Nachhaltigkeit

Start-up stellt essbare Löffel auf der Grünen Woche vor

Auf der Grünen Woche stellen auch Start-ups neue Ideen vor. Immer öfter steht dabei Nachhaltigkeit im Fokus.

Hemant Chawla und Juliane Schöning präsentieren auf der Grünen Woche essbares Besteck.

Hemant Chawla und Juliane Schöning präsentieren auf der Grünen Woche essbares Besteck.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin. Die jungen Firmen, die am Mittwoch und Donnerstag auf der Grünen Woche neue Geschäftsideen präsentieren, können nicht alle die Welt retten. Aber jedes der Unternehmen will einen Beitrag in Sachen Umwelt- und Klimaschutz leisten.

Im George-C.-Marshall-Haus, mitten auf dem Messegelände unter dem Funkturm, zeigen an den Start-up-Days während der Agrar- und Ernährungsschau 20 Jung-Unternehmen, wie sie sich die Zukunft vorstellen. Neben Präsentationen vor potenziellen Investoren geht es den jungen Gründern an diesen Tagen auch darum, neue Abnehmer für ihre Produkte zu finden.

Juliane Schöning und Hemant Chawla haben bereits bewiesen, dass es für ihre Geschäftsidee einen Markt gibt. Seit 2017 gibt es das essbare Besteck bereits in Indien zu kaufen. „Dort wurden schon so einige Plastiklöffel gespart“, erzählt Unternehmensgründerin Juliane Schöning (25). Die essbaren Löffel bestehen aus gebackenem Keksteig.

Wer reinbeißt, dürfte zunächst angesichts der Bissfestigkeit durchaus überrascht sein. Die Härte des Teigs hat allerdings einen Grund: Mit dem essbaren Besteck sollen schließlich auch heiße Suppen ausgelöffelt werden können – ohne, dass das Produkt seine Form verliert.

Essbare Löffel mit fünf verschiedenen Geschmacksrichtungen

In mittlerweile fünf verschiedenen Geschmacksrichtungen gibt es die essbaren Löffel mittlerweile. Abnehmer sind derzeit 20 verschiedene Gastronomen, darunter Restaurants und auch Eisdielen. Zudem war das Besteck bei Veranstaltungen im Großraum Göttingen im Einsatz. In der niedersächsischen Universitätsstadt befindet sich auch der Sitz des Start-ups.

Hergestellt werden die essbaren Löffel in Indien. Per Containerschiff geht es dann nach Deutschland. Nachhaltigkeit sei ja nicht nur Klimaschutz, sagt Gründerin Schöning, angesprochen auf den langen Transportweg. Die Fabrikmitarbeiter, die in dem Land die Löffel herstellen, würden gut bezahlt, versichert sie. Um die Umweltbilanz zu verbessern, pflanze ihr Unternehmen in Indien zudem Bäume. In Deutschland spricht die junge Firma gerade mit mehrere Supermarkt-Ketten. Angeboten werden soll das essbare Bestecke dann zu einem Preis zwischen zwei und vier Euro, so Schöning.

Auch Tim Breker (32) vom Kölner Start-up Vytal will die Umwelt schonen. Die Geschichte seines Unternehmens geht so: Breker studierte BWL, arbeitete dann als Hauptschullehrer, promovierte danach in Psychologie und wechselte später zur Beratungsfirma Boston Consulting Group. Dort, sagt Breker, sei sein Lebensstil eher ungesund gewesen. Zum Beispiel habe er viel Essen bestellt. „Die Berge von Müll haben mich geärgert“, erzählt er. Gemeinsam mit einem Kollegen entwickelt er daraufhin die Idee, ein Kreislaufsystem für Mehrwegboxen aufzubauen.

Mehrweg-Behältersystem will Plastikmüll reduzieren

Heute arbeitet das im Juni 2019 gegründete Unternehmen in Köln bereits mit vier Kantinen und 20 Restaurants und Lieferdiensten zusammen. Etwa 800 Kunden hätten sich über die App der Firma angemeldet und würden ihr Essen nun in den Mehrwegbehältern aus Kunststoff anstatt aus Einwegplastik- oder Styropor-Boxen zu sich nehmen.

Leihschüsseln statt Plastikmüll – für die Gastronomen ist dieses Modell zwar etwas teurer, dafür könnten sie Teil einer nachhaltigen Bewegung werden, sagt Breker. Immerhin: Eine Vytal-Schüssel hätte nach 200 Nutzungen rund 20 Kilogramm CO2 eingespart. Für den Verbraucher ist das System kostenlos. Auch Pfand erhebt die Firma nicht, allerdings müssen die Schüsseln innerhalb von 14 Tagen zu einem der Partner-Betriebe zurückgebracht werden. Ansonsten gilt der Behälter als gekauft. Dafür berechnet Vytal dann zehn Euro.

Wie Lebensmittel nachhaltiger zum Kunden gebracht werden können, steht auch bei dem Start-up Frachtpilot aus Münster im Fokus. Die drei Gründer haben eine Software entwickelt, die für Landwirte die Direktvermarktung ihrer Produkte digitalisiert und automatisiert. Das Programm verwaltet nicht nur den Bestellprozess, auch die Kommissionierung und die Abrechnung läuft über die Entwicklung des Start-ups. Zudem berechnet die Software für den Landwirt auch die optimale Route, auf der die Waren zu den Kunden gebracht werden könnten.

Seit der Markteinführung im Herbst 2019 seien bereits 50.000 Bestellungen über den Frachtpiloten abgewickelt worden, sagt Gründer Sebastian Terlunen. Den Preis, den der Landwirt für die Software zahlt, richtet sich nach der Größe des Betriebs. Es lohne sich aber, sagt Terlunen. „Durch die Automatisierung der Prozesse sparen die Landwirte Zeit und Geld,“ erklärt er.

Runde Obstkügelchen in Rewe-Regalen

Neben Nachhaltigkeitsaspekten steht bei vielen Gründern auf der Grünen Woche aber nach wie vor auch der gute Geschmack im Vordergrund.

Julian Berhang hatte kleine, runde Obstkügelchen mitgebracht. Der Fruchtsnack besteht ausschließlich aus natürlichen Zutaten, ist zudem vegan und glutenfrei. „Yammbits Fruit Balls ist die gesunde Alternative zu Gummibärchen“, sagt Berhang.

Die Geschmacksrichtungen Aprikose-Mango, Cocos-Aronia und Granatapfel-Cassis-Himbeere gibt es im firmeneigenen Online-Shop und seit dieser Woche auch in den Regalen von Rewe zu kaufen.