Fernsehen

"Das Böse bietet wahnsinnig viele Spielmöglichkeiten"

Schauspielerin Susanne Bormann sieht aus wie der Prototyp einer Märchenprinzessin: langes blondes Haar, schöne blaue Augen, charmantes Lächeln.

Trotzdem entschied sich die Berlinerin dafür, im Film "Die Gänsemagd" (26. Dezember, 15.45 Uhr, ARD), in die Rolle der niederträchtigen Kammerzofe Magdalena zu schlüpfen, die auf hinterhältige Weise den Thron besteigen will: "Die Prinzessin zu spielen, wäre langweilig gewesen. Ich finde es spannender, etwas zu spielen, was mir selbst nicht sofort entspricht. Die Figur der Zofe ist ambivalenter. Das Böse bietet wahnsinnig viele Spielmöglichkeiten", erklärt die 30-Jährige ihre Wahl und zieht wenig märchenhafte Parallelen zum wahren Leben: "Da gibt es ja auch Menschen, die ihre Grenzen austesten und dabei auf Leute treffen, die ihnen nichts entgegenzusetzen haben."

Susanne Bormann spricht aus eigner Erfahrung: "Mir fiel es früher in der Schule schwer, mich zu behaupten. Ich habe die Manipulation meiner Mitschüler nicht durchschaut und mich deshalb nicht gewehrt", erzählt die gebürtige Kleinmachnowerin, die mittlerweile mit ihrem Freund Nicolai im Prenzlauer Berg wohnt. Damals brachte ein Schulwechsel Besserung, heute zieht Susanne Bormann aus dem Rollentausch ihre Lehre: "Es war interessant zu spüren, wie es sich anfühlt, Täter zu sein." Solche Aha-Effekte hat sie schon oft bei Dreharbeiten gehabt. "Man lernt beim Spielen viel darüber, wie es zwischen Menschen so funktioniert", findet Susanne Bormann, die seit ihrem achten Lebensjahr vor der Kamera steht. In Michael Gwisdeks "Treffen in Travers" gab sie ihr Schauspieldebüt, mit 17 bekam sie den Adolf-Grimme-Preis. In letzter Zeit spielte sie die Peggy im "Baader Meinhof Komplex" und Kriemhild in den Nibelungenfestspielen 2009 in Worms. Die Märchenreihe "Sechs auf einen Streich" war bereits Ende 2008 ein Erfolg für die ARD. Jetzt wird die Reihe unter dem Titel "Acht auf einen Streich" fortgesetzt. Ab dem ersten Weihnachtstag schlüpfen Nachwuchsschauspieler und renommierte Mimen wie Anna Maria Mühe und Hannelore Elsner erneut in Figuren der Brüder Grimm.

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