich zu schnell eine Meinung und sind zunächst mal negativ eingestellt.

Sie haben über Jahre hinweg in den USA als Deutscher gelebt. Ist es da anders?

Ich bin da immer gut aufgenommen worden. Aber das ist auch was anderes in meinem Fall. In Deutschland besuche ich Schulklassen, in denen Kinder aus 25 verschiedenen Nationen sitzen. Das ist nicht immer einfach, habe ich in den letzten acht Jahren, in denen ich mich engagiere, beobachtet.

Seit April besitzen Sie die amerikanische Staatsbürgerschaft. Wieso haben Sie sich dafür entschieden?

Ich lebe jetzt schon seit 22 Jahren drüben in Los Angeles und hatte immer eine Green-Card. Jetzt, wo es möglich ist, die deutsche Staatsbürgerschaft zu behalten, habe ich mich entschieden, auch Amerikaner zu werden.

War Ihnen wichtig, Deutscher zu bleiben?

Ja, und deshalb hat mir vorher die Green-Card gereicht. Ich durfte zwar nicht wählen, aber damit konnte ich leben. Um Deutscher bleiben zu dürfen, muss man gewisse Voraussetzungen erfüllen – zum Beispiel immer noch Kontakt nach Deutschland halten. Aber weil meine Eltern immer noch hier Leben, ist das alles kein Problem. Außerdem arbeite ich ja auch ab und zu in Deutschland, im nächsten Jahr drehe ich zum Beispiel eine Komödie mit Sven Unterwald.

Und was ist der größte Vorteil für Sie, nun Amerikaner zu sein?

Dass ich bei der Einreise nicht so lange warten muss (lacht). Kein Fingerprint, kein Foto. Ich kann am Flughafen dann schneller durch den Zoll marschieren.

Sind Sie denn in den USA immer noch als Deutscher angesehen?

Die Amerikaner sehen mich schon als "den Deutschen" an, aber ich bin sehr gut integriert. Ich habe in den USA ja die wirklich großen Produktionen, wie "Gladiator", gemacht. Ich arbeite da, ich fühle mich verbundener, jetzt wo ich den neuen Pass habe. Aber klar, im Herzen bleibe ich der Junge aus dem Pott.

Was für ein Image hat Deutschland denn in den USA? Fällt den Amerikanern immer noch zu erst die Weißwurst ein?

Die Amerikaner lieben das Oktoberfest. Berlin steht auch hoch im Kurs. Besonders, weil so viele amerikanische Produktionen zuletzt in der Hauptstadt gedreht wurden. Politisch gesehen ist Angela Merkel sehr respektiert in den USA, auch gerade aufgrund der Situation in Russland und der Ukraine, wo sie als Vermittler angesehen wird. Obama setzt auf sie, weil sie einfach eine andere Verbindung hat. Und man guckt Fußball, man weiß, dass die Deutschen gute Autos bauen. Nur "Wetten dass?" ist bei den Amerikanern unten durch.

Und was sagen Sie dazu, wenn man Sie nach der Sendung fragt?

Naja, ich erkläre denen dann schon, dass man nicht ständig kaltes Wasser in die Hose geschüttet bekommt oder wie Tom Hanks eine peinliche Mütze aufsetzen muss. Aber ich kann ja jetzt auch sagen, dass Ende des Jahres Schluss ist mit der Show.

Das klingt ja wirklich nach einem schlimmen Image...

Markus Lanz hatte es als Nachfolger von Thomas Gottschalk ja auch total schwer. Der hat eben in den USA gelebt, hatte einfach ein ganz anderes Standing. Lanz ist ein toller Journalist. Aber nicht jeder ist als Entertainer geboren, nicht jedem sind die Witze in die Wiege gelegt.

Haben die Amerikaner denn einen anderen Humor?

Wenn man sich die US-Talkshows anschaut, dann ist das witzig und amüsant, aber es geht eben nicht unter die Gürtellinie. Bei "Wetten dass?" hat alles immer so einen komischen Nachgeschmack. Auch Preisverleihungen sind in den USA cooler. In Deutschland brauchst du ja teilweise Schmerzensgeld, wenn du da drei, vier Stunden sitzt. Wenn man sieht, wie dröge und trocken das da abgeht.

Haben Sie denn schon den Geschmack der Amerikaner übernommen?

Nein, ich finde Deutschland macht fantastische Produktionen. Mir gefällt zum Beispiel was Til Schweiger macht. Und auch Fack ju Göthe ist wahnsinnig gut. Im Ausland kommt das aber einfach nicht so gut an.

Sie haben neben der Italienerin Romina Di Lella eine kleine Rolle in "Love Hate & Security" gespielt. Die Premiere ist am Dienstag in Berlin. Was hat Sie daran gereizt?

Ich spiele einen israelischen Mossad-Agenten und wir haben bei den Dreharbeiten Frankfurt zu New York gemacht. Leider kann ich bei der Premiere nicht dabei sein, weil ich andere Verpflichtungen habe. Aber ich wünsche dem Team viel Erfolg. Mir hat gefallen, dass der Film alles etwas überspitzt darstellt, mit einem Augenzwinkern.

Wenn Sie es schon nicht zur Premiere kommen, werden Sie dennoch im Rahmen ihrer Zeit hier in Europa nach Berlin kommen?

Das weiß ich noch nicht genau. Ich war vor zweieinhalb Monaten da. Dann gehe ich gern ins Borchardt oder ins Grill Royal. Der Ausblick aus dem Puro ist grandios. Und ich liebe die Museen, die Kunst. Ich stehe auf Berlin.

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