Funkausstellung

Wo Kinder auf der IFA in virtuelle Welten abtauchen können

| Lesedauer: 5 Minuten
Hannah Hofer
Hannah und Jonathan an der neuen Playstation in der Jugendhalle  der IFA 2017

Hannah und Jonathan an der neuen Playstation in der Jugendhalle der IFA 2017

Foto: Sergej Glanze

VR-Brillen sind der Trend auf der Young IFA, auf der Technik für die junge Generation präsentiert wird.

„Öffne die Schublade“, sagt eine Stimme. Sie kommt aus dem Nichts. Alles ist in Blau getaucht, eine Wand aus Backstein, nirgends ein Ausgang. Nur ein Tisch mit einem Holzkästchen darauf steht im Raum. Ein Griff zur Schublade – er geht ins Leere. Blau weicht gleißendem Licht, ein kreisrundes Gestell mit einem Rechteck leuchtet hell – eine VR-Brille.

„VR“ steht für „Virtuelle Realität“ und ist der Trend bei den Computerspielen. Die VR-Brille beamt ihren Träger aus Halle 15.2 der Internationalen Funkausstellung (IFA) quasi direkt in das Spiel „London Heist“ hinein. Startpunkt ist eine blaue Kathedrale. Wer genug gespielt hat, kehrt in Halle 15.2. zurück – Standort der Young IFA, wo Technik für die junge Generation präsentiert wird.

Auch der 17-jährige Jonathan hat die VR-Brille ausprobiert, noch kann er der Realität aber nicht ganz entkommen. „Es macht Spaß, aber durch den Trouble in der Halle kann ich nicht ganz in die virtuelle Welt abtauchen“, sagt er. Gern hätte er eine eigene VR-Brille zu Hause zum Spielen, aber allein die kostet 399 Euro. „Zusätzlich braucht man natürlich noch eine Playstation 4, die Kamera die Kontakt mit der Brille aufnimmt und entsprechende Spiele“, erklärt er.

Programmieren kinderleicht

Nur ein paar Meter weiter flitzt ein Roboter von einer Ecke des Tischs zur anderen. Er ist blau-gelb, aus Legosteinen gebaut, sein Herz – eine sternförmige Platine. Ein zweiter Roboter, doppelt so groß und grau, folgt seinem Partner. Er fährt ein Stück, stockt dann, dreht sich um 180 Grad, fährt dann in die Richtung aus der er eben kam. „Möchtest du das ausprobieren?“, fragt Thorsten Leimbach. Er erklärt für das Fraunhofer-Institut auf der Young IFA Kindern das kostenfreie Webprogramm „Open Roberta“, mit dem sie einen Roboter programmieren können. Ein Mädchen kommt langsam näher, fast so, als könnte der blau-gelbe Flitzer sie gleich überfahren. Leimbach löst den Chip aus dem Lego­roboter und sagt: „Das hier ist eine Mikroplatine – klingt ganz kompliziert, ist es aber nicht.“ Er schließt die Platine über einen USB-Anschluss an einen Laptop an.

Auf dem Bildschirm beginnen die beiden unterschiedliche Bausteine aneinanderzupuzzeln. „Start“ zeigt der erste, „Fahre vorwärts, Tempo 50 Prozent, Strecke 20 Zentimeter“ der zweite Baustein, der darunter angedockt hat. Das Mädchen puzzelt eine Weile, die Skepsis in ihrem Gesicht weicht einem Lächeln, die Platine baut sie wieder in den Roboter ein. „Play“ und schon rollt der Roboter – erst vorwärts 20 Zentimeter, dann eine 180 Grad Drehung und 20 Zentimeter zurück. „Wir möchten den Kindern zeigen, dass Programmieren strukturiertes Problemlösen ist“, sagt Leimbach. Um „Open Roberta“ in die Klassenräume zu bringen, schult das Fraunhofer-Institut dieses Jahr 100 Lehrkräfte, die danach mit je 25 Platinen ausgestattet werden, um ihre Schüler ans Programmieren heranzuführen.

Grafik vergrößern

Vom Lehrer zum Topkommentator des Computerspiels „League of Legends“

Einen Lehrauftrag hat auch Youtuber Maxim, der um 12.30 Uhr die Bühne in Halle 15.2 betritt. 50 Kinder und Jugendliche haben sich auf grünen, pinkfarbenen und grauen Sitzkissen verteilt und lauschen gebannt ihrem Idol, das sie sonst nur aus dem Internet kennen. „Wer zockt gern League of Legends?“, fragt er. Fast alle Hände heben sich. „Wer möchte Youtuber werden?“, fragt er weiter. Niemand meldet sich mehr. „Sehr gut“, sagt Maxim zufrieden. „Denn Star-Youtuber zu werden, ist nicht leicht“, erklärt er und beginnt, seine Geschichte zu erzählen.

Der 30-Jährige heißt vollständig Maxim Markow und ist eigentlich Lehrer. Seit einigen Jahren ist er der deutsche Topkommentator des Computerspiels „League of Legends“. Bei Liveübertragungen kommentiert er präzise jeden Spielzug. „Ich möchte euch nicht die Illusionen nehmen, aber professionell Geld zu verdienen ist schwer. Ihr bekommt einen Dollar für 1000 Klicks, das sind ungefähr 80 Cent.“ Mittlerweile ist Maxim bei der Marketingagentur „Freaks 4U Gaming“ fest angestellt, um die Youtube-Einnahmen muss er sich nicht mehr direkt sorgen. Einen guten Tipp hat er trotzdem: „Wenn ihr euch mal irgendwo bewerbt – checkt die Rechtschreibung, bevor ihr eure Bewerbung abschickt. Das kommt immer gut an.“

Wer sich in den letzten Ferientagen nicht um Rechtschreibung sorgen will, kann auf der IFA noch etwas zocken. Brille auf, es wird kurz schwarz und schon ist man zurück in London und kann sich aus der blauen Kathe­drale befreien.

Mehr zum Thema:

So bewegt ist die Geschichte der IFA in Deutschland

Eintritt, Anfahrt, Highlights: Fragen und Antworten zur IFA