Kettcar-Sänger solo

Marcus Wiebusch kämpft mit „Konfetti“ gegen Homophobie

Nach über 20 Jahren als Sänger von Bands wie ...But Alive und Kettcar hat der Hamburger in Berlin sein erstes Solo-Album aufgenommen. Vor allem ein Song liegt ihm dabei besonders am Herzen.

Foto: Andreas Hornoff.

„Es ist eine Hassliebe“, sagt Marcus Wiebusch über sein Verhältnis zu Berlin. Trotzdem kam der Kettcar-Frontmann und Hamburger aus Leidenschaft auf dem Weg zu seinem ersten Solo-Album nicht an der Stadt vorbei. „Es ist wohl tatsächlich so, dass die besten Produzenten in Berlin sitzen“, sagt er. „Es ist eine sehr inspirierende Stadt, die für die Kunst sehr vorteilhaft ist.“

Und so wurde Berlin ganz unverhofft nicht nur zum Aufnahmeort von „Konfetti“, sondern hat es in Form eines Künstlerporträts in Kreuzberg auch auf das Cover geschafft. „Es ist ein urbanes Album“, so der Musiker. Hamburg oder Berlin, das sei eigentlich egal. Bevor sich Marcus Wiebusch nach Alben mit ...But Alive oder Kettcar an seinen ganz eigenen Erstling gewagt hat, mussten erst über 20 Jahre im Musikbusiness vergehen. „Ich habe mich in meinen Bands eben immer wohl gefühlt“, erklärt er sein langes Zögern. Nun sei jedoch der Punkt gekommen, an dem er der internen Diskussionen überdrüssig geworden sei. „Ich wollte einfach meine Musik machen und nicht debattieren“, sagt er.

Das Ende von Kettcar bedeute das aber nicht. „Das Feuer war am Ende einfach weg“, aber: „Es mag helfen, sich den Raum zu lassen, um dann mit freiem Kopf wieder zueinander finden zu können.“

Mit „Konfetti“, das in dieser Woche erschienen ist, hat sich Marcus Wiebusch hohe Ziele gesteckt. „Ich möchte, dass diese elf Songs alles, was ich bisher gemacht habe, in den Schatten stellen“, so der 45-Jährige. Vor allem ein Song liegt ihm dabei besonders am Herzen. In „Der Tag wird kommen“ singt Wiebusch über seine Hoffnung, dass das Outing eines aktiven schwulen Profi-Fußballers in naher Zukunft Normalität sein wird. „Bisweilen hat mich der Song um den Schlaf gebracht, so wichtig war er mir“, erklärt der St-Pauli-Fan.

Den Inspirationsanstoß habe eine Solidaritätsbekundung gegen Homophobie bei ein Stadion-Besuch mit seinem homosexuellen Bruder gegeben. Es folgten Gespräche mit Sportjournalisten und intensive Recherche. Herausgekommen ist ein textgewaltiger Song von über sieben Minuten Länge. „Das Dogma, das in vielen anderen gesellschaftlichen Schichten und Sportarten bereits gefallen ist, wird auch im Fußball nicht ewig Bestand haben“, sagt Marcus Wiebusch. „Fortschritt ist nicht aufzuhalten.“ Die Reaktionen auf seinen Song jedenfalls seien bisher durchweg positiv gewegen – auch die seines Bruders: „Er war sehr gerührt, als er ihn zum ersten Mal gehört hat.“