Tourismusmesse

Japan schließt nach Tsunami Stand auf ITB

Am Tag nach der verheerenden Erdbeben hat die japanische Tourismusagentur ihren großen Stand auf der Internationalen Tourismusmesse in Berlin geschlossen. Die japanische Botschaft in Berlin setzte ihre Flaggen auf Halbmast.

Foto: dpa / dpa/DPA

Einen Tag nach dem verheerenden Erdbeben in Japan ist der offizielle Stand des Landes auf der weltweit größten Reisemesse ITB in Berlin am Samstag geschlossen worden. Das teilte die Messe Berlin mit. Ein Sprecher der ITB sagte: „Wir bedauern dies sehr, haben aber absolut Verständnis für die Situation und trauern mit den Kolleginnen und Kollegen aus Japan.“ Der Tourismus des Landes präsentierte sich in Berlin auf einem viel besuchten Stand auf 170 Quadratmetern.

Am Freitag, dem Tag des verheerenden Erdbebens und anschließenden Tsunamis in Japan, war japanische Stand auf der ITB in Berlin noch gut besucht. Die Mitarbeiter von Reiseveranstaltern und Hotels gehen ihren üblichen Geschäften nach. Alle Besprechungstische sind voll besetzt. In der oberen Etage des zweistöckigen Messebaus in Halle 26 wird Sushi gereicht. Auf einem Flachbildschirm sind Sumo-Ringer sowie Impressionen japanischer Großstädte und Landschaften zu sehen.

Zu diesem Zeitpunkt ist die Nachrichtenlage noch unübersichtlich. Wie beim Tsunami im Indischen Ozean im Jahr 2004 scheint es geraume Zeit zu brauchen, bis das ganze Ausmaß der Katastrophe in Japan deutlich wird.

Der Chef-Repräsentant der offiziellen japanischen Tourismusagentur, Akinari Tange, wiegelt darum am Freitag zunächst einmal ab. Er stehe ständig mit der Botschaft Japans in Berlin in Kontakt, aber präzise Informationen über das Ausmaß der Naturkatastrophe lägen noch nicht vor. Für den Tourismus in Japan sei die Nachricht vom Erdbeben vermutlich sehr schlecht.

In der japanischen Hauptstadt Tokio seien die Schäden ersten Meldungen zufolge wohl überschaubar, ergänzt Tange. Seine Familie habe er telefonisch noch nicht erreichen können, weil die Leitungen wohl zusammengebrochen seien.

Satoshi Funatogawa von Prince Hotels & Resorts reagiert relativ gelassen auf die Nachricht von der Katastrophe. „Wir Japaner sind an Erdbeben gewöhnt“, sagt er. Dieses Erdbeben sei zwar nach amtlichen Angaben das stärkste in der Geschichte Japans. Aber er habe noch nichts von einstürzenden Häusern oder Hochstraßen in Tokio gehört. Der Strom und Telefonleitungen seien wohl zeitweise ausgefallen, die Züge führen nicht.

Beunruhigend seien Meldungen von einem brennenden Atomkraftwerk im Land. Die Verwüstungen durch den Tsunami, der durch die Erderschütterung ausgelöst worden sei, seien vermutlich schlimmer als die Schäden durch das Beben selbst, sagt Funatogawa.

Die Messe Berlin als ITB-Veranstalter reagiert mit Trauer und Bestürzung auf die Nachricht von der Katastrophe in Japan und den von einem Tsunami bedrohten Pazifikanrainern in Asien und Ozeanien. „Unsere Gedanken sind bei den Opfern und deren Familien, die von der Katastrophe betroffen und die unter Umständen in den kommenden Stunden von dem Tsunami bedroht sind“, sagt ITB-Chef Martin Buck.

Am Freitag waren überrascht auch US-Botschafter Philip Murphy und sein Tross am japan-Stand erschienen: „Wir sind gekommen, um unsere Solidarität und Unterstützung zu bekunden“, sagt Murphy mit ernstem Blick. „Geht es ihren Familien gut?“ Nach zwei Minuten ist der Diplomat wieder verschwunden. Mayu Suzuki hat er nicht gefragt. Die Eltern der jungen Frau in traditionellem Gewand leben im Erdbebengebiet. Sie weiß nur soviel:Sie haben Glück gehabt, ihr Haus steht noch. „Ihnen geht es gut“, ist Suzuki sicher. Akinari Tange kann nicht abschätzen, ob das Beben Folgen für den Tourismus in seinem Land haben wird. „Reisen nach Japan ist sicher“, sagt er und lächelt. „Japan hat Erfahrung, wir sind Erdbeben gewohnt. Es gibt Notfallpläne.“ Einen Tag später dann schloss Japan den ITB-Stand.