Best of Berlin

Gehen Sie doch mal wieder tanzen

Eine schreckliche Frage: "Was machen wir am Wochenende?" Schrecklich, denn: Es gibt so viele Antworten. Morgenpost Online hilft. In "Best of Berlin" erklären wir Ihnen, was Sie sich dieses Wochenende gönnen sollten. Heute: Techno, Reggae oder Gay - entdecken Sie die neuen Clubs der Stadt.

Foto: David Heerde / Heerde

In Zeiten der Wirtschaftskrise gehen die Menschen kein Risiko ein - sollte man meinen. Dieser Gedanke gilt nicht für das Berliner Nachtleben, wo Clubbetreiber scheinbar antizyklisch handeln. Wie sonst ist es zu erklären, dass gerade jetzt, Firmenpleiten und steigenden Arbeitslosenzahlen zum Trotz, Tanzorte wie Pilze aus dem Boden schießen. Und weil man in dieser schweren Zeit etwas Abwechslung braucht, stellt Morgenpost Online die neuen Berliner Clubs.

Bierhof Rüdersdorf und Kantine am Berghain

Das "Berghain" beim Ostbahnhof ist der vielleicht berühmteste Technotempel der Welt und jedes Wochenende Pilgerstätte von Techno-Jüngern aus Sydney, Singapore oder San Franciso. Nun hat der Club, der in einem ehemaligen Heizkraftwerk beheimatet ist, Zuwachs bekommen. Links neben dem Clubeingang befindet sich der "Bierhof Rüdersdorf" mit seinen Bierbänken und Sonnenliegen und die "Kantine am Berghain". In dem kleinen Bungalow, in dem früher die Mitarbeiter des Kraftwerks zu Mittag aßen, wird nun getanzt etwa bei "Killekill" Mittwochnacht zu elektronischer Feinkost von den Ark und Martin Donk (1.6.). Für Marathontänzer startet übrigens sonntags ab 9 Uhr den Brunch im "Bierhof Rüdersdorf".

Berghain Kantine, Am Wriezener Bahnhof, www.killekill.com , www.myspace.com/bierhofruedersdorf

Violet

Das Violet an der Friedrichstraße hat trotz seiner kurzen Lebenszeit schon eine illustre Vergangenheit. Bereits die Vorgängerclubs "Shark" und "Rich" hatten in der Location wenig Glück. Als der Club dann letztes Jahr von den Machern des renommierten "Weekends" übernommen wurde, sah es anfänglich gut aus, doch auch ihre Versuche unter den Clubnamen "Badlands" und "9005" und schlussendlich "Violet" brachten wenig Erfolg. Nun soll der Club verkauft werden an Juice Wusu von Kinky Nightlife, der bisher Partys im "Dante" und "Goldrot" machte und ab August ins "Violet" einladen könnte.

Violet, Rosmarinstraße 8-9, www.violetclub.de

Loreley

Die "Loreley" am Alexanderplatz hat sich auf leisen Sohlen in die Stadt geschlichen. Die Macher Bodo Henke und Christian Winter machten um die Eröffnung im Februar nicht viel Aufhebens und sind auch bei den Veranstaltungen sehr wählerisch. "Wir machen nur ausgewählte Partys, hinter denen wir stehen", sagt Bodo Henke. Daher wird bisher nur Freitagabend geöffnet, dann vor allem für schwules Publikum – was sich aber in Zukunft noch ändern kann. "Es gibt keinen Club, wo man jeden Freitag schwul ausgehen kann", erklärt Christian Winter und so geht es im Kellerclub freitags ziemlich bunt zu etwa mit der angesagten "Multisex"-Party aus Amsterdam (23.5.). Der kleine Club logiert zwar im ehemaligen "Kinzo" am Alexanderplatz, ist aber ganz schön umgebaut worden. Auf drei Räume erweitert, erstrahlt die Tanzlocation im angenehm gestylten Ambiente, ohne abgeschrammelten Sofas, dafür mit namhafter Kunst an den Wänden. Der befreundete Maler Christopher Winter hat ihnen seine Birkenwald-Bilder als Kopien überlassen – die Originale wurden gerade von der Kuratorin des Metropolitan Museums New York gekauft.

Loreley, Karl-Liebknecht-Straße 11, www.loreley.li

Hotel

Eigentlich wollten Tom Michelberger und seine Freunde nur ein Hotel eröffnen, doch während der Umbauzeit an dem schicken Budget-Hotel "Michelberger" an der Warschauer Straße werden die Kellerräume als Club genutzt. Ins "Hotel" lud schon die Modemesse Premium ein und Adidas feierte hier den Launch des "Urban Art Guides". Aber auch "normale" Partys wie "Delikat" bespielen die temporäre Location. Im Innenhof des zukünftigen Hotels führt eine Treppe in den Keller, dort erwartet die Besucher ein kleiner Club mit Graffitis und einer improvisierten Bar. Übrigens ist der Club nur bis Juli geöffnet, dann fängt nämlich der Hotelbetrieb an und es hat sich ausgefeiert.

Hotel, Warschauer Straße 39/40, www.michelbergerhotel.com

Dot Club

Das "Live At Dot" hat sich in den Räumen des ehemaligen 103 Clubs an der Falckensteinstraße angesiedelt. Das Konzept des dänisch/österreichischen Ehepaars Trine und Andreas Bom-Fallend sollte Konzertlocation, Internet-Label und Restaurant vereinen. Zwar wurde das Erdgeschoss zum geräumigen Live-Venue umgebaut, doch mit dem Label wird es wohl noch dauern. Erst ab frühestens Sommer sollen vereinzelte Konzerte in Tonstudio-Qualität aufgezeichnet und später einzelne Tracks davon übers Internet-Label vertrieben werden, auch das Restaurant scheint nicht im Betrieb zu sein, zumindest war es beim Auftritt des Pianisten Hauschkas nicht geöffnet. Doch sei's drum, bleibt eben mehr Zeit für die Musik und die reicht von Konzerten der HipHop-Legende Ghostface Killah (5.6.), über eine "Funky Jam Session" (26.5.) bis zur "Young/And/Lost"-Indietronics-Party (6.6.).

Dot Club, Falckensteinstraße 47, www.liveatdot.com

Notenbank in der Volksbar

An der Schönhauser Allee / Ecke Torstraße entwickelt sich eine kleine, ungewöhnliche Partymeile. Neben dem Grufti-Club "Last Cathedral" und dem Rock-Restaurant "White Trash" hat vor zwei Wochen die "Volksbar" mit dem hauseigenen Club "Notenbank" eröffnet. Namensgeber war eine Notenbank, die in den 20ern in den Räumen residierte – und an die noch der Tresorraum im Keller erinnert. Nun haben die neuen Mieter Till Wasilewski und Max Weber die Räume in eine Clubbar verwandelt. Beide Macher sind in der Stadt keine Unbekannten: Till veranstaltete die Reggae-Partys "Connected" und Max Weber war Mitbetreiber des "Rock It". Ihre Location ist eine Mischkonzept, denn es besteht aus der gemütliche "Volksbar" mit Sofas und Sitzkissen im Erdgeschoss und dem Club im Keller, wo auf zwei Floors getanzt werden kann. Musikalisch geht es in Richtung Reggae, Funk und Jazz – auch wenn zur Eröffnung der Karrera Klub Indietronics auflegte. "Wir wollen Musik spielen, die man nicht überall hört", erklärt Till das Konzept. Der Keller ist verwinkelt wie der Geburtstagsclub und hat mit der Tresortür und den Eisengitterstäben echte Hingucker, die ans "Tresor" oder "Cookies" an der Charlottenstraße erinnern. Es gibt einen Kicker und zum Plaudern kann man sich jederzeit in die "Volksbar" zurückziehen.

Notenbank in der Volksbar, Schönhauser Allee 8 , www.notenbank-berlin.de (demnächst online)

Horst Krzbrg

Einen ungewöhnlichen Namen hat sich der neueste Technoclub ausgesucht: "Horst Krzbrg. Der Club", der sich in der ehemaligen Postfiliale neben "Domäne" angesiedelt hat, gibt sich unprätentiös in schlichtem Schwarz und mit minimalen VJ-Projektionen. Keine Frage, hier soll das Augen- oder vielmehr "Ohrenmerk" auf die Musik gerichtet werden. Eine eigene Homepage gibt es nicht, auch auf weiträumige Ankündigungen der Acts in Magazinen verzichtet man und verlässt sich stattdessen lieber auf die einschlägigen Techno-Internetforen. Diesen Samstag legt Alexkid auf und demnächst startet eine monatliche Residency der DJs des legendären Plattenladens "Hardwax". Konzept und Booking werden bisher wohlwollend von der Berliner Feiergemeinde angenommen, auch wenn es "Senioren-Ravern" etwas zu Minimal ist. Hinter dem Club steckt übrigens Johnny Stieler, ehemals "Tresor" und "Berliner Nacht"-Magazin.

Horst Krzbrg, Tempelhofer Ufer 1, www.myspace.com/horstkrzbrg

WMF

Um das WMF war es die letzten vier Jahre sehr ruhig geworden. Nachdem der legendäre Club das "Sommerlager", seine gefühlte zehnte Location in der Nähe der Jannowitzbrücke 2005 schloss, sah es lange Zeit so aus, als ob der Club Vergangenheit wäre. Nach einer kreativen Schaffenspause meldet sich nun aber die Heimat für anspruchsvolle elektronische Musik zurück und hat in dem schmucklosen Neubau an der Klosterstraße 44 eine neue Bleibe gefunden. Auf zwei Stockwerken kann hier gefeiert werde und wenn 1500 Leute zu Electro, Grime und Techno abgehen, hat das fast schon Rave-Charakter. Auf dem Floor im ersten Stock erwartet die Partygäste die runde Bar aus dem Palast der Republik und an den Wänden gibt es weniger VJ-Projektionen als vielmehr kubusartige Installationen, die sich wie ein Schachtelwurm die Decke entlang winden. Zum Jahreswechsel startete das neue "WMF" mit einer Baustellenparty, später folgte noch die "Becks Experience"-Modenschau, dann musste für die Behörden gehörig nachgebessert werden. Mitte Mai ging es nun aber richtig los - und zwar mit einem Knaller: der Konzertparty von Moderat. Das "WMF" übt sich in einem neuen Clubkonzept, statt jedes Wochenende zu öffnen, gibt es nur 2-4 Konzertpartys im Monat, etwa das "Sasula Festival" vom Label BPitch Control am 29. Mai mit Ellen Allien, Chloe, Heidi, Telefon Tel Aviv u.v.m.

WMF, Klosterstraße 44, geöffnet je nach Programm: www.myspace.com/wmf_club

Suicide Circus

Eine weitere Institution, die sich zurückmeldet hat, ist das "Suicide". In dem Techno-Club wurden ab 1994 Berliner DJs wie Ellen Allien oder Paul Kalkbrenner groß, Betreiber Ralf Brendeler machte später das "Casino" und das "PHB" an der Landsberger Allee. Nun will es der 46-Jährige nochmal wissen und geht mit neuem Konzept ins Rennen. Der "Suicide Circus" auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain ist eine Galerie für Ausstellungen, Theateraufführungen und Partys für maximal 150 Leute. Bei der Eröffnung im April fühlte man sich wie in einem Hinterhaus-Technoclub 1994 – inklusive Stroboskop und Nebel, die Bilder der Dirty Guys waren vorsichtshalber gegen Mitternacht abgehängt worden. In der nächsten Zeit laden Diringer (29.5.), Tanith (5.6.) und Namitos Record Release (27.6.) zu langen Nächten ein.

Suicide Circus, RAW-Gelände an der Revaler Straße 99, Tor 2, www.suicide-berlin.com

Astra Kulturhaus

Gleich nebenan auf dem Gelände residiert das Astra Kulturhaus. Die neue Konzerthalle wird von den Machern des "Lidos" betrieben, die ihr ganzes Know-How in die Location einfließen ließen. Der große Saal bietet 2000 Musikfans Platz und garantiert durch seine exzellente Anlage, dem Parkettfußboden und der Holzvertäfelung astreine Akustik. Zur Eröffnung tummelten sich Mias Mieze, Rammstein und die Beatsteak an der Bar und im ersten Monat nach Eröffnung gastierten Bands wie The Whitest Boy Alive und Peaches , aber auch die "Vandit"-Partynacht von DJ Paul van Dyk in den Räumen.

Astra Kulturhaus, RAW-Gelände an der Revaler Straße 99, Tor 2, www.astra-berlin.de

Box at the Beach

Ein neuer Club lockt die Westberliner Partygänger an: Box nennt sich der Tanztempel am Spreeufer, der sich in einer alten Industriehalle unweit von der "Mercedes Welt" am Salzufer befindet. Vor der offiziellen Eröffnung feierten bereits die Events "Helden der Nacht" und "Cup der Privaten" ausgelassene Partys in der neuen Location, die von bekannten Szenegrößen der Stadt betrieben wird: Max Dallmann und Stefan "Stöpsel " Götze von " Helden der Nacht ", aber vor allem auch Alexander Freund und Carsten Kuntze vom Szene-Restaurant " Tasty ", sowie Marc Lennard, der Musikproduzent von Sarah Connor. An der Innenausstattung dürfen die Herren noch etwas basteln, wirken die schwarzen Wände mit den grün-gelb-roten Amplituden doch noch sehr Eighties. Zu dem Club gehört außerdem noch eine Beachbar mit Strohschirmen, Himmelbetten und Blick auf das Spreeufer.

Box at the Beach, Englische Straße 21-23, www.beachberlin.com

Tube Station

Der ebenfalls neue Club Tube an der Friedrichstraße ist eine echte Design-Augenweide. Die riesige "Moon Lamp"-ähnliche Installation über der Bar und das DJ-Pult, das aussieht wie ein feinsäuberlich aufgeschnittener Holzstamm, sorgen für ein mondänes Ambiente. Die Barleute sind leider nicht von der schnellsten Truppe und auch das Club-Programm wirkt noch nicht recht homogen, reicht es doch von Westberliner-Partys wie "Vitamin D" über die Gay-Sause "GMF" bis zu MTV-HipHop-Partys, dafür ist der schicke Innenhof ein tolle Sommeralternative für Frischluftfanatiker. Der Name spielt übrigens auf die U-Bahnstationen Stadtmitte und Französische Straße an, zwischen denen sich der Club befindet. Er ist nicht ganz leicht zu finden, logiert er doch auf dem zweiten Hinterhof, also noch hinter der Deutschen Bank und dem Showroom von Lancia.

Tube Station, Friedrichstraße 180-184, Bar Do-Sbd ab 18 Uhr geöffnet, www.tube-Berlin.de

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