Technik-Messe

IFA-Rundgang: Müller lässt die schlaue Technik noch kalt

Vom Japan-Stand aus in die weite Welt der Technik: Am Freitag eröffnete Berlins Regierender die IFA für das Publikum.

Bei der Gala zur IFA-Eröffnung zeigte sich Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) mit Miss IFA auf dem Roten Teppich.

Bei der Gala zur IFA-Eröffnung zeigte sich Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) mit Miss IFA auf dem Roten Teppich.

Foto: Annette Riedl / dpa

Berlin. Man kann nur vermuten, dass Michael Müller die Musik gefällt, die er gerade über die silbernen Kopfhörer in sein Ohr gespielt bekommt. Am Stand des deutschen Klang-Spezialisten Sennheiser lässt sich Berlins Regierender Bürgermeister zunächst wenig anmerken. Später sagt er dann: „War gut. Schöner, voller Klang.“ Ein Lied von Queen sei es gewesen, so Müller. Zumindest glaube er die wenigen Takte, die er hören konnte, der britischen Rockband zuordnen zu können.

Der SPD-Politiker hat immer nur wenige Minuten Zeit am Freitagmorgen. Schließlich zählt der Eröffnungsrundgang, den Berlins Regierungschef traditionell zum Start der IFA auf dem Messegelände unterm Funkturm absolviert, in diesem Jahr 18 Stationen. Um kurz nach 10 Uhr steht Müller am Stand von Japan in Halle 26. Eingerahmt von Länderflaggen und umringt von Messe-Chef Christian Göke, dem Vorsitzenden des IFA-Ausrichters gfu, Hans-Joachim Kamp, dem Staatssekretär aus dem Bundeswirtschaftsministerium, Oliver Wittke (CDU), sowie Japans stellvertretendem Wirtschaftsminister Yoshihiro Seki. Das Land ist in diesem Jahr Technologie-Partner der Innovationsschau IFA Next.

Japans Minister tanzt auf der IFA mit virtuellen Musikern

Müller geht an diesem Vormittag an farbenfrohen und kristallklaren Fernsehbildschirmen vorbei, probiert neueste Küchenmaschinen aus, fremdelt mit Staubsaugern und lässt mit technischer Hilfe sogar die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen. Auf der IFA, der weltweit bedeutendsten Messe für Consumer Electronics stehen in diesem Jahr vor allem Geräte mit Künstlicher Intelligenz und Sprachsteuerung im Mittelpunkt.

Müller selbst lässt die neue Technik jedoch noch kalt, sagt er am Rande des Rundgangs der Berliner Morgenpost. „Bei mir zu Hause habe ich noch gar keine intelligenten Geräte“, so der Politiker. Sein Auto aber sei bereits vergleichsweise schlau, sagt Müller wohl mit Blick auf die zahlreichen Assistenzsysteme, die moderne Fahrzeuge mittlerweile bieten. Interessant sei Künstliche Intelligenz und Vernetzung vor allem im Bereich Gesundheit. „Im Krankheitsfall seine Werte per App oder über andere Geräte überprüfen zu lassen, finde ich sehr interessant“, erklärt Müller.

Welche Möglichkeiten die neue Technik bietet, scheint Berlins Regierenden Bürgermeister an der einen oder anderen Stelle aber noch zu irritieren. Am Stand der Deutschen Telekom zeigt Michael Hagspihl, der Privatkunden-Chef des Konzerns, wie schnell Smartphone-Nutzer mittlerweile die Wirklichkeit mit dem Virtuellen vermischen können. Nur wenige Klicks später befindet sich Müllers kleine Rundgangsgruppe plötzlich mit den Pop-Musikern von „The BossHoss“ auf einem Bildschirm. Erweiterte Realität nennt sich das Verfahren, das ­digitale Animationen in die tatsächliche Umgebung montiert. Die nun virtuell anwesenden Pop-Musiker lassen schon die Hüften kreisen. Auch der stellvertretende japanische Wirtschaftsminister lässt sich nicht lange bitten und wagt ein Tänzchen. Müller hingegen winkt ab.

Auch das, was der Elektrogerätehändler Euronics in diesem Jahr auf der IFA präsentiert, lässt Berlins Regierenden Bürgermeister eher fragend zurück. Auf einem weißen Schränkchen hat das Unternehmen eine Eule aufgebaut, davor liegt ein Kinderbuch. Euronics-Chef Benedict Kober erklärt Müller, wie das Gerät funktioniert. Die Augen der Eule scannen gewissermaßen das davor platzierte Buch ab, dann liest das Gerät auch noch vor. Nur umblättern müssen die Kinder noch selber. Vorlesen sei aber doch eigentlich Aufgabe der Eltern, entgegnet Müller. Euronics-Boss Kober stimmt zu. Die Eule, die übrigens Luka heißt, sei mehr als Ergänzung zu sehen.

Mehr Freude hat Müller bei der Besichtigung des Tiny Houses der Firma Samsung. Natürlich ist die kleine Behausung intelligent und lernfähig. Müller inspiziert die Räume genau. Die Wohnungsnot in Berlin lasse sich damit aber nicht lösen, sagt der Politiker dann zu einem Reporter.

Um lokale Fragen geht es auch bei Müllers Besuch am Stand von AVM. Das Unternehmen entwickelt in Berlin unter anderem den Internetrouter „FRITZ! Box“. Vom Standort Berlin profitiere seine Firma weiterhin, sagt AVM-Chef Ulrich Müller-Albring. Vor allem Absolventen der hiesigen Hochschulen stelle seine Firma an, mitunter kehrten die jungen Talente aber auch der Start-up-Szene den Rücken, um dann bei einem etablierten Unternehmen wie eben AVM anzufangen, so Müller-Albring.

Fast 800 Mitarbeiter sind mittlerweile am AVM-Hauptsitz in Berlin tätig. Auf der IFA zeigt die Firma die neueste Generation der Router. Auch Müller geht auf Tuchfühlung mit den weiß-roten Boxen. Ein Modell könne sogar bereits mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G arbeiten, so der AVM-Chef. Danach kann Müller durchatmen. Seine Reise in die Welt der intelligenten, aber mitunter auch anstrengenden Technik ist vorbei.

Hier gibt es alle Infos für IFA-Besucher: Was man über die IFA 2019 wissen muss

Bei der IFA stehen in diesem Jahr die Themen Künstliche Intelligenz und Sprachsteuerung im Fokus. Die Messe findet noch bis zum 11. September auf dem Berliner Messegelände statt.

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