Berlin/Cuxhaven. In Cuxhaven sollen zwei Erwachsene Jugendliche einer Kreuzberger Schule angegriffen haben. Ein 16-Jähriger erlitt einen Kieferbruch.

In Cuxhaven in Niedersachsen sollen zwei Erwachsene Achtklässler der Kreuzberger Ferdinand-Freiligrath-Schule angegriffen haben. Dabei erlitt ein 16-Jähriger einen mehrfachen Kieferbruch, wie die Schule am Dienstag in einer Pressemitteilung erklärte. Der herbeigerufenen Polizei macht sie schwere Vorwürfe.

Mehrfacher Kieferbruch nach Schlag mit Motorradhelm

Der Angriff, über den der „Tagesspiegel“ zuerst berichtete, soll laut Schulleitung dadurch ausgelöst worden sein, dass vier Schüler auf einen abgestellten E-Motorroller zugingen, an dessen Lenker ein Smartphone festgeklemmt war. Dem „Tagesspiegel“-Bericht zufolge wollten die Jugendlichen nur schauen, ob jemand das Telefon vergessen hatte. Die Besitzer des Rollers – ein Vater mit seinem Sohn, wie die Schule schreibt – sollen daraufhin schreiend auf die Schüler losgelaufen seien, in der Vermutung, dass sie das Fahrgerät klauen wollten. Die Schüler wiederum hätten aus Angst die Flucht ergriffen.

„Es entwickelt sich eine Jagd durch das Cuxhavener Hafenviertel, in dessen Verlauf die Schüler zu Fuß und mit dem E-Motorroller gejagt und schließlich festgehalten werden“, heißt es in der Pressemitteilung. „Der ältere Mann reißt einen 16-Jährigen zu Boden und schlägt ihm mit einem Motorradhelm ins Gesicht, wodurch der Schüler schwer verletzt wird.“ Zwar sei der Jugendliche in einem Krankenhaus in Cuxhaven behandelt worden, ein mehrfacher Kieferbruch sei aber erst bei einer Nachuntersuchung in Berlin festgestellt worden.

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Polizei soll Aussage von einem der mutmaßlichen Tätern nicht aufgenommen haben

Die Polizei, die hinzugerufen wurde, soll zunächst lediglich wegen einfacher Körperverletzung ermittelt haben, „obwohl der Tatverlauf sehr nach Bedrohung, Nötigung sowie schwerer, gefährlicher und gemeinschaftlicher Körperverletzung aussieht.“ Am nächsten Tag habe eine Lehrkraft bei der Polizei geprüft, ob die Anzeige sachgemäß aufgenommen wurde, und dabei festgestellt, dass die Aussage des jüngeren mutmaßlichen Täters nicht aufgenommen worden sei.

Dem Tagesspiegel gegenüber haben Lehrkräfte berichtet, dass die Beamten Sätze wie „so jung und schon kriminell“ gesagt hätten. Statt dem blutenden Jugendlichen zu helfen, seien sie verhört worden. Zudem soll eine Polizistin eine Klassenlehrerin als „kriminell“ bezeichnet haben. „Bis heute hat sich niemand bei den Schülern entschuldigt“, beklagt die Schulleitung in der Pressemitteilung und fordert eine lückenlose Aufklärung des Vorfalls.

Cuxhaven wehrt sich gegen Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit

Die Stadt Cuxhaven ließ jedoch auf Anfrage mitteilen, dass sie sich über das Bildungsdezernat entschuldigt und Verständnis für die Situation der Kinder und Lehrerinnen und Lehrer gezeigt habe. „Ein vergleichbarer Vorfall, wie er sich am 12. Juni ereignet haben soll, hat die Stadt Cuxhaven bisher noch nicht registriert“, erklärte der Sprecher der Stadt. Da ein Großteil der Kreuzberger Schülerschaft muslimisch ist, tritt er außerdem dem Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit entgegen: „Die Stadt Cuxhaven lebt eine Willkommenskultur vor, die von Offenheit und Respekt geprägt ist.“

Auch aus Berlin kamen bereits Reaktionen auf den Angriff: Berlins Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch verurteilte den Angriff auf die Kreuzberger Schulklasse. „Jetzt ist eine lückenlose und zügige Aufklärung des Geschehens wichtig.“ Sie danke den Lehrkräften „für ihr engagiertes Krisenmanagement“ und erklärte, dass die Schule Unterstützung durch ein Schulpsychologisches und Inklusionspädagogisches Beratungs- und Unterstützungszentrum (SIBUZ) erhält. Neben Beratungsangeboten im Bereich Lernen stehen die Mitarbeitenden des SIBUZ auch in Fällen von Gewaltsituationen beratend zur Seite.

Erst im vergangenen Monat waren Schülerinnen und Schüler einer zehnten Klasse der Lina-Morgenstern-Gemeinschaftsschule in Berlin-Kreuzberg bei einer Klassenfahrt in Heidesee (Brandenburg) von alkoholisierten, teils vermummten Jugendlichen offenbar rassistisch beleidigt und bedroht worden.