Funkausstellung

Die IFA wird immer internationaler

In diesem Jahr seien mehr ausländische Fachbesucher gekommen, so eine erste Bilanz der weltgrößten Technik-Messe vor dem letzten Tag.

Der Prototyp eines transparenten Fernsehers des Herstellers Panasonic sieht im ausgeschalteten Zustand wie ein in Holz gefasstes Fenster aus, durch das man hindurchsehen kann.

Der Prototyp eines transparenten Fernsehers des Herstellers Panasonic sieht im ausgeschalteten Zustand wie ein in Holz gefasstes Fenster aus, durch das man hindurchsehen kann.

Foto: Florian Schuh / dpa-tmn

Berlin. Faltbare Smartphones und Tablets mit 5G-Technologie, eine intelligente Uhr, die sich durch Körperwärme auflädt oder eine Drohne, die das Staubwischen auf dem Schrank übernimmt: Was vor einigen Jahren noch wie Ideen aus einem Science-Fiction-Film klangen, sind auf der diesjährigen Internationalen Funkausstellung (IFA) nun Realität. Mit 1939 Ausstellern zeigen so viele Firmen wie nie zuvor in den Messehallen unter dem Funkturm ihre neuen Produkte. Die gesamte Ausstellungsfläche beträgt fast 150.000 Quadratmeter.

Wer sich die neuesten Telefone, TV- oder Haushaltsgeräte ansehen, sie vergleichen oder gar anschaffen will, hat am heutigen Mittwoch noch bis 18 Uhr die Gelegenheit dazu. Auf der IFA wird am letzten Messetag außerdem die Konferenz „Shift Automotive“ fortgesetzt. Dabei diskutieren Experten und Vertreter großer Auto-Hersteller wie BMW, Daimler oder Ford über die Mobilität der Zukunft und Themen wie autonomes Fahren oder Sharing-Angebote.

Nachfrage nach Haushaltsgeräten und Wearables groß

Im vergangenen Jahr zählte die IFA rund 244.000 Besucher. Kurz vor Ende der diesjährigen Funkausstellung hält sich IFA-Chef Jens Heithecker mit Zahlen noch zurück. „Auch der letzte Tag zählt für die Aussteller und für uns.“ Allerdings habe man in diesem Jahr deutlich mehr internationale Fachbesucher und Medienvertreter gezählt, und deren Resonanz sei ausgesprochen positiv gewesen. „Das ist angesichts der Schwierigkeiten, die im Markt in vielen Ländern bestehen, ein außerordentlicher Erfolg, den wir in dieser Größe ehrlicherweise nicht erwartet haben.“

Im vergangenen Jahr wurden bei der IFA Waren im Wert von 4,7 Milliarden Euro verkauft. „Die Zahl der georderten Geräte ist 2019 mindestens stabil, und in Summe sind die Vertriebsleute sehr zufrieden“, so Heithecker weiter. Vor allem von den Herstellern von Haushaltsgeräten und Wearables – intelligente am Körper getragene Kleingeräte wie Fitnessarmbänder oder smarte Uhren – habe es viel positive Rückmeldungen gegeben.

Die besten Technikprodukte aus aller Welt in Berlin

Aber die IFA richte sich explizit auch an den Endverbraucher aus Berlin und Brandenburg, sagt Heithecker. „Die weltgrößte Messe für digitale Produkte bedeutet ja nicht nur, dass die Menschen aus aller Welt zu uns kommen, sondern eben auch, dass sie die besten Produkte mitgebracht haben.“ Die Innovationen seien dabei verblüffend. Die werden anhand unzähliger Vorführungen wie Kochshows gezeigt und können auch selbst getestet werden.

So animieren etwa in Halle 22 die Mitarbeiter des Konzerns Phillips vorwiegend Besucherinnen, sich selbst an einem Bügeleisen zu auszuprobieren, das glatte Wäsche in wenigen Sekunden verspricht. Wenige Meter weiter erklären zwei Männer einen smarten Badezimmerspiegel, der dank angeschlossener Waage das Gewicht sowie Temperatur, Uhrzeit und die wichtigsten Nachrichten beim Zähneputzen anzeigt.

Ein Roboter, der in Schulen unterrichten soll

In Halle 5 ist es vor allem ein transparenter Fernseher des japanischen Herstellers Panasonic, der viele zum Staunen anregt. Im ausgeschalteten Zustand erinnert er weniger an einen TV-Empfänger als an ein in Holz gefasstes Fenster, durch das man einfach hindurchsehen kann. „Die Grundidee ist, den Fernseher etwas schöner ins Wohnumfeld zu integrieren“, sagt Christian Gupta aus der PR-Abteilung des Konzerns. Dazu wurde eine hauchdünne OLED-Folie auf Glas aufgetragen. „Wenn ich Strom anlege und Daten dazu gebe, entsteht ein Bild.“ Das ist dank einer Dimmfunktion klar sichtbar. Dabei handele es sich um einen Prototypen, der im kommenden Jahr auf den Markt gehen soll, so Gupta weiter. Daher gebe es noch keinen Preis.

In Halle 26, in der es vor allem um die technologische Entwicklung geht, sorgen Allen Zhau und Aelos für reichlich Erheiterung. Zhau ist Mitgeschäftsführer des chinesischen Konzerns Leju Robot, Aelos ein knapp 40 Zentimeter großer Roboter, der unter anderem tanzen, boxen und Sportübungen vorführen kann. „Das ist vor allem zur Unterhaltung“, sagt Zhau. Perspektivisch solle Aelos allerdings auch in Schulen unterrichten können.

Digitalisierung kennt keine Staatsgrenzen

Die erste IFA fand 1924 statt und hieß zunächst „Große Deutsche Funkausstellung“. Damals konnte man etwa zusehen, wie aus Drähten ein Radio gebaut wurde. Erst seit 1971 trägt die Messe ihren heutigen Namen. Ihren globalen Charakter habe sie allerdings noch deutlich später bekommen, sagt Direktor Heithecker. Der Wandel habe vor rund 15 Jahren mit dem Einsetzen der Digitalisierung begonnen, „denn digitale Lösungen kennen keine Grenzen.“

Seit 2006 findet die IFA nicht mehr alle zwei Jahre, sondern jährlich statt. Für die Zukunft hofft Heithecker auf einen stetigen Aufbaueffekt. Wer in diesem Jahr begeistert nach Hause fahre, stecke dort vielleicht Freunde und Kollegen an, im nächsten Jahr mitzukommen.