Unterhaltungselektronik

IFA-Trend: Premium-Technik bei Fernsehern wird günstiger

Leuchtende Farben und höhere Kontraste halten Einzug in die Mittelklasse. Große Technik-Innovationen bleiben in diesem Jahr wohl aus

Fernseher sind immer eine der Hauptattraktionen der IFA

Fernseher sind immer eine der Hauptattraktionen der IFA

Foto: dpa Picture-Alliance / Florian Schuh / picture alliance / dpa Themendie

Berlin.  Fernsehgeräte sind seit Langem die Schwergewichte der Messe – doch trotz neuer TV-Technik brachen die Verkaufszahlen in den vergangenen Jahren ein. 2016 ist das Interesse der deutschen Verbraucher an Fernsehern wieder merklich gewachsen – im ersten Halbjahr verzeichneten die Händler ein Absatzplus von 4,1 Prozent. Das stimmt die TV-Hersteller auch für das nahende Weihnachtsgeschäft optimistisch.

Vermutlich kaum technische Innovationen

Große Innovationen wird man auf dieser IFA vermutlich vergeblich suchen – LGs Topgeräte aus der Signature-Serie konnte man bereits zu Jahresbeginn auf der Messe CES in den USA bestaunen. Stattdessen konzentriert sich die Branche darauf, Technik aus Topgeräten weiter zu verfeinern und auch für günstigere TVs anzubieten. UHD beziehungsweise 4K-Auflösung gehören bei der kommenden TV-Generation quasi zum Standard. Sie bieten die vierfache Zahl an Bildpunkten im Vergleich zum aktuellen Full-HD-Standard. Was aber nach spektakulärer Bildverbesserung klingt, erweist sich in der Praxis oft als ernüchternd. Denn noch immer werden kaum Filme und Streams in der extrem hohen Auflösung angeboten.

Ein grob gepixeltes Bild muss man deshalb zwar nicht befürchten – eingebaute Bildprozessoren rechnen ein SD- oder HD-Signal auf die UHD-Auflösung hoch –, doch einen echten Schärfevorteil mit zusätzlichen Bilddetails erhält man so nicht. Ein weiterer Grund, der für Enttäuschung sorgen könnte, ist das menschliche Auge. Um den Schärfevorteil von UHD zu Full-HD sehen zu können, muss man nah genug vor dem Gerät sitzen. Wer zum Beispiel aktuell drei Meter oder weiter von seinem 40-Zoll-Gerät mit der 102 Zentimeter langen Bilddiagonale entfernt sitzt, braucht der Schärfe wegen nicht auf ein UHD-Gerät aufrüsten.

HDR und Quantum Dots für bezahlbare Geräte

Deutlich sichtbar hingegen – und das auch von Weitem – können Technologien wie HDR (kurz für High Dynamic Range) das Bild verbessern: HDR sorgt für einen besonders starken Bildkontrast, zeigt also gleichzeitig sehr helle und sehr dunkle Bildpassagen detailreich an. Dank Quantum Dot und ähnlichen Technologien können TV-Geräte zudem lebendigere Farben darstellen. Waren diese Vorteile im vergangenen Jahr noch den teuren Topmodellen vorbehalten, wird man auf dieser IFA durchaus auch Geräte für unter 1000 Euro mit diesen Bildverbesserungen sehen.

Fernseher mit der LCD-Alternative OLED haben solche Verbesserungen nicht nötig: Die selbstleuchtenden Bildpunkte der Geräte bieten seit jeher einen großen Farbraum und scharfe Kontraste. Lediglich in Sachen maximaler Helligkeit müssen sie sich LCD-Panels mit HDR geschlagen geben. Einen weiteren Nachteil hat OLED ebenfalls noch nicht wettgemacht: Die Technologie ist noch immer ziemlich teuer. So wird man in diesem Jahr zwar deutlich mehr OLED-Geräte von vielen Herstellern sehen – Schnäppchen sollten Verbraucher aber nicht erwarten.

Noch etwas unübersichtlich ist die Nomenklatur der neuen Bildtechniken. So gibt es für die HDR-Technik derzeit zwei konkurrierende Formate: HDR10 und das etwas anspruchsvollere Dolby Vision. Samsung und Sony etwa setzen auf HDR10, LG dagegen unterstützt beides. Für Verbraucher vereinfachend könnte das Logo „UHD Premium“ sein, das einen Standard für verbesserte Bildqualität sicherstellen soll. Bisher aber nutzen es nicht alle Hersteller. Vielleicht ändert sich das bis zur IFA im kommenden Jahr.

Mehr scharfe TV-Inhalte dank DVB-T2 HD

Auch das Thema DVB-T2 HD wird auf der IFA eine Rolle spielen. Schließlich ist die Neuauflage des digitalen Antennenfernsehens bereits in Berlin und anderen Großstädten empfangbar. Während zum Start im Mai die Zahl entsprechender Empfangsgeräte noch überschaubar war, dürften Hersteller jetzt eine große Auswahl an Receivern im Angebot haben