Premiere in Berlin

Was John Goodman im Film "Die Päpstin" fehlte

Johanna Wokalek hatte keine Ahnung, was da mit der Hauptrolle in „Die Päpstin" auf sie zukam. Schließlich hatte die junge Schauspielerin anders als fünf Millionen Deutsche den Roman zuvor nicht gelesen. Auch John Goodman fehlte etwas. Doch Regisseur Sönke Wortmann tat alles, um das Mittelalter authentisch darstellen zu können. Montagabend war in Berlin Premiere.

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Die üppig ausgestattete Bestsellerverfilmung kommt nun in die Kinos. Johanna Wokalek spielt die Päpstin in Sönke Wortmanns Film. In Berlin feierte der Film nun Premiere.

Video: Reuters
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John Goodman nimmt einfach alles mit Humor. Das Leben, seine Filme und die Fragen dazu sowieso. „Sie haben mich keine Sonnenbrille tragen lassen“, antwortete der so beliebte wie beleibte Hollywoodschauspieler am Montag kurz vor der Weltpremiere seines neuen Projektes „Die Päpstin“ am Potsdamer Platz auf die Frage, wie denn die Mitarbeit in der deutschen Mega-Produktion gewesen sei.

In dem von Regisseur Sönke Wortmann inszenierten Historienepos gibt der gewichtige Mime Papst Sergius und ist dabei auf den Geschmack von Romanverfilmungen gekommen: „Es ist durchaus ein reichhaltiger Stoff, aber als ich mein Kostüm angezogen habe, fand alles seinen Platz. Es hat Spaß gemacht.“ Leider sei es nun schwierig, diese Rolle mit künftigen Angeboten zu toppen: „Mehr Macht und Kraft kann man doch gar nicht zeigen.“ Ob er deshalb vor dem Gang über den roten Teppich noch rasch bei „Dussmann“ in den Literatur-Regalen schmökerte?

„Die Päpstin“ feierte schließlich auch erst als Buch Erfolge, bevor sie jetzt am Donnerstag auf die Leinwand kommt. Fünf Millionen Menschen haben den Bestseller von Donna Woolfolk Cross allein in Deutschland gelesen. Nur die Hauptdarstellerin nicht: „Ich kannte den Roman nicht“, gestand Johanna Wokalek freimütig. Die 34-Jährige freundete sich aber schnell mit ihrer historischen Namensvetterin Johanna von Ingelheim an. Die legendäre Päpstin soll im 9. Jahrhundert zwischen Papst Leo IV. und Papst Benedikt III. als Johannes Anglicus regiert haben: „Ich finde diese Frauenfigur so unglaublich berührend, in all ihrer Kraft und Stärke. Sie folgt ihrem eigenen Wertesystem, egal, was sich ihr in den Weg stellt.“

Ganz unvorbereitet „reiste“ die Schauspielerin trotzdem nicht ins Mittelalter: „Ich habe Bücher über diese Zeit gelesen, um die Gesellschaftsstrukturen zu begreifen. Beim Drehen war die Ausstattung hilfreich, um sich in die Zeit hineinzufühlen.“ „Die Päpstin“ wurde nicht nur aufwendig gedreht, sondern vor allem authentisch. Für Johanna Wokalek hieß das, sich die Haare abrasieren zu lassen und dreckige Fingernägel zu haben. Die Kostümbildner mussten unterdessen 3000 Kostüme nähen. Per Hand.

„Wir wollten das 9. Jahrhundert unbedingt so dreckig erzählen, wie es wirklich war. Es fiel der Kostümabteilung schwer, die neu hergestellten Klamotten gleich wieder zu zerkochen und in den Dreck zu schmeißen. Sie haben es trotzdem getan, und es war gut für den Film“, sagte Sönke Wortmann, der neben der charismatischen Hauptdarstellerin, John Goodman und „Herr der Ringe Star“-David Wenham auch 500 Statisten und Pferde bei großen Schlachten in Szene setzte – in Marokko, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen.

Heraus kam ein „wunderbarer Film“, wie Donna Woolfolk Cross findet, in zwei Fassungen: als zweieinhalbstündiger Kinofilm und als je 90-minütiger Zweiteiler fürs TV. „Es ist sicherlich eine der teuersten deutschen Produktionen in der letzten Zeit“, wich Produzent Martin Moszkowicz gekonnt der konkreten Kostenfrage aus. Auch Wortmann wollte sich angesichts der Doppelverwertung des Films nicht päpstlicher als der Papst geben. Die Kritik daran hatte schließlich schon seinem Vorgänger Volker Schlöndorff kurz vor Drehbeginn den Rausschmiss gebracht. Aus terminlichen Gründen sagte damals dann auch die ursprünglich als Päpstin besetzte Franka Potente ab.

„Ich bin ein Fan der Filme, die für Kino und TV produziert werden. Die sind erfolgreicher. Ich fand die Diskussion darüber überflüssig. Für mich gibt es nur gute und schlechte Filme“, sagte der „Sommermärchen“-Regisseur Wortmann, der erst einmal genug von Sportfilmen hat. „Ich bin jetzt in der klerikalen Phase.“ Die schauten sich Premierengäste wie Moderatorin Sandra Maischberger, Schauspieler Thomas Heinze und Topmodel Eva Padberg mit größtem Vergnügen an.