Ausflugstipp

So entdecken Sie das südliche Babelsberg ganz neu

| Lesedauer: 4 Minuten
Max Müller
Die Tour durch das südliche Babelsberg startet am S-Bahnhof Griebnitzsee.

Die Tour durch das südliche Babelsberg startet am S-Bahnhof Griebnitzsee.

Foto: Picture Alliance

Ein Spaziergang durch die Filmstadt Babelsberg, vorbei an Universitäten, spannenden Neubauten und einer besonderen Berliner Exklave.

Potsdam. Babelsberg war früher eigenständig, heute gehört das 25.000-Einwohner-Städtchen zu Potsdam. Seit der Zeit der Weimarer Republik ist Babelsberg eng mit der deutschen Filmgeschichte verbunden. Und noch heute entsteht hier ganz großes Kino: Im südlichen Ortsteil, dem Schwerpunkt dieser Wanderung, kann man das Studio Babelsberg entdecken. Zu diesem gehört die 2016 fertiggestellte „Neue Berliner Straße“, eine beeindruckende Außenkulisse, wo Serien wie „Babylon Berlin“ gedreht werden. Auch der RBB hat in Babelsberg seinen Sitz, ebenso wie die Ufa. Kinder zieht es in den Filmpark und so manchen Schulabgänger an die Filmuniversität „Konrad Wolf“. Einige dieser Orte passieren wir, andere kann man über kurze Umwege erreichen.

Unsere Wanderung beginnt an einer Universität, allerdings nicht an der „Konrad Wolf“. Startpunkt ist der S-Bahnhof Griebnitzsee am gleichnamigen Gewässer, dessen Uferweg man in nördlicher Richtung erreichen würde. Wir verlassen den Bahnhof jedoch am südlichen Ausgang. Und stehen sofort vor einem beeindruckenden Gebäudeensemble. Das gehört zur Universität Potsdam, die weitere Standorte am Neuen Palais am Rand vom Park Sanssouci und in Golm hat. In Griebnitzsee sitzen unter anderem die juristische Fakultät und das Hasso-Plattner-Institut.

Ein Hubschrauberlandeplatz mitten im Wohngebiet

Wir durchschreiten den Campus in südlicher Richtung, vorbei an Mensa und Bibliothek und vorbei auch an Studierendenwohnheimen, die bis zur Stahnsdorfer Straße reichen. Die dort beginnende Teltower Straße führt unerwartet zurück auf Berliner Gebiet. Noch heute ist das der einzige öffentliche Zugang zu Steinstücken – von zehn ehemaligen West-Berliner Exklaven war nur diese bewohnt. Steinstücken hatte sogar einen Hubschrauber-Landeplatz – „Am Landeplatz“, so der offizielle Straßenname, findet man heute einen Spielplatz und ein Denkmal, das an die Versorgung von Steinstücken in den Jahren der Isolation ab 1961 erinnert. 1972 fanden Politiker schließlich eine Korridorlösung über die Bernhard-Beyer-Straße. Steinstücken hatte wieder Anschluss an West-Berlin.

Wir verlassen die Exklave, wie wir sie betreten haben und kommen zurück auf die Stahnsdorfer Straße, der wir nun nach Westen folgen. An der August-Bebel-Straße geht es nach links. Würde man weiter geradeaus laufen, käme man zu den Babelsberger Studios und dem Sitz der Ufa. Uns zieht es allerdings nach rechts in die Marlene-Dietrich-Allee, vorbei am RBB und an einer ganzen Reihe von Neubauten, die auf dem Gelände der 2013 abgerissenen „Berliner Straße“ errichtet wurden und werden. Die drei Jahre später eröffnete „Neue Berliner Straße“ mit zeitgemäßen Außenkulissen finden Filmfans heute an anderer Stelle: Das sogenannte Metropolitan Backlot liegt mitten im Gewerbegebiet südlich der Großbeerenstraße.

Vorbei an Filmuniversität „Konrad Wolf“ und Filmpark Babelsberg

Wir laufen weiter geradeaus. Rechter Hand erstreckt sich die Filmuniversität „Konrad Wolf“ mit ihrer eindrucksvollen gläsernen Architektur. Geradeaus ginge es in den Filmpark – läge der Eingang nicht auf der gegenüberliegenden Seite, sodass der Weg in einer Sackgasse mündet. Links geht es zu einem großen Requisitenfundus, wir folgen jedoch rechts der Emil-Jannings-Straße. Über einen Grünstreifen erreichen Spaziergänger die Rosenstraße und somit ein ruhiges, unaufgeregtes Wohngebiet. Wir flanieren westwärts vorbei an alten Einfamilienhäusern, schmucklosen Wohnanlagen, aber auch dem einen oder anderen sanierten Objekt.

An der Paul-Neumann-Straße geht es nach rechts. Wir unterqueren die Bahntrasse und folgen der Plantagenstraße bis zum idyllischen Plantagenplatz. Nach einer kurzen Pause setzen wir den Weg in Richtung Wichgrafstraße fort, die am Weberplatz endet. In dessen Mitte thront die Friedrichskirche. Sonnabends findet davor von 7 bis 14 Uhr ein Floh- und Bauernmarkt statt. Über die Benda- erreichen wir die Rudolf-Breitscheid-Straße. Vorbei an den „Thalia“-Programmkinos kommen wir zum Bahnhof Potsdam-Babelsberg. Hier könnte die Wanderung nun enden. Zum Ausgangspunkt ist es nur eine S-Bahn-Station in Richtung Berlin. Alternativ bietet sich eine Verlängerung an: in Richtung Park Babelsberg oder zur Potsdamer Innenstadt.

Einkehr und Entdeckung

Entdeckung: Wer Zeit hat, sollte den Bahnhof Griebnitzsee zunächst auf der anderen Seite verlassen und ein wenig am wunderschönen Seeufer flanieren.

Einkehr: Ristorante Fidele, italienisches Restaurant direkt am S-Bahnhof Potsdam Babelsberg, Wattstraße 4, Potsdam, Tel. 0331/704 87 44, www.ristorante-fidele.de

Ausflugs-Info: Die Strecke misst rund fünf Kilometer. Man sollte mindestens eine Gehstunde einplanen, ggfs. mehr für die Verlängerung in die Potsdamer Innenstadt.