Messe in Berlin

Hausverbot auf der Berliner ITB für Sicherheitskräfte

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Hans H. Nibbrig
Am Stand von Israel kam es zur Ausschreitung

Am Stand von Israel kam es zur Ausschreitung

Foto: Reto Klar

Polizeieinsatz auf der ITB: Die Messe Berlin reagiert nach einem Vorfall am Stand eines israelischen Reiseveranstalters.

Berlin. Ein Vorfall auf der ITB sorgt für Aufregung. Wie die Polizei am Freitag mitteilte, wurde sie zu einem Einsatz auf dem Messegelände gerufen, nachdem es am Stand eines israelischen Reiseveranstalters zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen Stand-Mitarbeitern und arabischstämmigen Sicherheitskräften eines Security-Unternehmens gekommen war.

Zuvor waren die Security-Kräfte offenbar „Free Palestine“ (Freiheit für Palästina) skandierend zu dem Stand gezogen. Zeugen des Geschehens berichteten, die Stand-Mitarbeiter seien massiv angepöbelt worden. Diese fühlten sich durch das lautstark auftretende Trio offenbar bedrängt und alarmierten die Polizei.

Die gerufenen Beamten konnten die Sicherheitskräfte kurze Zeit später in einer anderen Halle des Messegeländes stellen und ihre Personalien aufnehmen. Zwei der drei Männer, ein 19-Jähriger und ein 24-Jähriger hätten einen Migrationshintergrund, teilte die Polizei mit und bestätigte damit einen Bericht des „Tagesspiegels“. Beide Männer wurden von der Polizei mit einem Hausverbot belegt. Weitere Maßnahmen in dem Fall gebe es derzeit nicht, sagte ein Polizeisprecher am Freitag. Nach Informationen der Berliner Morgenpost sind allerdings zwei der drei Security-Kräfte polizeibekannt.

Die Messegesellschaft als Veranstalter der ITB habe sofort auf den Vorfall reagiert, sagte deren Sprecher Emanuel Höger zur Berliner Morgenpost. „Wir haben gegen die betreffenden Mitarbeiter des Unternehmens ein Beschäftigungsverbot auf dem Messegelände ausgesprochen“, sagte er und versicherte, man nehme den Vorfall sehr ernst.

Über die Firma, für die die Pöbler im Einsatz waren, sagte Höger, man arbeite seit Jahren gut und vertrauensvoll zusammen. „Das Unternehmen hat stets alle Kriterien erfüllt, die wir vor einer Auftragsvergabe einfordern“, betonte der Messe-Sprecher. Marc Böttger, der Geschäftsführer der Sicherheitsfirma sagte der Berliner Morgenpost, er bedaure den Zwischenfall und distanziere sich von dem gezeigten Verhalten. Er habe sich persönlich bei den Betroffenen entschuldigt, sagte Böttger weiter.

Kritik an dem Vorfall kam am Freitag von vielen Seiten. Die israelische Botschaft sprach von einem weiteren erschreckenden Fall von Antisemitismus. Andere Kritiker störten sich an einer Formulierung in einer Twittermeldung der Polizei, in der die Pöbler als „politisch aufgewühlte junge Männer“ bezeichnet wurden und sahen darin eine Verharmlosung.

Häufig Aufregung um Security-Branche

Das für die Messe Berlin tätige Sicherheitsunternehmen wird ungeachtet des Vorfalls als seriös und kompetent eingestuft. Dies gilt bei Weitem nicht für alle der zahlreichen in Berlin tätigen Security-Firmen, ganz im Gegenteil.

Es ist nicht das erste Mal, dass private Sicherheitsdienste in Berlin für Aufregung sorgen oder gar Skandale produzieren. In den vergangenen Jahren wurden mehrfach Fälle bekannt, in denen Security-Mitarbeiter in Flüchtlingsunterkünften Flüchtlinge in die Drogenszene oder das Rotlichtmilieu vermittelten. In Berlin ist es zudem ein offenes Geheimnis, dass in vielen Diskotheken und Clubs Sicherheitsfirmen den Drogenhandel steuern. „Wer die Tür hat, bestimmt, wer drinnen seine Drogen verkaufen darf“, sagt dazu ein Szenekenner.

Als Quell allen Übels machen Experten das Haushaltsgesetz aus. Für staatliche Stellen gilt: Die Auftragvergabe erfolgt auf der Basis des günstigsten Angebots. Die günstigsten Anbieter sind allerdings nicht selten zwielichtige Hinterhoffirmen, vielfach mit engen Verbindungen in die organisierte Kriminalität. Auf dem stetig wachsenden Markt der Sicherheitsbranche mischen Rockergruppen ebenso mit wie arabische Großfamilien.

Dass derartige Zustände ebenso wie der Vorfall auf der ITB geeignet sind, eine ganze Branche in Verruf zu bringen, stört vor allem den Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW). Es gebe zahlreiche seriöse Unternehmen mit hoch qualifizierten Mitarbeitern, diese allerdings hätten nun mal ihren Preis, sagte eine Sprecherin. Der Verband fordert seit Jahren Änderungen der Auftragsvergabeverfahren.

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