Martina Koch

Mit Mini-Rouladen zur Grünen Woche

Martina Koch wurde dank der TV-Doku „Land und Lecker“ bekannt – jetzt will sie ihren Hof in Berlin vermarkten.

 Landfrau Martina Koch will ihren Hof groß rausbringen.

Landfrau Martina Koch will ihren Hof groß rausbringen.

Foto: Katrin Starke

Großmutz. Ganz sicher ist sich Martina Koch noch nicht, was sie auf der Internationalen Grünen Woche servieren will. „Vermutlich wird es auf Mini-Rouladen hinauslaufen“, sagt die 53-Jährige. Da hat die Landfrau aus dem Löwenberger Land zwar reichlich zu rollen und zu wickeln, aber schließlich sind ihre Rinderrouladen mittlerweile in aller Munde – dank der TV-Doku „Land und Lecker“.

Seit Martina Koch darin im Dezember 2019 ihren Auftritt hatte und Landfrauen aus Ostwestfalen-Lippe, dem Schwarzwald und aus Bayern auf dem Koch‘schen Vierseithof in Großmutz bewirtete, ist sie in der Region eine echte Berühmtheit – zumal die Staffel nicht wie sonst bei „Land und Lecker“ üblich nur im WDR, sondern auch im RBB ausgestrahlt wurde. „Selbst beim Einkaufen in Löwenberg werde ich darauf angesprochen, wie ich es ins Fernsehen geschafft habe.“

Grüne Woche in Berlin - Martina Koch mit eigenem Stand in der Brandenburg-Halle

Bei der Grünen Woche in Berlin (17. bis 26. Januar) werden Martina Koch und ihr Mann Ronald in der Brandenburg-Halle mit einem eigenen Stand vertreten sein, um den Bauernhof Koch mit seinem Hofladen, dem Hofcafé und dem Pensionsbetrieb zu vermarkten. „In erster Linie sind wir ein Rinderhof. Da liegt es doch nahe, dass die Leute etwas vom Rind zum Probieren bekommen“, sagt die engagierte Landfrau, im Hauptberuf Lehrerin für Mathematik und Physik in Löwenberg. Und voraussichtlich werden es eben die Rouladen sein, mit denen Martina Koch auch bei ihren Mitstreiterinnen von „Land und Lecker“ punkten konnte.

Seit 1989 leben die Kochs, die beide im Fläming aufwuchsen, auf dem heute denkmalgeschützten Anwesen in Großmutz, das sich seit rund 300 Jahren im Kochschen Familienbesitz befindet. Kurz vor der Wende beendete Ronald Koch sein Landwirtschaftsstudium und Martina Koch hielt die Befähigung zum Lehramt an Oberschulen in den Händen. Und für Ronald Koch hatte immer festgestanden, dass er auf dem Hof im Löwenberger Land würde arbeiten wollen – obwohl die Familientradition unterbrochen war, weil zunächst kriegsbedingt kein Nachfolger zur Verfügung stand und der Hof dann zu DDR-Zeiten in eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft umgewandelt wurde.

Zusätzlich zur Rinderzucht auch kleinen Pensionsbetrieb

So begann Koch als Mitarbeiter der LPG, seine Frau wurde Lehrerin in Löwenberg. 1995 machte sich Ronald Koch als Landwirt selbstständig – auf dem mittlerweile eigenen Hof. Denn obwohl über Jahrzehnte die LPG dort das Sagen gehabt hatte, war seine Mutter Eigentümerin geblieben. Nach dem Ende der LPG-Ära übertrug sie ihrem Sohn den Besitz. Vieles musste saniert werden, „denn die LPG hatte nur verwaltet und nicht investiert“.

Ziemlich spartanisch lebte das Ehepaar zunächst in einer kleinen Wohnung im Dachgeschoss des Hauptgebäudes. „Aber wir waren ja jung und voller Elan.“ 1998 war das historische Gemäuer fertig ausgebaut. Zusätzlich zur Rinderzucht mit bis zu 250 Tieren samt Ackerbau eröffneten die Kochs einen kleinen Pensionsbetrieb.

Und weil Martina Koch schon immer gern gebacken hatte – „das kommt wohl daher, dass meine Oma eine Bäckerstochter war“ –, richtete sie auch noch ein Hofcafé ein. „Klar, die Kombination aus Lehrerberuf und Landwirtschaft ist anstrengend“, sagt die 53-Jährige. „Aber ein Landwirtschaftsbetrieb ist auch immer ein Risiko“, erinnert sie sich noch an die BSE-Krise in den 1990er-Jahren. „Da ist es gut, wenn man in der Familie wenigstens ein sicheres Gehalt hat.“

Obwohl Martina Koch bis heute in der Schule einen Vollzeit-Job hat, springt sie überall auf dem Hof ein, hilft vor Unterrichtsbeginn beim Füttern der Rinder, ist zur Stelle, wenn der Metzger aus dem Nachbarort zum Schlachten kommt. „Schon bei unserem zweiten Schlachtefest standen die Leute Schlange bis auf die Straße hinaus. Offensichtlich hatten wir einen Nerv getroffen.“

Auch ein Hirsch grast hinter dem Rinderstall

Zwischenzeitlich sind auch weitere Tiere hinzugekommen. „Ein bisschen Bauernhofromantik“ nennt sie die gut 20 Schweine zur Direktvermarktung und die „paar Schafe als Rasenmäher“. Hinterm Rinderstall grasen zudem ein stattlicher Hirsch und sechs Stück weibliches Rotwild. Eigentlich sei das Wild nur das Hobby ihres Mannes, sagt Martina Koch. „Aber man muss ja Trendsetter bleiben, wenn man sich heutzutage in der Landwirtschaft behaupten will“, fügt sie hinzu. Zumal die nächste Generation schon bereitsteht: Jonathan, der jüngste der drei Söhne des Ehepaares Koch, absolviert eine Ausbildung zum Landmaschinenmechatroniker, anschließend will er studieren. Er kann sich gut vorstellen, den elterlichen Hof später zu übernehmen. „Noch wollen wir ja ein paar Jahre selbst hier ackern“, sagt Martina Koch.