Best of Berlin

So beeindrucken Sie Ihre Besucher aus der Provinz

Eine schreckliche Frage: "Was machen wir am Wochenende?" Schrecklich, denn: Es gibt so viele Antworten. In "Best of Berlin" sagen wir Ihnen, was Sie sich gönnen sollten. An diesem Wochenende verraten wir zehn Berlin-Geheimtipps, mit denen Sie garantiert Ihre Besucher beeindrucken werden.

Foto: Sergej Glanze

Filmmuseum

Packen Sie ihre Digitalkamera weg und lassen Sie den Rucksack daheim! Statt ins Filmmuseum zu gehen, fahren Sie mit dem Aufzug in die so genannte „Filmakademie“, dabei sollte Sie jedoch so tun, als ob Sie zum Zirkel der Filmschaffenden gehören würden. Keine Sorge, das bisschen Schauspielerei lohnt sich, denn das Café der Akademie ist ein wahrer Hochgenuss. Nicht das Essen wohlgemerkt, sondern die Terrasse, denn von dort genießt man den besten Blick auf das Sony Center. Besser gesagt: IN das Sony Center. Man sitzt exklusiv unter dem Dach, das an den Kilimandscharo erinnern soll, über den Köpfen der anderen Touristen und verschmilzt mit der Stahlkonstruktion. Da die Kantine nicht öffentlich ist, sollten Sie und Ihre Gäste sich daher nicht wie glotzende Touristen benehmen, sondern wie cooler Berliner, die eh schon alles gesehen haben und die nichts mehr beeindrucken kann.

Leipziger Straße 2, Mitte, werktags tagsüber geöffnet

sonycenter.de/aw/Home/Entertainment/Kultur_und_Unterhaltung/Filmhaus

Clärchens Ballhaus

Gerade für Nicht-Europäer ist der alte Ballsaal ein echtes Highlight, denn am Sonntagnachmittag wird in „Clärchens Ballhaus“ getanzt. Dann wiegen sich Paare im Walzerschritt, fliegen im Foxtrott über das Parkett oder winden sich lasziv zu Cha Cha Cha. Wer traditionelle Tänze nur aus dem Fernsehen kennt und glaubt sie seien ausgestorben wie der Handkuss, der wird Bauklötze staunen. Schließlich tanzen hier keine Rentner, sondern Grundschullehrer, Studenten und Lesben.

Auguststraße 24, Mitte, Sonntag ab 15 Uhr Tanztee, Eintritt frei, Tel. 282 92 95,

Ballhaus.de

Urban Art Tour

Berlin ist ein Mekka für „Street-Art“. Die Kunst an den Häuserwänden ist meilenweit entfernt von öden Graffiti-Schmierereien, denn junge Künstler schneiden aufwändig Figuren aus Papier aus, stricken Lebewesen, die an Straßenschildern ein neues Zuhause finden oder sprühen mittels Schablonen politisch aufrüttelnde Motive wie hungernde Kinder an die Fassaden der Stadt. „Stencils“, „Knitta“ oder „Markern“ nennt man diese Techniken. Besonders viel Straßenkunst gibt es in Mitte, Kreuzberg und Friedrichshain, Informationen liefern Urban-Art-Stadtführer wie „Urban Illustration Berlin“ oder die „Urban Art Tour“. Das ist ein „Ap“, also eine Anwendung für iPhones, die Interessierte gezielt durch die Straßen führt, Kunstwerke zeigt und Künstler vorstellt.

Haus Schwarzenberg

Das Haus Schwarzenberg beherbergt nicht nur das Anne Frank Museum, sondern erzählt quasi nebenbei noch so manche Geschichte über die Stadt. Als einziges unrenoviertes Gebäude am Hackeschen Markt kann man sich ein Bild machen, wie trashig Mitte nach der Wende ausgesehen hat. Das Haus gehörte einer Erbengemeinschaft, die sich nicht einigen konnte, was mit dem Gebäude geschehen soll, bis es zwangsversteigert wurde. Glücklicherweise konnten die Mieter, der gemeinnützige Kunstverein Schwarzenberg Haus e.V., das Gebäude übernehmen, so dass das Kunst-Biotop samt Kino und der Bar „Eschloraque“ erhalten bleiben kann. Noch ein kleiner Tipp: Gehen Sie mit Ihren Besuchern auf den letzten Hof und schauen Sie sich die beiden Metallskulpturen an. Flugs einen Euro einwerfen und dann staunen, wenn etwa die Eule zum Leben erwacht.

Rosenthaler Straße 39, Tel. 308 72 573,

Haus-Schwarzenberg.org

Dinner im Rodeo Club

In Berlin passiert vieles im Geheimen. Nicht nur Clubs feiern illegal, sondern auch Restaurants kokettieren mit diesem Nimbus. Das „Rodeo“ logiert zwar im altehrwürdigen Postfuhramt in Mitte, doch der Eingang ist auf der Rückseite. Typisch für Berlin: Kein Schild weist auf das Restaurant hin, man geht einfach durch die Eisentür, überquert den Hof und steigt dann in den zweiten Stock hoch. Dort erwartet den Gast ein imposanter Kuppelsaal mit historischer Patina, in dem Promis wie Bürgermeister Klaus Wowereit oder Schockrocker Marilyn Manson andächtig wie in einer Kathedrale im Kerzenschein speisen. Seitdem das Restaurant kürzlich etwas modernisiert wurde, serviert man gehobene pan-europäische Küche, mit der man durchaus Freunde, Eltern und Geschäftspartner beeindrucken kann.

Auguststraße 5, Di-Sbd, ab 20 Uhr Dinner, Fr/Sbd ab 24 Uhr Party. Für die Tischreservierung SMS an 0163/162 01 68 mit Uhrzeit, Tag, Personenanzahl senden, die Antwort erfolgt prompt.

Rodeo-Berlin.de

Diven Tour

Heutzutage zieht es Prominente aus Kultur, Politik und Musik nach Berlin. Doch schon einmal war die deutsche Hauptstadt das kulturelle Zentrum der Welt. Bei der „Diven Tour“ erfährt man von der Goldenen Zeit in den Zwischenkriegsjahren. Auf Spurensuche in Charlottenburg, Grunewald und Schöneberg wird man gefüttert mit Erzählungen und Anekdoten aus der Zeit, etwa vom nackten Stummfilmstar Anita Berber im Adlon Hotel, man sieht das Schild, das an den Nippelgate von Asta Nielsen erinnert oder erfährt Details zur Besetzungscouch von Joseph Goebbels. Aber auch Wissenswertes zu Zarah Leander, Romy Schneider oder Leni Riefenstahl weiß der Guide zu berichten. Eine schrullige, unterhaltsam und informative Tour wie der Kaffeeklatsch mit Freundinnen.

Sta-Tours, 2. Und 4. Sonntag im Monat, 13.30 Uhr, 35 Euro,

Sta-Tours.de

Käfer im Reichstag

Buchen Sie zum Frühstück einen Platz im „Käfer“ im Reichstag. Der Münchner Feinkosthändler verköstigt seine Gäste immerhin im einzigen öffentlichen Restaurant in einem Parlamentsgebäude weltweit. Der Speisesaal befindet sich neben der imposanten Glaskuppel und besitzt zu dem noch einen Wintergarten mit Dachterrasse, von dem aus man über die ganze Stadt blicken kann. Das Restaurant ist aber auch eine sichere Eintrittskarte! Wer einen Tisch bestellt hat, muss nämlich nicht anstehen, sondern bekommt am Seiteneingang mit seiner Reservierungsnummer sofort Einlass. Das Frühstück kostet auch kein Eckhaus und lieber etwas mehr fürs Rührei berappen, als drei Stunden anstehen. Außerdem macht Sie der kleine Insidertipp für Ihre Gäste bestimmt zum Held des Tages. Versprochen!

Platz der Republik, tägl. 9-24 Uhr, Tel. 22 62 99-0,

www.feinkost-kaefer.de

Weinerei

Das kleine Ecklokal sieht zwar mit seinen Vintage-Möbeln aus wie eine typisch Prenzlauer Berg-Bar, aber hier ist nichts, wie es scheint. Zuerst zahlt der Gast einen Euro und bekommt ein leeres Glas überreicht. Der Rest ist einfach: Man bedient sich selbst und probiert sich durch die 15 Weine aus Deutschland, Frankreich, Spanien oder Ungarn. Zum Schluss zahlt man, so viel wie es einem Wert war. Nein, kein Scherz! Die Inhaber vertrauen ihren Gästen – und anscheinend klappt es, denn inzwischen gibt es um die Ecke die Restaurants „FraRosa“ und „Perlin“, die nach dem gleichen Prinzip funktionieren.

Fehrbelliner Straße 57 (Ecke Veteranenstraße), täglich 10-24 Uhr,

Weinerei.de

Mauer-Radtour

Wo verlief eigentlich die Mauer? Welcher Stadtteil ist nun Ost- und welcher war Westberlin? Mit solchen Fragen bombardieren einen Gäste gerne. Am besten leiht man also den Besuchern ein Fahrrad aus und radelt mit ihnen die Mauer ab. Das sind zwar über 160 Kilometer, doch es gibt wunderbare Teilstücke. Die Strecke durch Potsdam bietet neben Sightseeing auch eine landschaftliche Erbauung an. In Kreuzberg gibt’s hingegen das längste erhaltene Stück zu bewundern, die East Side Gallery, die gerade renoviert wird. In der Innenstadt ist dagegen zig-zag-fahren angesagt, doch der Weg ist fast durchgängig im Straßenbelag dokumentiert und auch hier ziehen Checkpoint Charlie und Brandenburger Tor quasi an einem vorbei.

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