Reisemesse

ITB in Berlin: Mit der 3D-Brille nach Tschernobyl

Immer mehr Reiseanbieter arbeiten mit der virtuellen Realität. Sie bieten Entdeckungstouren etwa in die Sperrzone von Tschernobyl.

Tanja Bezbalko (26) erklärt die virtuelle Reise zum stillgelegten Kernkraftwerk Tschernobyl

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Foto: Jörg Krauthöfer

Berlin. Um mich herum ist es eng. Die Besucher schieben, drücken und drängeln sich durch die Gänge der Internationalen Tourismusbörse (ITB). Von Land zu Land, von einem Kontinent zum nächsten. Ich aber bin in einer anderen Welt. Ich stehe auf dem Gipfel des Watzmanns in mehr als 2700 Meter Höhe und genieße die Aussicht. Virtuell. In Halle 6.2b an Stand 301 habe ich eine Wanderung durch den Nationalpark Berchtesgaden gemacht, habe ohne einen Tropfen Schweiß zu vergießen das Bergmassiv erklommen. Vor meiner Tour gibt es eine kurze Einweisung. Ich bekomme eine HTC Vive Virtual Reality (VR) Brille aufgesetzt und befinde mich inmitten der bayerischen Alpen. Ich fühle mich ein wenig wackelig auf den Beinen, jede Bewegung mit dem Kopf oder dem Körper quittiert die Brille mit beeindruckenden Bildern.

Wer Höhenangst hat, bekommt weiche Knie

Mal ist es der strahlend blaue Himmel über mir, mit Blick in Richtung Füße sehe ich dann jedoch in tiefe Schluchten. Wer Höhenangst hat, bekommt weiche Knie. Ich drehe mich um meine eigene Achse und blicke auf den Königssee.

Mit einem Controller kann ich andere virtuelle Objekte anklicken und besuchen. Ich kann rot eingezeichneten Wanderwegen folgen, ohne große Anstrengung Gipfel erklimmen, Almen besuchen und mich völlig frei in der Landschaft bewegen. Zudem bekomme ich viele nützliche Informationen.

„Die 3-D-Digitalisierungen und 3-D-Echtzeit-Visualisierungen sind auf jeden Fall die Zukunft“, sagt Claudia Roeben von der 3D Reality Maps GmbH. Das Unternehmen hat für Bayern-Tourismus den virtuellen Spaziergang realisiert. „Es kommen auch Menschen im Rollstuhl an den Stand und können dank der Brille barrierefrei den Blick vom Watzmann genießen.“

9000 Reisebüros nutzen die Technik

In der Computerspiel-Branche gehören die 3-D-Brillen längst zur Standardausrüstung. In der Immobilienwirtschaft wird diese Technologie bei Verkaufsgesprächen auch eingesetzt. Virtuelle Rundgänge und dreidimensionale Szenarien würden nicht nur faszinierende neue Erfahrungen bieten, sondern ein realistischeres Bild vermitteln als Fotos und Broschüren, sind sich Reiseexperten seit Jahren sicher. So würden mittlerweile 9000 Reisebüros diese Möglichkeiten nutzen, unter anderem dreidimensionale Panoramen von Kabinen auf Kreuzfahrtschiffen.

Im Rahmen einer Präsentation erklärte die Mitarbeiterin eines Reisebüros, dass Kunden, die sich zuvor für eine Innenkabine auf dem Kreuzfahrtschiff interessierten, nach einem virtuellen Rundgang häufiger die Außenkabine mit Balkon gebucht hätten. „Das Thema Virtual Reality ist in den letzten Jahren durch die Decke gegangen“, sagte An­dreas Weigel in der eTravelWorld des ITB Berlin Kongresses bereits im vergangenen Jahr. Man sei ganz am Anfang. „Die goldenen Zeiten kommen noch“, lautet seine Prognose.

Mit einer solchen Brille vor den Augen begebe ich mich zum Beispiel in die Sperrzone um den stillgelegten Reaktor von Tschernobyl. Ich besuche Dörfer, eine der größten Abhöranlagen der Welt und die Ruinen eines Freizeitparks und die Stadt Prypjat. Ein seltsamer, beklemmender Rundgang, das totale Gegenteil der großen bunten Reiseplakate. Wer Interesse hat, kann an diesem Stand (Halle 3.1/ Stand 205) auch reale Touren buchen. In Halle 18 laufe ich durch Stockholm, treffe auf Elche und verschaffe mir einen Überblick über das Schwedenhaus. „Diese Brillen sind für die Messe eine gute Sache“, sagt Evelina Göransson von einem schwedischen Reiseveranstalter. „Die Messebesucher können sich einen ersten Eindruck verschaffen.“

Am Stand der Fluggesellschaft Qatar Air (Halle 2.2/ Stand 208) können Messegäste durch die Kabinen der Flugzeuge laufen, ohne anderen Passagieren in die Quere zu kommen. Und auch das Weltnaturerbe Wattenmeer kann in Halle 4.1 an den Ständen 230 und 216 virtuell erwandert und entdeckt werden. Ich sitze in einem Liegstuhl und besuche das Robbenzentrum Pieterburen in den Niederlanden. Verlassene Jungtiere, auch Heuler genannt, werden dort gepflegt und aufgezogen. Dank der Brille tauche ich mit den Tieren ab und bewege mich zwischen ihnen.

Am Sonntag ist die ITB von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Das Tagesticket kostet an der Kasse 15 Euro, im Internet zwölf Euro. Ermäßigte Tickets kosten acht Euro. Ein Last-minute-Ticket, gültig am Sonntag ab 14 Uhr, kostet acht Euro. Am Sonntag um 15.30 Uhr beginnt im Palais unter dem Funkturm die große 90-minütige ITB-Abschlussfeier. Messebesucher haben freien Eintritt.

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