Messe

Nerven wie Drahtseile - Mit Kindern auf die Grüne Woche

Wer mit Kindern auf die Grüne Woche geht, braucht viel Geduld. Es wird viel geboten - wenn man hinkommt.

Claudia, Phillip und Sohn Elias Hartmann (hier mit David Gluck und Ziegenbock Otto) besuchen die Grüne Woche 2017 in Berlin

Claudia, Phillip und Sohn Elias Hartmann (hier mit David Gluck und Ziegenbock Otto) besuchen die Grüne Woche 2017 in Berlin

Foto: joerg Krauthoefer

Die Schlangen am Einlass des Messegeländes sind eine Stunde nach Eröffnung schon etwas kürzer. Der Andrang zur Grünen Woche ist riesig. Für Eltern mit schulpflichtigen Kindern sind die Wochenendtage die einzige Möglichkeit, die Agrarmesse zu besuchen. Auch Philipp Hartmann und seine Partnerin Claudia Löwe sind am Sonnabend mit Hartmanns Sohn Elias gekommen. Dem Sechsjährigen ist das Gedränge relativ egal. Er freut sich auf den Besuch. Worauf genau? „Auf alles“, sagt er und grinst.

Hartmann und Löwe lachen wissend. „Nach ein paar Hallen lässt die Begeisterung schon mal kurz nach“, sagt Hartmann. Wer mit Kindern die Grüne Woche besucht, benötigt angesichts des weitläufigen Messegeländes und der vielen Besucher vor allem Nerven wie Drahtseile. Es wird zwar viel geboten, doch man muss erst mal hinkommen.

Wir starten bei Halle 20: Am Niedersachsen-Stand schnitzt Reinhold Büdecker vom Deutschen Kreativzentrum Holz an einer Lutherfigur. Elias macht große Augen. Als Büdecker sieht, wie aufmerksam der Junge ihn beobachtet, überlässt er dem Zweitklässler den Hobel. Elias darf an der Figur arbeiten, Späne fallen auf den Boden. Er ist begeistert. „Weißt Du, wie viele Stunden Arbeit in so einer Figur stecken, ehe sie fertig ist?“, fragt Büdecker seinen Helfer. Schulterzucken und Neugier bei Elias. „100 Stunden!“ Das Kind schaut andächtig. „Wenn ich groß bin, werde ich Schnitzer“, sagt es. Zur Belohnung gibt es Apfelschnitze der Sorte Elstal. Elias greift beherzt zu, als ihm eine Messedame den Probierteller reicht.

Tanzen ist etwas für Mädchen

In Halle 22 schwinden seine Kräfte langsam, Papa Philipp nimmt Elias auf den Arm. „Es ist schon blöd, dass sich viele Leute einfach vor mich drängeln“, sagt der Kleine und vergießt ein paar Tränen. Die schlechte Laune währt nicht lange: Auf der Bühne tanzen junge Mädchen in seinem Alter eine Choreografie zu Run DMC’s „Rapper’s Delight“. Elias verfolgt den Tanz neugierig, aber auf die Frage, wie er die Show findet, sagt er: „Doof.“ Tanzen ist etwas für Mädchen. Wenig später posiert Elias mit einem Mann in einem Beelitzer Spargelkostüm für Papa, der ein Erinnerungs­foto macht. „Es ist schon toll, was Kindern hier geboten wird“, sagt Hartmann. Elias kichert, als er sich von dem Mann im Kostüm verabschiedet.

Nächster Stopp nach weiteren zehn Minuten Gedränge: Halle 25, die Tierhalle. Hier gibt es Ziegen, Schafe, Pferde. Man riecht es schon von Weitem. Elias hält sich die Nase zu. „Pfui, das stinkt aber“, sagt er. Der Ekel ist Minuten später vergessen, als er beim Schafgehege ein kleines Lamm sieht, das gerade bei seiner Mutter trinkt. Ob wir die Schafe wohl auch mal anfassen dürfen? Wir dürfen. Einer der Aussteller bringt uns ein Flaschenlamm, ein Böckchen namens Otto, gerade mal vier Wochen alt.

Elias blickt ehrfürchtig, als das Tier gierig an der Flasche nuckelt. „Schau mal, der kriegt schon Hörner“, sagt der Aussteller. Elias fühlt über den Kopf des kleinen Bocks. Tatsächlich: Man spürt, wo dem Kamerun-Schaf die Hörnchen wachsen. „Toll! Und so schön weich“, ruft er. Papa, Freundin und Kind strahlen. In dem Moment ist die Drängelei vergessen. Für Elias hat sich der Besuch gelohnt. Das Fazit der Erwachsenen: „Wir sind danach immer alle hundemüde, aber so ein Besuch bei der Grünen Woche hat eben Tradition!“