Technologie-Messe

Warum Roboter die heimlichen Stars der IFA sind

Vom Helfer im Haushalt bis zum Hilfspolizisten: Roboter sind auf der IFA die Stars. Besucher schwanken zwischen Begeisterung und Skepsis.

Jimu Robot in Halle 7.2b

Jimu Robot in Halle 7.2b

Foto: David Heerde

Gut, R2-D2, der kleine Roboter aus dem Kinohit „Star Wars“ ist nicht auf der IFA. Aber sonst sicher jeder seiner Kollegen, zum Beispiel „Alpha 1“. Alpha 1 steht mit zwei identischen Kumpels auf einem Tresen, strahlt mit seinen neonblauen Augen ein beunruhigendes Bluetooth-Lächeln. Dann legt das Trio eine astreine Choreographie zu Michael Jacksons „Beat It“ auf das Parkett, Pardon, den Glastisch. Dermaßen synchron, dass jedes Turmspringerherz höher schlüge. Kein Wunder, die drei Alphas sind vorprogrammiert, per USB am Heimcomputer. Offensichtlich dienen sie im Wesentlichen der Unterhaltung.

In China, ihrem Geburtsort, auch zu Bildungszwecken, wie die nette Mitarbeiterin mit ernstem Gesicht erklärt. „Viele Schulen nutzen Alpha 1 im Unterricht, um den Kindern die Grundlagen der Robotik nahezubringen.“ Die Kinder finden es bestimmt toll, die Frage ist nur: Wozu? Werden wir bald gar nichts mehr allein machen? Unnötig zu sagen, dass der Trend natürlich in diese Richtung geht, das zeigt die IFA jedes Mal aufs Neue.

Fensterputzen für 500 Euro statt 50 Cent

Alljährlich werden Innovationen präsentiert, die vorgeben, uns das Leben leichter zu machen. Dabei dürfen die klassischen, allbekannten Roboterfreunde auch auf der diesjährigen IFA nicht fehlen. „Mich fasziniert die Robotik generell“, sagt Günther Raß aus Nürnberg, während er „Windowmate“ beim Fensterputzen zusieht.

Hoch, runter, rechts, links. „Das erleichtert doch die Arbeit. Speziell er gefällt mir, weil meine Frau mir immer vorhält, ich könne keine Fenster putzen. Damit kriege auch ich das hin!“ Der batteriebetriebene „Windowmate“, ebenfalls aus China, besteht aus zwei Teilen, die durch einen ganz analogen Magneten die Fensterscheibe samt Putzlappen einklemmen. Und ist für schlappe 500 Euro zu haben. „Dafür kann ich mich mit einem Putzlappen für 50 Cent auch selber ans Fenster stellen“, bemerkt die 21-jährige Eva aus Lichtenrade trocken. Auch ihre Freundin Mandy aus Tempelhof würde sich den „Fensterkumpel“ nicht unbedingt ins Haus holen. „Man erleichtert sich zu viel, irgendwann tun wir einfach gar nichts mehr.“

Robotik in der Sicherheitstechnik

Richtig mulmig wird es vielen Besuchern aber noch nicht beim Staubsaugen und Fensterputzen per Roboter, sondern dann, wenn es um Robotik in der Sicherheitstechnik geht. Sie heißen „Koova“ und „Atom AR2“ und unterscheiden sich von normalen Überwachungskameras ohne Roboterstatus eigentlich nur dadurch, dass sie sich von allein bewegen, im besten Fall Richtung Einbrecher. „Gestern war hier ein Besucher, der erzählte, wie er mit unserer Kamera einen Einbrecher dingfest gemacht hat“, erzählt die junge Mitarbeiterin begeistert.

Die Kamera filmte den Eindringling, schickte das Video aufs Handy des Hausherrn, der eilte ins Erdgeschoss und – das Ende der Anekdote ist leider nicht überliefert. Aber steigern diese Geräte tatsächlich unser persönliches Sicherheitsgefühl? „Im Gegenteil“, findet Tanja aus Teltow. „Ich weiß ja nie, welche Daten wohin übertragen werden.“

Bedenken bei den technischen Vorzügen

Am Stand des „Sanbot“ kann man dann endlich einen Roboter mit Beinen, Armen, Rumpf, menschlichen Zügen auf dem Gesichtsdisplay, sogar Wimpern bewundern. Und ein Bildschirm auf dem Bauch, ein bisschen wie bei den Teletubbies. Sanbot ist auf jeden Fall der Star in Halle 7.1a, Dutzende Besucher tänzeln ihm nach Anweisung der Mitarbeiter mit gereckten Armen etwas vor, um ihn zum Folgen zu bewegen. Klappt manchmal auch. Beim Eigenversuch beschwert sich Sanbot: „Ich verliere dich aus meinem Sichtfeld, bitte geh langsamer“, scheppert er jammernd.

Der Sanbot, wie die meiste Robotertechnik auf der Messe auch aus China, wird bereits auf dem Flughafen von Shenzhen in Südchina eingesetzt. Er informiert Reisende über ihre Flüge oder weist ihnen den Weg zur nächsten Toilette. In Restaurants kann er auch Bestellungen entgegennehmen. Gisela Müller aus Biesdorf amüsiert sich prächtig mit ihren beiden Freundinnen. „Wäre schön, wenn der meinen Geschirrspüler so ausräumen würde, dass gleich alles in den Schrank kommt. Ach, und die Bügelwäsche auch gleich.“ Dann wird sie nachdenklich. „Ich finde den Fortschritt schon gut, aber man muss immer kon­trollieren, wofür er eingesetzt wird. Ich hoffe, nur für gute Zwecke.“