Agrarmesse

Grüne Woche startet: Das erwartet Sie in der Blumenhalle

Es wird wieder sehr blumig: Auf 7.500 Quadratmetern entsteht in einer Messehalle eine blühende Stadt. Teil davon sind 40.000 Primeln.

n Halle neun entsteht eine Stadt aus Blumen. Selbst in einen Trabi wird eingeplanzt.

n Halle neun entsteht eine Stadt aus Blumen. Selbst in einen Trabi wird eingeplanzt.

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Um fünf Uhr ist David Tornosky mit seinem Anhänger aus Lüneburg losgefahren. Jetzt ist es kurz nach zehn und Tornosky steht vor Halle acht auf dem Berliner Messegelände und regt sich auf. Drei Stunden hat er Zeit, den Stand herzurichten. Unter anderem hat er dafür acht Strandkörbe mitgebracht, die von der Firma Belgarden in der niedersächsischen Kleinstadt hergestellt werden. Tornosky hat einen nach dem anderen von dem Hänger gehievt.

Doch jetzt passen nicht alle Sitzmöbel auf die vorgesehene Ausstellungsfläche. „Ich müsste zehn Meter Platz haben, aber es sind nur fünf da“, beschwert sich Tornosky. Einen Ansprechpartner hat er auch noch nicht gefunden. Das stresst ihn. Auch weil sein Zeitfenster sich deswegen verkleinert. Die Messegesellschaft hat die Einfahrten streng reguliert: Vorne am Tor musste er 400 Euro Kaution hinterlegen. Ist er zu spät, bekommt er sein Geld möglicherweise nicht zurück, befürchtet Tornosky jetzt.

Der Lüneburger ist nicht der einzige Mitarbeiter auf der Grünen Woche, der einen Tag vor der Eröffnung der Lebensmittel- und Agrarschau gut zu tun hat. Nach Angaben der Messe Berlin geben am Donnerstag gut 5000 Menschen den Messehallen den letzten Schliff. Insgesamt putzen sich vor dem ersten Grüne-Woche-Tag 1750 Aussteller aus 61 Ländern für die Besucher heraus. Etwa 400.000 werden an den zehn Messetagen erwartet.

40.000 Primeln sind Teil einer blühenden Stadt

In Halle neun, der Blumenhalle, streift Stefan Jäckel durch die Gänge, die noch mit Planen ausgelegt sind. Jäckel arbeitet in Berlin als Landschaftsarchitekt und jetzt will er erklären, wie er sich das gedacht hat in dieser Halle. „Erstmals gibt es ein Konzept für die gesamten 7500 Quadratmeter Fläche in dieser Halle“, erzählt Jäckel stolz.

Seine Idee hat er „Blooming City: bunt – kreativ– natürlich“ getauft. Gewissermaßen eine blühende Stadt, sagt Jäckel und geht weiter. Und tatsächlich: An den gestapelten Europaletten, die Hochhäuser symbolisieren sollen, schlängeln sich bereits Blumen und Pflanzen empor. „Wie viele Primeln sind es“, will er von einem Mitarbeiter wissen. Franz-Willi Honnen muss kurz von seiner Leiter steigen und darüber nachdenken. „Etwa 40.000“, sagt Honnen dann. „Aber nageln Sie mich nicht auf eine fest.“

Stefan Jäckel ist das Hirn hinter der „Blooming City“. Am Computer hat er für alle Bereiche 3-D-Modelle gebaut. Die Stadt hat er in verschiedene Themenbereiche eingeteilt: Es gibt einen Marktplatz, Alleen und Gassen, eine U-Bahnstation. Dazu sollen ab Freitag auch die Berlin-Aspekte in der Halle erstrahlen. Jäckel deutet auf das blühende Brandenburger Tor. Auch einen Blumen-Trabi und den Fernsehturm soll es geben. Etwa 120.000 Pflanzen können Besucher dann hier bestaunen, schätzt Jäckel.

Andere Ausstellungsstücke hingegen lassen sich etwas widerwilliger platzieren. Das Rätische Grauvieh, eine Hausrind-Rasse, fühlt sich offenbar ganz wohl in dem Anhänger von Torsten Sommer. Vier der Tiere hat er von seinem Hof aus dem brandenburgischen Ort Altes Lager (Teltow-Fläming) mit zur Grünen Woche gebracht. „Die Rinder sind zum ersten Mal dabei“, sagt Sommer.

Seine Mitarbeiterin muss deshalb ein wenig ziehen, bevor sich eines der Viecher bewegt. Ulrike Pfisterer schaut ganz genau hin, was da aus dem Hänger kommt. Pfisterer ist stellvertretende Amtstierärztin von Charlottenburg-Wilmersdorf. Alle Tiere, die auf der Grünen Wochen gezeigt werden, sind bereits vorab untersucht worden. „Wir wollen uns ja keine kranken Viecher in die Hallen holen“, sagt Pfisterer. Die Ärztin gleicht jetzt nur noch mal ab, ob die ankommenden Tiere auch mit den Unterlagen übereinstimmen. Bei den Rindern von Tomas Sommer ist das der Fall. Pfisterer lugt unter ihrer dicken Brille hervor und nickt.

Insgesamt werden rund 5000 Tiere auf der Grünen Woche zu sehen sein, darunter auch die weiß-schwarz-gefleckten Schützenfische von Klaus-Peter Knebel. Der Berliner ist Mitglied im Verein Anubias Aquarien, einem der größten Zusammenschlüsse von Fischliebhabern in Deutschland. Um zu zeigen, wie sehr Knebel seine Wasserfreunde liebt, deutet er auf einen Heizstrahler im Becken. Vor dem Start der Messe ist es zu kühl, sagt Knebel. Erst wenn ein paar Besucher die Halle füllen, kann er die Temperatur wohl herunterregeln.

Auf Tuchfühlung geht vor dem ersten Messetag auch die Politik. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) steht am Mittag Agrarjournalisten Rede und Antwort. „Es ist nicht meine erste Grüne Woche, aber meine erste als Ministerin“, sagt sie. Klöckner spricht über unterschiedliche Erwartungen in Stadt und Land. Man bräuchte mehr Dialog und sachlichere Debatten, stellt sie fest. Am ersten Tag der Grünen Woche muss Klöckner übrigens früh raus: Um acht Uhr startet der Eröffnungsrundgang in der Halle des Partnerlandes Finnland. Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) nimmt teil.

Unser Tipp für Freitag: Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) spricht um 10.25 Uhr in Halle 5.2 mit Model Toni Garrn über Kinderarbeit in der Landwirtschaft. Garrn ist auch Botschafterin des Ministeriums.

Gutes aus Schleswig-Holstein für den guten Zweck

Gut essen und dabei Gutes tun: Auf der Grünen Woche bietet die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein in Halle 22a in diesem Jahr wieder die „Güte-Tüte“ an, verbunden mit einer Spendenaktion. Unter dem Motto „Geprüfte Qualität Schleswig-Holstein“ stecken in der „Güte-Tüte“ hochwertige nordische Spezialitäten: Niederegger Marzipan, Böklunder Würstchen, Gut-von-Holstein-Käse, Glückstädter Matjes, Holsteiner Katenschinken, Flensburger Bier, Küstennebel, Äpfel der Obstquelle Schuster, Kieler Ostseesalz und „[Mohltied!]“, das Besseresser-Magazin für Schleswig-Holstein. Die Tragetasche mit Produkten im Wert von über 20 Euro gibt es zum Preis von 7 Euro, die Verkaufserlöse gehen in voller Höhe an den Verein Berliner helfen e. V.

Die „Güte-Tüte“ ist erhältlich in der Schleswig-Holstein-Halle 22a.

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