Funkausstellung

IFA in Berlin: So sieht die Küche von übermorgen aus

Auf der Internationalen Funk-Ausstellung zeigen Aussteller Produkte, die das Kochen erleichtern sollen. Nicht alles ist digital.

Software-Entwickler Werner Longhino mit dem Kräuterzuchtgerät "SmartGrow" von Bosch.

Software-Entwickler Werner Longhino mit dem Kräuterzuchtgerät "SmartGrow" von Bosch.

Foto: Franz-Michael Rohm

Berlin. „Assisted Cooking“, „Connectivity“ und „Home Gardening“ lauten einige der Schlagworte, mit denen die mehrere Hundert weltweit produzierenden Hersteller von Küchengeräten in den nächsten Jahren bei den Konsumenten punkten wollen. „Wir rechnen damit, dass in 30 Jahren über 80 Prozent der Menschen in Deutschland in Städten leben“, erklärt Pressesprecher Alex Kostner von Siemens Hausgeräte. Das bedeute unter anderem, dass Zeitersparnis ein wesent­licher Faktor der Menschen von übermorgen sei. Dazu müssten sie bei möglichst vielen komplexen Tätigkeiten im Alltag unterstützt werden.

In der Küche etwa kann man diese Unterstützung unter anderem durch einfache, intuitive Bedienung heute bereits erkennen, beispielsweise bei dem intel­ligenten Vollflächen-Induktionskochfeld von Siemens, das keine vordefinierten Kochzonen mehr hat. Töpfe und Pfannen, egal welcher Größe und Form, können völlig frei platziert und bewegt werden. Außerdem sorgt ein am Topf be­festigter Kochsensor genau dafür, dass keine Milch oder kein Nudelwasser mehr überkocht.

Über dem Kochfeld hängt eine mit dem Herd vernetzte Dunstabzugshaube, die von allein erkennt, wie stark die Gerichte gerade brutzeln und entsprechend die Saugleistung automatisch steuert. Zusätzlich wird sie über Drahtseilbefestigungen in die richtige Höhe über den Töpfen gebracht. Ebenfalls neu bei Siemens der iQ700 Backofen, der sich über Spracherkennung öffnen lässt. „Das ist genial, wenn die Hände noch voller Kuchenteig sind oder wenn man einen schweren Bräter trägt und dafür beide Hände benötigt“, sagt Kostner.

Siemens arbeitet bei der Spracherkennung unter anderem mit dem Smart Speaker der Telekom, Alexa von Amazon und Google Assistant.

Auf Google Assistant setzt auch AEG, die zum schwedischen Konzern Elektrolux gehören. Produkttrainer Andreas Stegner schwärmt vom „Assisted Cooking“. Mit Unterstützung einer Smartphone-App „lernt“ beispielsweise der Backofen, wie die Nutzer ihr Gemüse oder Fleisch am liebsten braten, grillen, schmoren oder wie saftig oder trocken welcher Kuchen geschätzt wird.

Der Backofen lernt, Nachschub bestellt der Kühlschrank

Mit Software-Entwicklern von Innit und der Koch-App „Side Chef“ wird der Backofen von übermorgen so vernetzt, dass sich nach Auswahl eines Rezeptes Temperatur, Backzeit und Umluft oder Oberhitze automatisch einstellen. „Wir arbeiten kontinuierlich an der weiteren Connectivity im Bereich Küche“, führt der 37-Jährige aus. Darunter versteht er, dass vermutlich ab Mitte, Ende 2020 eine Kamera im Backofen zeigt, wie weit der Kuchen gebacken ist. Auf der anderen Seite sieht Stegner auch im Kühlbereich großes Potenzial für Vernetzung.

Das rund 3500 Euro teure Flaggschiff der AEG-Kühlschränke heißt „French Door“. Im oberen Bereich lassen sich Flügeltüren aufklappen. Bereits heute können diverse Funktionen wie Eiswürfel-Herstellung oder Weinkühlung per App von unterwegs über das Smartphone bedient werden. Demnächst soll über eine Kamera im Kühlschrank beim Einkauf im Supermarkt überprüft werden können, was fehlt und was nicht.

Weitere Möglichkeiten sind eine Verbindung zu Dienstleistern wie Amazon Fresh, die über Sensoren und Kameras feststellen können, welche Produkte geliefert werden müssen. Noch stünden deutsche Konsumenten dieser Art der Küche der Zukunft skeptisch gegenüber, „ganz anders in den USA und China“, so Andreas Stegner.

Bei Bosch, einem der großen Produzenten von Küchengeräten, wird auf der IFA die Premium-Küchenmaschine geworben, eine Art digitale eierlegende Wollmilchsau, der Thermomix-Konkurrent Cookit. Genauso viel Aufmerk­samkeit erregte das Kräuterzuchtgerät „SmartGrow“. „Damit holen wir urban Gardening sozusagen in die Küche“, sagt Bosch-Entwickler Werner Longhino. Mit seinem Team hat er ein mit LED-Beleuchtung, intelligenter Bewässerung und Sensoren ausgestattetes Gerät entwickelt, in dem Dutzende Kräuter, aber auch Zwergtomaten oder essbare Blumen gezüchtet werden können.

„Kräuter sind ja derzeit sehr en vogue“, erklärt der 52-Jährige. Neben Klassikern wie Basilikum und Thymian können scharfe Chilischoten oder exotische Kresse gezogen werden. Über einen Einsatz lassen sich gleichzeitig zwei Sorten Keimlinge ziehen, von Brokkoli über Radieschen bis Pak Choi. Digitale Technik sorgt dafür, dass die Versorgung mit Wasser und Nährstoffen optimal ist. Rund 150 Euro kostet der automatisierte Kräutergarten, es gibt reichlich Zubehör, Samenkapseln und Nährstoffe. „Man kann sogar bis zu zwei Wochen in den Urlaub fahren, dann sorgt die Technik für die Versorgung der Pflanzen“, verspricht Werner Longhino.

Doch nicht alle Küchen-Neuerungen auf der IFA sind digitaler Natur. So hat der Traditionshersteller Cloer aus dem Sauerland seine 250 Euro teure Küchenmaschine 7001 mit einem doppelten Rührwerk ausgestattet, das am Schüsselboden arbeitet und so den Vorteil bietet, die Zutaten einfacher einzufüllen. Eine analoge Innovation bei einem Gerät, das vermutlich auch zukünftig nicht mit einem spricht.