25 Jahre Mauerfall

Stefan Heym hat Mitleid mit Erich Honecker

Berlin auf dem Weg zur geeinten Stadt: Im Jahr 2014 jährt sich der Mauerfall zum 25. Mal. Die Berliner Morgenpost erinnert in einer Serie täglich an die Ereignisse vor einem Vierteljahrhundert.

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Der DDR-Staatsratsvorsitzende und SED-Chef Erich Honecker ist nach Ansicht des Ost-Berliner Schriftstellers Stefan Heym „ein armer, geplagter Mensch“. Auf ihn treffe der Satz zu: „An der Spitze steht ein Greis, der sich nicht zu helfen weiß.“

Der Schriftsteller äußerte sich in dem am 29. September 1989 im Magazin „Wiener“ erschienenen Interview kritisch über die Massenflucht aus der DDR. Er habe zwar Verständnis für die Flüchtlinge, billige deren Tun aber nicht. Die DDR-Flüchtlinge hätten „so wenig Ahnung von Demokratie wie die Leute, die sie erzogen haben“. Viele der Neuankömmlinge seien „sichere Wähler der Republikaner“.

Heym warf der Führungsspitze der DDR vor, neben der wirtschaftlichen Misere auch für die „Stupidität des öffentlichen Lebens“ verantwortlich zu sein. Er forderte sie auf, sich endlich mit dem Volk auseinanderzusetzen und eigene Fehler anzugehen.