Bundeswettbewerb Gesang

Katharine Mehrling sucht den perfekten Musical-Nachwuchs

Die Berliner Musical- und Chansonsängerin Katharine Mehrling will als Jury-Vorsitzende des Bundeswettbewerbs Gesang Nachwuchstalenten den Weg in die Theaterwelt ebnen. Dafür verlangt sie Perfektion.

Foto: Jim Rakete

Sie sitzt in der hintersten Ecke ihres Lieblingscafés in Charlottenburg, direkt am Fenster, und plaudert mit der Bedienung. Katharine Mehrling fühlt sich sichtlich wohl im Café, das sie als ihr „Wohnzimmer“ bezeichnet. An diesem Tag hat sie erst am Nachmittag Proben – deshalb sei genügend Zeit für ein Gespräch. Ein Gespräch mit einer der ganz großen deutschen Musical- und Chansonsängerinnen, die bereits eine ganze Reihe von internationalen Erfolgen vorweisen kann. Wahrscheinlich ist sie gerade deshalb zur neuen Jury-Vorsitzenden des Bundeswettbewerbs Gesang für Musical und Chanson auserkoren worden. Sie selbst gewann den renommierten Preis im Jahr 1995 – und freut sich nun, nach Nachwuchstalenten zu suchen.

„Unsere Nachwuchskünstler müssen neben einer sehr guten Stimme auch schauspielern und tanzen können und das möglichst gleichzeitig“, sagt die Frau mit den langen blonden Haaren. Wichtig sei zudem die künstlerische Eigenständigkeit, eine Geschichte zu erzählen, etwas von sich zu verschenken und durch Ehrlichkeit zu berühren. „Persönlichkeit und Charakter sind für mich wesentlich interessanter als eine perfekt klingende Stimme“, sagt sie: „Bloß keine Mittelmäßigkeit.“

„West End ist der Broadway von London“

Katharine Mehrling scheint Perfektionistin zu sein. Das muss man wohl auch, um all das zu schaffen, wovon viele ihrer Kollegen nur träumen können. Direkt nach ihrer Schauspiel- und Musical-Ausbildung in London und New York bekam sie ein Engagement im renommierten Londoner West End, um dort in einem Revival des Kultmusicals „Hair“ zu spielen.

Nach zwei Jahren zog es sie jedoch zurück nach Deutschland, das Heimweh plagte sie. „Das West End ist der Broadway von London“, erklärt sie, „und ich hatte also erreicht, was ich wollte. Für mich ein Grund, nach Hause zu kommen, um mich auf die deutsche Theaterkultur einzulassen.“ Diese sei nämlich komplett anders als in den USA oder Großbritannien, wo sich alles in New York oder London zentriere. Und sich in der Bundesrepublik zurechtzufinden, sich ein Netzwerk aufzubauen sei nicht einfach.

Nachhaltigere Wirkung als Castingshows

Und um genau diese Schwierigkeit zu umgehen, rät sie dem Nachwuchs zur Teilnahme am Bundeswettbewerb. Alles, was Rang und Namen habe, würde spätestens zum Abschlusskonzert in den Friedrichstadtpalast nach Berlin kommen. In einigen Fällen würden daraus auch die ersten Engagements entstehen, weil Intendanten oder Regisseure auf die Teilnehmer aufmerksam werden. Ein guter Anfang für die Theater- oder Gesangskarriere also, der Persönlichkeiten wie Max Raabe und Bodo Wartke hervorgebracht hat. Und Mehrling ist sich sicher, dass der Wettbewerb eine wesentlich nachhaltigere Wirkung als manche der Castingshows besitzt, die in Deutschland derzeit populär sind.

„Die TV-Casting-Formate suchen nach Sensationen, nach jungen Menschen, die man vermarkten kann“, sagt die Sängerin. Ein sozialschwacher Hintergrund oder Skurrilität seien da von Vorteil, eine gut ausgebildete Stimme nicht wesentlich. „Dann haben sie ihre fünf Minuten Ruhm und sind, bis auf zwei, drei Ausnahmen, ganz schnell wieder weg.“

Katharine Mehrling weiß, wovon sie spricht. Die Liste der von ihr gespielten Rollen ist lang: Sie spielte bereits die Sandy in „Grease“, Irma la Douce im gleichnamigen Stück, natürlich die Sally Bowles in „Cabaret“ und die Titelrolle in „Evita“. Auch Hollywood ist bereits auf sie aufmerksam geworden: In „Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat“ mit Tom Cruise ist Katharine Mehrling als Sängerin im Offiziersklub zu sehen. Bis Mittwoch ist sie noch als Judy Garland im Schlossparktheater zu sehen – eine Rolle, die sie ausfüllt. Und auch wenn sie aufgrund von Anschlussengagements Berlin immer wieder zeitweilig den Rücken kehren muss, würde sie die Hauptstadt nie verlassen wollen. „Für mich ist keine andere Stadt in Deutschland so reich in Bezug auf seine Theaterlandschaft“, sagt Mehrling. „Momentan möchte ich nirgendwo anders sein.“

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