IFA in Berlin

Smart Home: Wie sinnvoll ist das vernetzte Heim?

| Lesedauer: 5 Minuten
Yannick Höppner
Besucher in der Samsunghalle

Besucher in der Samsunghalle

Foto: Reto Klar

Auf Smartphone und Smartwatch folgt Smart Home. Aber ist das vernetzte Heim sinnvoll oder bloß Spielerei?

Der Befehl ist kurz: „Hallo Alexa, fahr’ die Rollläden auf 60 Prozent.“ Einen Moment verarbeitet das angesprochene Sprachgerät von Amazon die Information, dann antwortet es schlicht mit einem „Okay“. Ein paar Sekunden später senken sich die Rollläden eines Musterhauses ab, nur so weit, wie befohlen. Ob nun Amazons Alexa, Apples Siri, Microsofts Cortana oder Googles Assistent: Sprachsteuerungen erobern unser Zuhause. Sie versuchen es zumin- dest. Von jungen bis alten Besuchern ist die Skepsis unter vielen auf dieser IFA groß.

Ein vernetztes Haus, auf der Fachmesse Smart Home genannt, macht eine physische Bedienung überflüssig. Es genügt, einfach auszusprechen, was Waschmaschine, Staubsauger oder Rasenmäher tun sollen, den Rest erledigen die Geräte selbst. Spracherkennungssysteme machen es möglich. Stolz präsentieren Technikunternehmen auf der IFA ihre intelligenten Produkte.

"Ein großer Schritt in Richtung eines neuen Lebensstandards"

So auch Samsung, das mit einer einzigen App, Samsung connect, ein ganzes Haus steuern können will – von der Klimaanlage bis zum Fernseher. „Das bedeutet eine neue Möglichkeit der Kon­trolle“, sagt Samsungs Vizepräsident für intelligente Geräte, Sunggy Koo. Er bezeichnet diese Entwicklung als einen großen Schritt nach vorn, in Richtung eines neuen Lebensstandards. Zum einen wolle man „das Leben der Verbraucher einfacher machen“. Daneben suchten Nutzer „einfach ein bisschen Spaß“, so der 43-Jährige.

Bei den Besuchern der Messe überwiegt an erster Stelle die Neugier. Menschentrauben bilden sich um selbstfahrende Staubsauger und sprechende Elektro-Dummys. Oder sprechende Staubsauger-Dummys. „Ich würde nie mit einem Staubsauger reden“, sagt Besucher Peter Körber. Er fände das Quatsch, habe jedoch einen Rasenroboter, der für ihn mäht. Grundsätzlich halte er diese Technik aber für teure Spielerei.

Ebenfalls auf dem Markt: „Geo-Fencing“

Derweil wird das deutsche Elektroinstallationstechnikunternehmen Busch-Jaeger bei der Überzeugungsarbeit kreativ: In einer aufwendigen Bühnenshow singen und trommeln Elektriker, während zwei Akrobaten Breakdance und Flickflacks bieten. Im Hintergrund flackern auf einer LED-Leinwand die Schlagworte „Safety“, „Comfort“ und „Energy“.

Es verhalte sich mit dem Smart Home wie mit Autos, sagt Unternehmenssprecher Simon Graeber. Zentralverriegelung, automatische Fensterheber, Sprachfunktionen – was im Pkw schon seit Langem funktioniert, werde nun auf das Haus übertragen. Ebenfalls auf dem Markt: „Geo-Fencing“. Das Mobiltelefon erkennt mithilfe des Global Positioning Systems (GPS), wann der Bewohner das Areal des Hauses verlässt, daraufhin werden im Gebäude automatisch Lichter ausgeschaltet und Türen verriegelt.

Während des Urlaubs geht der Fernseher an und aus

Auch Innogy, eine Tochtergesellschaft des Energiekonzerns RWE, setzt im Bereich Smart Home auf das Thema Sicherheit und „Geo-Fencing“. So seien unter anderem alle Rauchmelder miteinander vernetzt und würden so zum Teil des Alarmsystems, das durch Bewegungsmelder ausgelöst werden kann. „Man kann das Haus auch bewohnt aussehen lassen, wenn niemand da ist“, erklärt Julika Gang von Innogy. In unregelmäßigen Abständen werden dann etwa der Fernseher oder einzelne Lichter angeschaltet. Und natürlich funktioniert auch hier alles über eine App, die zudem den täglichen Energieverbrauch, offene Fenster oder die aktuelle Heizkraft anzeigt.

Die Daten über das vernetzte Haus „bleiben nur bei uns“, versichert das Unternehmen. Aber: Wer zusätzlich eine Sprachsteuerung wie Amazons Alexa benütze, der müsse sich darüber im Klaren sein, dass das US-Unternehmen die Daten speichern kann.

„Ich halte nichts davon, wenn mir mein Kühlschrank eine SMS schreibt“

„Das macht mich nervös“, sagt Student Robin Wiersig. „Wer weiß, was dann mit meiner Stimme gemacht werden kann.“ Er halte die neue Technik zwar für praktisch, wolle die Kontrolle über seine Daten aber gern selbst behalten. Trotzdem sagt er über die Entwicklung hin zum intelligenten Eigenheim: „Ich glaube, das ist die Zukunft.“ Das sieht auch Monika Kirsten so. Der 61-Jährigen gefällt vor allem die Möglichkeit, mit der Technik kommunizieren zu können. Zugleich habe aber auch sie die Sorge, dass ihr Haus gehackt werden kann und dann „auf einmal nichts mehr funktioniert“.

Was auf der IFA besonders auffällt: Wer glaubt, jüngere Generationen seien weniger skeptisch, der täuscht sich. Der 20-Jährige Paul Glampe und seine Begleiterin Viktoria sind ebenso kritisch wie die anderen Besucher. „Ich halte nichts davon, wenn mir mein Kühlschrank eine SMS schreibt“, sagt Glampe. Und auch Viktoria sagt: „Es ist zu viel, die Welt ist zu vernetzt.“ Trotzdem halten auch sie Kühlschränke, die etwa Rezepte vorlesen, für die Zukunft. Eine Zukunft, die vielen Menschen nicht geheuer ist und dennoch unumgänglich scheint.

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