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IFA 2017: Zwischen Star Wars und Staubsauger

| Lesedauer: 4 Minuten
Jochim Stoltenberg
Morgenpostredakteur Joachim Stoltenberg in Aktion

Morgenpostredakteur Joachim Stoltenberg in Aktion

Foto: Sergej Glanze

Was entdeckt ein analog gepolter Autor auf der IFA? Ein Selbstversuch auf der Elektronik-Messe in Berlin.

Wurde ja auch mal Zeit nach so vielen Jahren in Berlin, die IFA zu besuchen. Weil ich auch in der Redaktion keinen Hehl daraus mache, mehr analog denn digital gepolt zu sein, meinten die Kollegen, es könnte doch ganz interessant sein, einen nicht besonders technikaffinen Reporter zur weltgrößten Konsumelektronikmesse zu schicken. Nach kurzem Zögern hab ich mich darauf eingelassen.

Los geht’s bei der Unterhaltungselektronik. Doch die modernen Fernseher beeindrucken mich nur bedingt. Ich bin mit unserem vergleichsweise kleinen Gerät noch sehr zufrieden, unser Wohnzimmer soll zudem nicht zum TV-Zimmer mutieren.

Nächster Stop Sony. Da greife ich zu einer Kamera, die schlappe 10.000 Euro kostet. Die kiloschwere Alpha A ist Sonys Flaggschiff für Profis. Es ist die schnellste, spiegellose, vollauflösende Kamera der Welt, mit 20 Bildern pro Sekunde. Hier erfahre ich, dass ich mal im Trend liege, weil auch ich mein Handy als Fotoapparat einsetze. 85 Prozent aller Fotos werden mittlerweile mit dem Handy geschossen.

Zwei Star-Wars-Krieger beim Duell

Dann entdecke ich etwas, das auch mein ernsthaftes Interesse weckt: kabellose Kopfhörer, nutzbar für digitalen wie analogen Empfang. Der Kombi-Funkkopfhörer kostet 179 Euro, entwickelt und geduldig erklärt hat ihn mir Produktmanager Ioannis Preventis vom bayrischen Zubehörspezialisten hama. Unterhaltsames entdecke ich bei Toshiba. Zwei Star Wars Krieger beim Duell, das von mehreren Kameras erfasst und dann zu einem Video zusammengefasst wird. Mehr was für die Enkel, denke ich.

Beim weiteren Gang durch die verschachtelten Hallen lande ich bei der „Weißen Ware“, der Haushaltsware im weitesten Sinne. Da ist zum Beispiel der Staubsaugerroboter „Roxxster“ von Bosch. Der reinigt nicht nur, er hat auch eine eingebaute Kamera. Der Clou: über die Kamera kann „Roxxter“ seinen aushäusigen Besitzer informieren, ob die Wohnung aufgeräumt ist, ob eingebrochen wurde oder ob es einen Wasserschaden gibt. Kein Haushaltsgerät im herkömmlichen Sinn, aber ein Spielzeug nicht nur für den Mann ist der Rasenmäher. Auch die sind zu meiner Überraschung bei der IFA zu sehen, von Robomow.

Der Rasenroboter aus Bayern wird per Display am Mäher per Hand oder über ein Smartphone gestartet. Bei Regen kehrt er selbstständig zu seiner Basisstation zurück und mäht erst weiter, wenn es trocken ist. Ein Pin-Code sichert vor dem Zugriff von Unbefugten.

Ein Rasenroboter, den man vom Büro aus bedienen kann

Ich könnte den Mäher also von der Terrasse aus starten und dann beruhigt ins Büro fahren. Fehlt nur noch, dass er auch aus der Ferne, etwa aus dem Urlaub zu starten wäre. Ich bin langsam müde vom Fragen, den vielen Erklärungen in meist englischer Sprache, vom Nichtverstehen so vieler technischer Details. Ich versuche mich in Richtung Ausgang zu orientieren. Da fällt mir ein kleines aus Pappmaschee geformtes Stadtmodell auf, das vom Stadtleben der Zukunft, von der Smart City kündet. Auf einem herausnehmbaren Tablet kann ich die vernetzte Stadtgesellschaft für mich exemplarisch erfahrbar machen: nach dem Sturz eines Radfahrers wird ein Rettungswagen per Signal vom Armband des Verunglückten alarmiert.

Oder das Licht wird gelöscht, das ein Mann beim Verlassen der Wohnung nicht ausgeschaltet hat. Am Technologiestandort Adlershof wird unter der Überschrift „Future Living Berlin“ bereits ein Wohnquartier entwickelt, in dem Smart Home Lösungen verwirklicht werden. Fazit: Neben viel Schnickschnack und Überflüssigem wie designten Kühlschranktüren oder Smartphone-gestützten Zahnbürsten ist auch manches Nützliche wie die AddWash Waschmaschine von Samsung, die bei laufendem Betrieb das Nachladen von Kleidungsstücken möglich macht, zu entdecken. Ich verstehe die digitale Welt jetzt etwas besser. Verändern wird sie mein Leben aber nicht mehr.

Die IFA ist heute zum letzten Mall von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Messegelände, Anfahrt am besten mit öffentlichen Verkehrsmitteln.