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Akustische Zeitreisen: 10 spannende Audiowalks durch Berlin

Berliner Geschichte beim Spaziergang erleben: Das bieten Audiowalks, die übers Handy abgespielt werden. Zehn Empfehlungen.

Friedrichshains Geschichte akustisch kennenlernen.

Friedrichshains Geschichte akustisch kennenlernen.

Foto: Imago Images/Westend61

Berlin. Museen haben derzeit geschlossen, Stadtführungen dürfen nicht stattfinden. Für Wissenswertes, Informatives und Spannendes gibt es aber noch andere Quellen. Wir haben zehn Audiowalks zusammengestellt, die über das Handy abgespielt werden können. So erlebt man Berliner Geschichte beim Spaziergang.

Treptow: Auf den Spuren einer Gewerbeausstellung

Die Gewerbeausstellung im Jahr 1896 ist ein vergessenes Stück Berliner Geschichte. Was primär eine Leistungsschau der damaligen Reichshauptstadt war, eiferte mit nationalistischen und imperialistischen Tendenzen dem Gestus einer Weltausstellung nach. Es gab künstliche Alpenlandschaften und nachgebaute Dörfer aus den Kolonien, nebst Einwohnern – die Völkerschau. Heute weist nur noch die Sternwarte auf diese Ausstellung hin.

Im Audiowalk „Arbeiter, Alpen und ­Attrappen“ von Caroline Böttcher folgt man drei Protagonisten durch die damalige Ausstellung. Im szenischen Hörspiel wird zeitgenössische Sprache verwendet, die aus heutiger Sicht rassistisch ist. Die Ansichten der Figuren spiegeln aber so die Gedankenwelt des Deutschen Reichs um 1900 wider. Die Tour lässt sich entweder über die App „Guidemate“ abrufen oder im Vorfeld herunterladen. Auf der Website gibt es weitere Informationen, Karten und Hintergründe.

www.audiowalk-treptower-park.de, gratis

Charlottenburg: Hörspaziergang zu Armut und Obdachlosigkeit

Nicht, dass die prekäre Lebenswelt der Obdachlosen am Zoologischen Garten nicht bekannt wäre, aber dieser vom Verein Querstadtein produzierte Audio­walk lässt in knapp 80 Minuten vier Protagonisten von ihrem Leben auf der Straße erzählen. Vom Zoo bis zur Uhlandstraße erfahren wir mehr über ihren Alltag, über ihre Nöte und ihre Träume von einem anderen Leben. Dazu berichtet der Leiter der Bahnhofsmission am Zoo von seiner Arbeit mit obdachlosen Menschen. Gerade in Zeiten einer Pandemie liefert diese Tour wichtige Einblicke in die Realität derer, die besonders verletzlich sind – und stets übersehen werden.

www.querstadtein.org, Kosten: 7,50 Euro, ermäßigt 5 Euro

Charlottenburg: „Kudamm31“ über ein Pogrom im Jahr 1931

Bereits am 12. September 1931 brach der lange schwelende Antisemitismus in Berlin gewaltsam aus. Was mit Hungersrufen einiger junger Männer begann, endete im Pogrom von bis zu 1000 Mitgliedern der SA. Der Audiowalk belebt einen Teil vergessener Geschichte, lässt einen Historiker und einen Zeitzeugen zu Wort kommen, verliest Details aus Prozessakten und wirft einen Blick auf das jüdische Leben im Berlin der Gegenwart.

www.kudamm31.wordpress.com, gratis

Mitte: Das wieder aufgebaute Stadtschloss kritisch umrunden

Noch ist es nicht ganz fertig, aber drumherum spazieren und sich darüber streiten, das funktioniert bereits ganz gut beim Berliner Stadtschloss. „Deutschlandfunk Kultur“ bietet anhand des Audiowalks „Große Geste Weiße Welt“ eine kriti­sche Auseinandersetzung mit dem Erbe und den Inhalten des Humboldt ­Forums. Der Spaziergang beginnt mit einer Auseinandersetzung über die Leerstelle ­inmitten der Stadt, die nun gefüllt ist.

www.deutschlandfunkkultur.de/hoerspiel-und-feature-portal, gratis

Das Humboldt Forum - mehr zum Thema:

Friedrichshain: Von Prunkbauten und Wohnprojekten

In Friedrichshain sind politischer Radikalismus und Gentrifizierung nah beieinander. Hier finden sich die letzten noch besetzten Häuser und die Arbeiterpaläste der einstigen sozialistischen Prunkallee. Der Audio­walk „Hörspaziergang Friedrichshain“ setzt sich mit der lebhaften Geschichte des Viertels auseinander. Hier wird von Cafés erzählt, die die Wende überlebt haben, die Tour blickt in Hinterhöfe und befragt Berliner Urgesteine.

www.stadt-im-ohr.de, Dauer ca. 150 Minuten, 9,80 Euro

Innenstadt: Frei nach Thomas Mann entlang der Spree

Das Künstlerkollektiv Raum+Zeit hat sich der Lektüre von Thomas Manns „Tod in Venedig“ angenommen und transferiert das Geschehen aus dem alten Venedig in eine verseuchte Gesellschaft im ­modernen Berlin. Entlang der Spree folgt der Hörer einem im Hier und Jetzt leben­den Gustav von Aschenbach, die ­Geschichte verschmilzt mit der Neuzeit.

www.raumundzeit.art. Der Spaziergang nimmt ca. 35 Minuten in Anspruch und startet im Nikolaiviertel. Bezahlt werden kann nach eigenem Ermessen.

Köpenick: „(Ton-)Spuren der Gewalt“ zum SA-Terror

1933 wurde die SPD durch die Nationalsozialisten verboten. Im Anschluss kam es in Köpenick zu einer Verhaftungs- und Terrorwelle durch die SA. SPD-Mitglieder, Juden und andere dem Regime unliebsame Personen wurden verschleppt, verhört, gefoltert. Die Notwehr eines ­Opfers ließ die Gewaltspirale eskalieren, mindestens 24 Menschen starben innerhalb der „Köpenicker Blutwoche“.

www.berlin.de/museum-treptow-koepenick/gedenkstaette/audiowalk-943641.php, gratis

Moabit: „Ihr letzter Weg“ berichtet über die Berliner Deportationen

Bis zu 55.000 Menschen wurden während des Holocaust aus Berlin in Konzentrationslager deportiert. Einer der unrühmlichen Umschlagplätze war der Güter­bahnhof Moabit, der damals als größter Deportationsbahnhof betrieben wurde. Während des Audiowalks wird die zwei ­Kilometer lange Strecke zwischen der als Sammellager missbrauchten Synagoge im Viertel und dem Bahnhof abgegangen. Im Verlauf von etwa 75 Minuten liefert der Spaziergang Infos zu Einzelschicksalen, zu bedeutenden Orten, besonderen Ereignissen und fasst die Situation der Juden zusammen. „Ihr letzter Weg“ wurde von einem gleichnamigen Projekt produziert, das sich für eine tiefere Auseinander­setzung mit den Auswüchsen des Holocaust einsetzt – exemplarisch am Beispiel des Weges in Moabit.

www.ihrletzterweg.de gratis

Innenstadt: Der Audiowalk stellt die Frage: Wem gehört die Stadt?

Städte leben vom öffentlichen Raum. Erst die Öffentlichkeit gibt einer Stadt überhaupt so etwas wie Leben. Nur wem gehört dieser Raum, wem gehört die Stadt? Und, viel wichtiger: Wie verändert die Pandemie das Erleben urbaner Räume? Jede Einschränkung, jede neue Regel führt dazu, dass wir uns neu orientieren müssen. Und wirft Fragen dazu auf, was uns vom öffentlichen Leben noch bleibt. Das „Poligonal Office for Urban Communication Berlin“ will dieser Frage mittels ihres Audiowalks „The Politics of Public Space“ auf den Grund gehen. An verschiedenen Stationen sprechen unter anderem Urbanisten, Architekten, Stadtplaner und Soziologen über ihre eigene Haltung oder lesen klassische Texte zum Thema.

explore.echoes.xyz, gratis, Bezahlung nach eigenem Ermessen

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Mitte: Hörspiel auf den Spuren der Staatssicherheit

Der Einfluss des Ministeriums für Staatssicherheit war enorm. Und so mutet die Schnitzeljagd dieses Audiowalks „50 Aktenkilometer“ auch an. Mehr als 100 „akustische Blasen“ liefert das Projekt des Rimini-Protokolls. Betroffene lesen erstmals die über sie angelegten Akten, empfinden Observationen nach, erinnern sich an das Gefühl der Beobachtung. Dazu gibt es teils Originaltöne aus den Archiven.

www.deutschlandfunkkultur.de, gratis

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