Best of Berlin

10 Magazine, die schlauer machen

Eine schreckliche Frage: "Was machen wir am Wochenende?" Schrecklich, denn: Es gibt so viele Antworten. In "Best of Berlin" sagen wir Ihnen, was Sie sich gönnen sollten. An diesem Wochenende verraten wir Ihnen, welche Berliner Magazine eine Lektüre garantiert lohnen.

Foto: Intersection

Proud

„Proud“ ist ein kostenloses, monatliches Stadtmagazin, das seinen Lesern jedoch keine lauwarme Kost wie die „Besten Fitnesscenter“ oder Shopping-Tipps serviert. „Wir wollen Küchengeschichten erzählen“, sagt Herausgeber Richard Kirschstein (22). Also die kleinen, lustigen, verrückten Geschichten aus der Stadt, die man sich beiläufig – am Küchentisch – erzählt und die nicht als Tagestipp in der „Zitty“ stehen. Es geht um das Kunstprojekt der Berlinerin Papergirl, bei dem Passanten von Fahrradkurieren Bilder vor die Füße geworfen bekommen. Gerne trifft sich die Redaktion auch mit Bands – in der letzten Ausgabe mit Warren Suicide – zum Interview auf eine Flasche Wodka oder man empfiehlt einen Vibrator für den iPod. Das Layout ist bunt und knallig, Mädchen werden schon mal als „Schnecken“ bezeichnet und auch sonst ist alles artgerecht, amtlich und „fett“.

Für Fans von: Blond und Vice. „Proud“ erscheint monatlich und kostet keinen Cent. Die Auflage beträgt 20.000 und ist erhältlich in Klamottenläden, Plattenläden und Clubs. Kann aber auch komplett unter www.proudmagazine.de gelesen werden.

Intersection

„Intersection“ ist ein Automagazin abseits von Fahrberichten. „Automobil-Zeitschriften sind die Klatschblätter für Männer“, erklärt Chefredakteur Götz Offergeld. „Nur sind die meisten so uncool, dass sie gerne versteckt werden“, ergänzt Offergeld, der einst das Magazin „Liebling“ mitbegründet hat. Das ist bei „Intersection“ nicht nötig, denn hier geht es nicht nur um Tuning, Tests und Titten: DJ Hell soll einen Kia testen, holt aber lieber seinen Ford Mustang aus der Garage, Adrian Brody zieht selbst im Werk die letzten Schrauben seiner neuen Corvette fest und macht dann mit „Intersection“ eine Spritztour und Schriftsteller Bret Easton Ellis („American Psycho“) erzählt, warum er nackt einen Ferrari zu Schrott fuhr. Die Zeitschrift „Intersection“ (zu Deutsch: Straßenkreuzung) existiert in England seit zehn Jahren und ist neben Deutschland in weiteren acht Ländern erhältlich.

Für Fans von: GQ und Intersection UK. Erscheint zwei Mal im Jahr, die nächste Ausgabe kommt am 17.9., pünktlich zur IAA, in die Geschäfte. Auflage: 50.000 Stück, Preis: 5 Euro. www.myspace.com/intersectiongermany

Blank

Auf dem Cover von „Blank“ sind knapp bekleidete Bikini-Schönheiten zu sehen, doch die Beautys halten ein Schild hoch, auf dem steht: „Sexismus gegen Rechts“. Das neue Magazin gibt sich kritisch, anders denkend und modern. Chefredakteur Johannes Finke erklärt, warum er ein Gesellschaftmagazin mit Diskurs macht: „Die Kulturlandschaft hat sich banalisiert“, sagt er und wettert in einem langen Erzählstück gegen die „Neon“. Dabei ist „Blank“ in ihrem Wunsch nach Haltung der Jugendfibel nicht unähnlich. Anstelle deren Lebenshilfe („Wie man eine Beziehung beendet, ohne fies zu sein“) setzt man bei „Blank“, die aus dem „Face“-Magazin hervorgegangen ist, lieber auf Lesestücke über die „Next Generation“: Sportmanager Kalle Sauerland, La Roux und Schriftsteller Boris Guschlbauer, der durch den Irak reiste.

Für Fans von: Neon. Im März wurde die erste Ausgabe veröffentlicht, seit dem erscheint „Blank“ alle zwei Monate. Chefredakteur und Mitarbeiter arbeiteten vorher für das Berliner „Face“-Magazin, nach Streitereien bringen sie nun „Blank“ heraus. Auflage: 25.000, Preis: 4 Euro. www.blank-magazin.de

I Love You

Ein knallroter, glossy Kussmund ziert das Cover von „I Love You“ und unter dem Logo steht „My printed Blog“. Das Motto ist zwar nicht wörtlich zu verstehen, aber Chefredakteurin Christiane Bördner präsentiert mit „I Love You“ ihre ganz persönliche Sicht der Dinge - ähnlich eines Blogs. Die Art Directorin druckt selbst initiierte Beiträge und Fundstücke aus dem Internet ab, doch vor allem zeigt sie knackige Fotostrecken von erotischen, starken Frauen, die rauchen, ihren Po zeigen und Yves Saint Laurent-Stilettos tragen. „Ich zeige ‚FrauFrauen‘“, sagt Bördner, also selbstbestimmte weibliche Wesen, die keine Angst vor Sex, Stärke und Schwäche habe. Das Heft geht im Pariser Fashion-Tempel „Colette“ weg wie warme Semmeln, in Berlin ist es erhältlich bei „Do You Read Me?“ in der Auguststraße 28.

Für Fans von: Helmut Newton und Peter Lindbergh. Die erste Ausgabe erschien zu Fashion Week im Juli. Der Erscheinungsrhythmus soll alle zwei Monate sein. Auflage: 5000 Stück, Preis: 5 Euro. www.iloveyou-magazine.com

Aufstieg und Fall

Der Titel ist nicht nur ein treffender Name für ein Magazin, sondern auch Konzept. „Das ganze Leben ist davon geprägt“, erklärt Mitherausgeberin Sandra Broschat. Die 22-jährige Studentin muss es wissen, haben sie und ihre Uni-Kollegen doch über ein Jahr an der Zeitschrift gearbeitet – und wären fast auf Grund der Wirtschaftskrise damit gescheitert. Herausgekommen ist ein schlüssiges Lesewerk, das viel Lob verdient und hoffentlich seinen Platz im Blätterwald finden wird. Kluge, unterhaltsame Texte vom Aufstieg (Ariadne von Schirach schreibt über das Hochschlafen) oder vom Fall des Bernhard L. Madoff. Besonders liebenswert sind die handgeschriebenen Notizen der Chefredaktion am Seitenrand

Für Fans von: Park Avenue. Die erste Ausgabe ist gerade erschienen, die nächste soll im Dezember veröffentlicht werden. Preis 5,80 Euro. www.aufstiegundfall.com

Berlin Haushoch

Dieses Magazin ist bereits mit Auszeichnungen überschüttet worden und nun für den Deutschen Design-Preis nominiert. Seit 2005 erscheint das Kunstwerk „Berlin Haushoch“, von dem pro Jahr aber nur eine Ausgabe herauskommt. Der Grund dafür ist einfach: Die Herausgeberinnen Efra Rotthoff, Ana Lessing und Alexandra Bald mieten sich für 12 Monate in einem Stadtteil ein und porträtieren ihn mit künstlerisch hochwertigen Fotos, Texten und Illustrationen. Marzahn, Wedding und Charlottenburg sind bisher erschienen mit faszinierenden Beiträgen über die Träume, Geschichten und Probleme ihrer Kiezbewohner. Zurzeit arbeitet man an der Ausgabe über Mitte, die Anfang 2010 erscheinen wird.

Für Fans von: Design & menschelnden Stories. Erscheint seit 2005, Auflage: 10.000 Stück, Preis: 7 Euro - dafür gibt es 156 Seiten Hochglanz ohne Anzeigen. www.haushoch.de

032c

Was ursprünglich als Hobby gedacht war, hat sich in den letzten zehn Jahren zu einem erfolgreichen Independent-Magazin entwickelt. 2008 mit dem „Lead Award“ ausgezeichnet und sogar die „International Herald Tribune“ wählte das Berliner Magazin 2007 zum „Best Magazine of the World“. „032c“ funktioniert wie eine Galerie: Die Redaktion kuratiert das Heft wie eine Ausstellung mit Kunstwerken, Fotostrecken und Texten über Architektur, Stadtforschung, Design oder Brasilian-Dancemusic. Das ist manchmal - nicht nur wegen all der englischen Texte - schwer zu kapieren. „Es ist nicht so einfach konsumierbar wie ein Modemagazin“, gesteht Mitbegründerin Sandra von Mayer-Myrtenhain. Doch ihr unerschütterliches Streben nach Qualität zahlt sich aus: Ein Dossier mit 48 Seiten Umfang über Mike Mills und Despression oder die Fotostrecke mit Topmodel Agyness Deyn, die sich komplett nackt präsentiert.

Für Fans von: Moderner Kunst. Erscheint seit 1999 halbjährlich. Auflage: 45.000, Preis: 10 Euro. www.032c.com

Hate

Bei „Hate“ dürfen die Autoren selbst unpopuläre Meinungen kundtun: „Lieber Pelz als billige Klamotten“ ist da zu lesen oder Autorin Nina Scholz erteilt dem Berghain Club eine Abfuhr. Das Magazin erinnert an die alte Spex, wo es weniger um Journalismus ging, als um eine persönliche Meinung. Modestrecken werden schon mal zu nachtdunkler Zeit geshootet, so dass man die Kleidung mehr erahnt als sieht. Außerdem behält sich die Illustrierte das Recht vor, Anzeigen aus inhaltlichen Gründen abzulehnen. Die Macher Nina Scholz, Jonas Gempp und Robert Härtel kommen aus dem inneren Berliner Feierumfeld und so finanzieren auch sie ihr Blatt. Regelmäßige Partys subventionieren „Hate“ und wenn’s doch nicht reicht, wird über Facebook aufgerufen, gegen eine Spende im Impressum als Herausgeber gelistet zu werden.

Für Fans von: der alten Spex. Erscheint 3-4 Monate, Auflag: 2500 Stück, Preis: 5 Euro, inklusive Poster

MonoKultur

Wie der Titel schon verrät, widmet sich das Magazin ausschließlich einer Persönlichkeit. „Es ist ein klassisches Interviewmagazin“, sagt Chefredakteur Kai von Rabenau. Auf 44 Seiten steht in der aktuellen Ausgabe Tilda Swinton Rede und Antwort. Im Gespräch geht es jedoch weniger um ihre Dreiecksbeziehung, sondern um ihre Arbeit mit Regisseur und Künstler Derek Jarman. Die androgyne Schauspielerin („Narnia“) zeigt sich aber auch kritisch gegenüber Hollywood und erklärt, warum sie der Schauspielerei langsam den Rücken zu kehrt. „Wir wählen Leute aus, die konsequent sind“, sagt von Rabenau. In den vergangenen vier Jahren wurden David LaChapelle, Wu Tang Clan und Dries van Noten interviewt und egal, ob man sich für Fotografie, HipHop oder Mode interessiert, man lernt einiges über das Leben von diesen Interviewpartnern.

Für Fans von: Interviews. Erscheint vier Mal pro Jahr in Englisch, Auflage: 7000 Stück, Preis: 4 Euro, www.mono-kultur.com

Opak

Wenn es heißt, es gibt ein neues Magazin aus dem Indie-Umfeld, denkt man sofort an klassische Fanzines. Damit hat „Opak“ vom einstigen Tomte-Bassist Oliver Koch wenig gemein. „Opak“ hat modernes Layout, feines Papier und ist angereichert mit Dreck. Kein Witz! „Schmutz“ ist nämlich das Thema der ersten Ausgabe und daher geht es in Texten um den Zusammenhang von Verstand und Schmutz oder über Black Metal – den „Dreck unter den Fingernägel der Popkultur“. Der erste Teil des Heftes erinnert stark an den pop-intellektuellen Diskurs eines Diedrich Diederichsens. „‘Opak‘ ist kein Magazin, das man mit aus Klo nimmt“, erklärt Chefredakteur Koch. Seine Illustrierte soll schöngeistig und mit elaborierten Gedanken sein. Der zweite Heftteil dreht sich um Platten, Bücher, Emanzipation sowie Literatur und darf dann durchaus auf der Toilette konsumiert werden.

Für Fans von: De:Bug und der alten Spex. Am 24.9. kommt die 3. Ausgabe an den Kiosk, Erscheinungsweise alle drei Monate, Auflage: 6000 Stück, Preis: 4 Euro. www.opak-magazin.de

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.