Tsunami

Auf der ITB sind die Gedanken bei Japan

Auf der Reisemesse ITB in Berlin herrscht Bestürzung über die Naturkatastrophe im Pazifik. Am Japan-Stand geht äußerlich alles den gewohnten Gang - doch die Gedanken sind Tausende Kilometer östlich.

Foto: dpa / dpa/DPA

Mit Trauer und Bestürzung hat die Messe Berlin auf die aktuellen Nachrichten aus den Katastrophengebieten in Japan und aus den von einem Tsunami bedrohten Pazifikanrainern in Asien und Ozeanien reagiert. Die Messe Berlin richtet noch bis Sonntag die weltweit größte Reisemesse ITB aus. Unter den Ausstellern sind auch Delegationen aus den betroffenen Ländern.

Martin Buck, Direktor des KompetenzCenter Travel und Logistics der Messe Berlin sagte am Freitag: „Unsere Gedanken sind bei den Opfern und deren Familien, die von der Katastrophe betroffen sind und die unter Umständen in den kommenden Stunden von dem Tsunami bedroht sind.“ Zugleich drückte er den Ausstellern und Besuchern aus der von der Naturkatastrophe betroffenen Region Mitgefühl und Solidarität aus.

Das Handy schweigt

Akinari Tange lässt sein Handy nicht aus den Augen, es baumelt an einem Schlüsselband vor seinem Bauch. Seit Stunden hat der Japaner nichts mehr von seiner Familie in Tokio gehört, das Netz ist überlastet, es gibt kein Durchkommen. „Sie haben mich hier eine Stunde nach dem Beben angerufen. Es geht ihnen gut“, sagt der Leiter des japanischen Stands auf der Reisemesse ITB in Berlin. Nun machen ihm Meldungen von Bränden und Nachbeben Sorgen. Tange bleibt nichts übrig, als weiter seinen Geschäften nachzugehen.

Rie Doi, Tourismusmanagerin aus Kyoto wirbt in Berlin für das Weltkulturerbe Japans, die Tempel und Teehäuser der früheren Kaiserstadt, die Kirschblüte. Doch immer wieder senkt sie ihren Blick auf den Tresen, wo auf einem Tablettcomputer unentwegt Meldungen aus der Heimat eintrudeln. „Wir haben ja immer wieder Erdbeben“, gibt sich die Frau im Hosenanzug gelassen. „Aber wir wissen nicht, welches Ausmaß das hier hat.“ Zum Glück liege Kyoto weit weg vom Epizentrum des Bebens, das am Freitagmorgen Japan erschütterte.

Äußerlich geht auf dem Messestand alles seinen Gang. Glänzende Prospekte und makellose Visitenkarten wechseln die Besitzer, Geschäftspartner werden bewirtet, prunkvolle Tempel und glitzernde Bürotürme flackern über Monitore – wenn da nicht der ständige Blick auf Handys und Computer wäre. Und dann überrascht auch US-Botschafter Philip Murphy und sein Tross die Tourismuswerber mit einem Besuch. „Wir sind gekommen, um unsere Solidarität und Unterstützung zu bekunden“, sagt Murphy mit ernstem Blick. „Geht es ihren Familien gut?“ Nach zwei Minuten ist der Diplomat wieder verschwunden.

Nur äußerlich geht alles seinen gewohnten Gang

Mayu Suzuki hat er nicht gefragt. Die Eltern der jungen Frau in traditionellem Gewand leben im Erdbebengebiet. Sie weiß nur soviel:Sie haben Glück gehabt, ihr Haus steht noch. „Ihnen geht es gut“, ist Suzuki sicher. Akinari Tange kann nicht abschätzen, ob das Beben Folgen für den Tourismus in seinem Land haben wird. „Reisen nach Japan ist sicher“, sagt er und lächelt. „Japan hat Erfahrung, wir sind Erdbeben gewohnt. Es gibt Notfallpläne.“ Was soll er auch anderes sagen? Noch bis Sonntag muss er in Berlin ausharren, dann ist die Reisemesse zu Ende. Das Handy auf Tanges Bauch rührt sich nicht.

Beim schwersten Erdbeben in der Geschichte Japans und einem nachfolgenden Tsunami sind mindestens 300 Menschen ums Leben gekommen. In weiten Teilen Nordjapans hat das Erdbeben nach Angaben von Ministerpräsident Naoto Kan schwere Schäden angerichtet. Das Tsunami-Warnzentrum in Hawaii gab für weite Teile des Pazifiks, darunter auch die gesamte US-Westküste, eine Warnung vor Flutwellen heraus.