Berlin. Die Sanierung des U2-Tunnels schreitet wie geplant voran, hieß es zuletzt. Doch jetzt ist ein schlimmer Verdacht aufgetaucht.

Gibt es am Tunnel der U-Bahn-Linie U2 doch gravierendere Probleme als gedacht, welche die Wiedereröffnung der Strecke gefährden? Das legt jetzt ein Bericht nahe.

Noch vor einer Woche hatte es geheißen, dass die Sanierungsarbeiten im Tunnel am Alexanderplatz wie vorgesehen vorankommen. Nach derzeitigem Stand könne die Strecke nach den Sommerferien wieder vollständig befahren werden, hatte Britta Behrendt, Staatssekretärin in der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, erklärt. Doch jetzt melden Fachleute Zweifel an diesem Szenario an.

Bekannt ist, dass der Tunnel der U2 abgesackt ist, vermutlich wegen einer Hochhaus-Baugrube direkt neben dem Tunnel. Bekannt ist auch, dass die derzeit laufende Reparatur auch aufgrund des Alters des Bauwerks – es ist mehr als 100 Jahre alt – schwierig und kostspielig ist. Doch jetzt befürchten Experten, dass womöglich ein Stück des Tunnels der U2 komplett neu gebaut werden muss, wie "nd", "Berliner Zeitung" und "Tagesspiegel" berichten.

Baugrube am Alexanderplatz: Ist auch der Tunnel der U5 betroffen?

Auf größere Schäden als bisher vermutet, könnte laut dem Bericht Wasser hindeuten, das über den Gleisen der U5 in einer Ecke von der Decke tropft. Der Tunnel der U-Bahn-Linie U5 verläuft unter der U2 und ist laut dem Bericht vier bis fünf Meter von der Baugrube entfernt.

Die Verbindung der beiden Tunnel könnte durch die Bewegung des U2-Tunnels beschädigt worden sein, heißt es. Sollte es sich dabei um Grundwasser handeln, müsste der Tunnel von außen neu abgedichtet werden. Dafür müsste ein Stück des U2-Tunnels verschwinden und später neu gebaut werden.

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) kommentieren das Thema zurückhaltend. "Am bekannten Zeitablauf hat sich aus Sicht der BVG nichts geändert", sagt Unternehmenssprecher Jannes Schwentu. Das würde heißen, dass auch bei dem Verkehrsunternehmen weiter davon ausgegangen wird, dass Ende August wieder der vollständige Verkehr auf der U2 aufgenommen werden kann.

Mit Blick auf den Wasserschaden auf dem "Stumpfgleis" der U5 erklärt der Sprecher: „Die Ursachenklärung und die Ermittlung von Reparaturmaßnahmen laufen. Der U-Bahnbetrieb oder die allgemeine Sicherheit sind durch den Wasserschaden nicht beeinträchtigt.“ Nach Informationen der Berliner Morgenpost soll jener Schaden in einem zeitlichen Zusammenhang mit den Bauarbeiten von Covivio entstanden sein. Auch bei diesem Tunnel setzt man zudem auf eine genaue Überwachung: Wie beim U2-Tunnel soll auch dort ein Messsystem zum Einsatz kommen, wobei insbesondere die Statik der U5 kontinuierlich geprüft wird.

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Die BVG und Covivio, der Bauherr des Hochhausprojektes, haben gemeinsam den Sanierungsplan für den U2-Tunnel erarbeitet. Die Zeit drängt, denn die U-Bahn-Strecke ist für den öffentlichen Nahverkehr äußerst wichtig. Wegen der Arbeiten fahren zwischen den Bahnhöfen Klosterstraße und Senefelderplatz die U-Bahnen aktuell nur im Pendelverkehr im 15-Minuten-Takt.

Neben dem U-Bahn-Tunnel errichtet Covivio einen 130 Meter hohen Büroturm mit einem 36 Meter hohen Sockelgebäude, in dem neben Gewerberäumen auch 220 Mietwohnungen entstehen sollen. Obwohl die Verursacherfrage zuletzt noch nicht abschließend geklärt war, gilt es als wahrscheinlich, dass die Arbeiten an der Baugrube von Covivio die Ursache für die Schäden am U2-Tunnel waren. Im Sommer 2022 hatten sich die Stützwände, die die Baugrube absichern, unter dem Druck des Grundwassers so stark verformt, dass der angrenzende U2-Tunnel um 3,8 Zentimeter absackte.

In den vergangenen Monaten wurde der Untergrund durch sogenannte Injektionsspritzen mit Beton stabilisiert. An insgesamt 56 Stellen der gesperrten Strecke werden solche Betonspritzungen vorgenommen. Nach der Stabilisierung des Tunnels soll dieser wieder angehoben werden.

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