Berlin

Herta Müller bei Plácido Domingos Premiere in der Staatsoper

Zierlich, im schwarzen Mantel und wenig entzückt vom Blitzlichtgewitter kam Schriftstellerin Herta Müller gestern Abend als eine der letzten Besucher in die Staatsoper Unter den Linden zur Premiere von Verdis "Simon Boccanegra" mit dem spanischen Opernstar Plácido Domingo in der Titelrolle.

Die diesjährige Literaturnobelpreisträgerin erschien in Begleitung des Österreichers Ioan Holender , langjähriger Intendant der Wiener Staatsoper, der wie Herta Müller rumänischer Herkunft ist. "Ich bin heute Abend privat hier", sagte sie höflich, aber bestimmt und machte auch vor Fernsehkameras im Eingangsfoyer des Berliner Musentempels keine Ausnahme.

Währendessen hatte der frühere Außenminister Joschka Fischer mit seiner Frau, der Filmproduzentin Minu Barati-Fischer , bereits in der Mittelloge im ersten Stock Platz genommen, studierte aufmerksam das Programmheft. In der Loge saßen außerdem Kulturstaatssekretär André Schmitz und Kammersängerin Karan Armstrong , die Witwe von Götz Friedrich, dem früheren Intendanten der Deutschen Oper Berlin. Dort hatte Domingo in den 80er-Jahren unter anderem Triumphe als "Othello" gefeiert.

Daran hatte Otfried Laur , Chef des Berliner Theaterclubs, ungute Erinnerungen: "Damals hatte ich versehentlich die Eintrittskarten im Büro vergessen. Meine Frau war untröstlich. Zum Glück bekam ich zwei nicht abgeholte Pressekarten." Seither hat Laur im Büro an der Hardenbergstraße einen "Schusselkasten" angebracht. "Beim Verlassen gucke ich stets darauf. Seitdem habe ich nie wieder Karten vergessen", lachte er. Das Ehepaar war sehr gespannt auf die Vorstellung, denn der Startenor schlüpfte für sein Rollendebüt des Titelhelden erstmals ins Bariton-Fach.

Im Anschluss an die dreistündige Aufführung war eine Premierenfeier im Casino der Staatsoper geplant.