Das sind alarmierende Zahlen: 78 Prozent der Menschen in Berlin und Brandenburg fühlen sich häufig oder manchmal gestresst – so viele wie in keiner anderen Region Deutschlands. Das ist das Ergebnis einer bundesweiten repräsentativen Forsa-Umfrage für den Stressreport der Techniker Krankenkasse. Demnach haben die wenigsten Menschen in der Hauptstadtregion Hoffnung auf Besserung.

  • 65 Prozent fürchten, dass das Leben in Zukunft noch stressiger wird
  • Zwei Prozent glauben, dass der Stresslevel sinkt
  • 57 Prozent der Befragten fühlen sich erschöpft
  • 48 Prozent verspüren eine innere Unruhe
  • 40 Prozent leiden an Zweifeln und Unsicherheit

Für den Report befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Techniker Krankenkasse 1407 Menschen in Deutschland ab 18 Jahren (mindestens 200 Personen pro Ländergebiet) zu ihren Erfahrungen mit Stress. Die Befragung fand im Mai 2025 statt. 

Stress-Report 2025: Jeder dritte Erwachsene fühlt sich häufig gestresst

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Der Köpf dröhnt, alles ist zu viel: Wer nicht gegensteuert, riskiert laut Experten chronischen Stress. © iStock | studiostockart

Und wie sieht es bundesweit aus? Fast jeder dritte Erwachsene in Deutschland (31 Prozent) fühlt sich laut Umfrage häufig gestresst. Nur acht Prozent empfinden eigenen Angaben zufolge gar keinen Stress. 35 Prozent gaben demnach an, manchmal gestresst zu sein, bei 26 Prozent ist das selten der Fall. 

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Das Stresslevel, aufgeschlüsselt nach Bundesländern. © BM Grafik | Babette Ackermann-Reiche

Rund drei von fünf Erwachsenen in Deutschland empfinden das Leben heute stressiger als noch vor 15 oder 20 Jahren. Demnach teilen 57 Prozent der Befragten die Auffassung, dass die Belastung gestiegen ist. 40 Prozent gaben an, dass heute einfach mehr über Stress gesprochen werde. Menschen zwischen 40 und 59 Jahren haben im Vergleich zu Menschen zwischen 18 und 39 Jahren öfter den Eindruck, dass sie mehr Stress haben als früher (63 Prozent gegenüber 53). 

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Stresslevel nach Geschlecht. © BM Grafik | Babette Ackermann-Reiche

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Frauen haben einen höheren Stresslevel 

Ein Vergleich mit Befragungen aus den vergangenen Jahren zeigt, dass der Stresslevel früher tatsächlich niedriger war. Beim Stressreport aus dem Jahr 2013 gaben 57 Prozent der Befragten an, manchmal oder häufig gestresst zu sein. Im Jahr 2016 waren es schon 60 Prozent, 2021 waren es 64 Prozent, im aktuellen Report sind es zusammengerechnet 66 Prozent. 

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Eine Übersicht über Themen, die besonders belasten. © BM Grafik | Babette Ackermann-Reiche

Bei Frauen ist der Stresslevel deutlich höher als bei Männern: 71 Prozent fühlen sich häufig oder manchmal gestresst, wie die aktuelle Befragung ergeben hat. Bei Männern sind es 60 Prozent. 

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TK-Chef: Chronischer Stress ist schlecht für die Gesundheit 

Jens Baas / Techniker Krankenkasse
Jens Baas ist Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse, die 11,9 Millionen Versicherte hat. © FUNKE Foto Services | Reto Klar

„Bis zu einem gewissen Grad gehört Stress zum Leben dazu“, erklärt TK-Chef Jens Baas. „Chronischer Stress jedoch erhöht das Risiko für bestimmte psychische und physische Krankheiten, wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Probleme, Rückenschmerzen oder Depressionen.“ Das zeigt sich auch unter den Befragten in der Hauptstadt-Region: Über Rückenschmerzen und Muskelverspannungen klagen 53 Prozent der Menschen in Berlin und Brandenburg, 42 Prozent können schlecht ein- oder durchschlafen, 28 Prozent haben mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck zu kämpfen.

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Die Top-7-Belastungsfaktoren bei der Arbeit. © BM Grafik | Babette Ackermann-Reiche

Was löst den Stress aus? Am häufigsten gaben die bundesweit Befragten, die sich mindestens manchmal gestresst fühlen, hohe Ansprüche an sich selbst als Ursache an (61 Prozent). Auf Platz zwei liegen Schule, Studium oder Beruf (58 Prozent), gefolgt von Stress durch politische und gesellschaftliche Probleme (53 Prozent). Für 43 Prozent der Befragten spielen zu viele Termine und Verpflichtungen in der Freizeit eine Rolle. Mehrfachantworten waren möglich. 

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Was hilft gegen Stress?

„Wir sind evolutionspsychologisch nicht dafür gemacht, uns den ganzen Tag mit den Krisen des gesamten Planeten auseinanderzusetzen“, erklärt Psychologin Judith Mangelsdorf, Professorin für Positive Psychologie an der Deutschen Hochschule für Gesundheit und Sport in Berlin. Es sei daher wichtig zu lernen, gezielt zu steuern, wann und wie oft man sich über die weltpolitische Lage informiere, um sich nicht zu überfordern. „Zum Beispiel, indem wir uns digitale Detox-Zeiten nehmen und nicht im Fünfminutentakt die Nachrichten checken.“ 

Wichtig sei auch, Resilienz aufzubauen, also seelische Widerstandskraft. Das gehe zum Beispiel durch wohltuende soziale Kontakte oder Bewegung und Zeit in der Natur. 

Spazieren, Freunde treffen, Musik hören

Gegen Stress hilft ein Spaziergang, um den Kopf frei zu bekommen.
Gegen Stress hilft ein Spaziergang, um den Kopf frei zu bekommen. © Frank Hammerschmidt/dpa | Frank Hammerschmidt

Tatsächlich verbringt die überwiegende Mehrheit der bundesweit Befragten (83 Prozent) Zeit in der Natur oder geht spazieren, um Stress abzubauen. 78 Prozent gehen einem Hobby nach, genauso viele treffen sich mit Familie oder Freundinnen und Freunden, um sich zu entspannen. Auch Musik hören oder machen (73 Prozent) und Kochen, beziehungsweise Essengehen (67 Prozent) hilft vielen. Männer trinken im Vergleich zu Frauen häufiger ein Bier oder Glas Wein, um runterzukommen (36 Prozent gegenüber 22 Prozent). Frauen hingegen machen häufiger Yoga oder autogenes Training (28 Prozent gegenüber 11 Prozent). 

Auf Berlin und Brandenburg heruntergebrochen, sehen die Zahlen wie folgt aus: 77 Prozent suchen Erholung bei Spaziergängen oder in der Natur, 76 Prozent treffen sich mit Freunden oder Familie, 74 Prozent gehen zum Stressabbau einem Hobby nach.

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Für Stressgeplagte hat Psychologin Mangelsdorf noch einen Tipp: Für das eigene Wohlbefinden ist es ihren Angaben nach wichtig, positive Momente oder Erfahrungen bewusst herzustellen. „Das kann ein gutes Gespräch mit einem netten Menschen, ein Kaffee in der Sonne und die Tatsache sein, dass ich heute mit dem Rad statt mit dem Auto zur Arbeit fahre, weil ich weiß, dass es mir guttut.“