Trotz langer Wartelisten

Neuer Rekord: 729.622 Berliner treiben Vereinssport

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Vor allem Kinder drängen derzeit in die Berliner Sportvereine. Doch bei vielen Sportarten bestehen Wartelisten. Es fehlt an Sportstätten und qualifizierten Übungsleitern.

Vor allem Kinder drängen derzeit in die Berliner Sportvereine. Doch bei vielen Sportarten bestehen Wartelisten. Es fehlt an Sportstätten und qualifizierten Übungsleitern.

Foto: Joerg Krauthoefer / FUNKE Foto Services

729.622 Berliner sind derzeit in einem Sportverein aktiv. Ein Erfolg. Aber in vielen Vereinen sind Übungsleiter und Sportanlagen knapp.

Berlin. Der Landessportbund verzeichnet einen Mitgliederrekord. 729.622 Berlinerinnen und Berliner sind derzeit in einem Sportverein aktiv – so viele wie nie zuvor. „Wir brechen gerade alle Rekorde und verzeichnen das größte Wachstum seit der Wiedervereinigung“, sagte der Präsident des Landessportbundes (LSB), Thomas Härtel, am Donnerstag. Allein im vergangenen Jahr traten 45.324 Berliner neu in einen Sportverein ein. Der starke Anstieg nach dem Ende der Corona-Pandemie zeige vor allem Eines: „Das weist darauf hin, dass vielen Menschen in der Corona-Zeit etwas gefehlt hat, Bewegung und Gemeinschaft“, sagte Härtel. Mit einem Organisationsgrad von fast 19 Prozent im Verhältnis zur Einwohnerzahl liegt Berlin damit bundesweit an der Spitze.

Für viele Sportarten bestehen wegen der großen Nachfrage Wartelisten

Es könnten sogar noch mehr Mitglieder sein. Aber in vielen Vereinen sind Übungsleiter und Sportanlagen knapp, so dass lange Wartelisten bestehen, so der LSB-Präsident weiter. In der Corona-Pandemie hatten viele Mitglieder die Sportvereine verlassen, weil kein Sport möglich war. So sank die Zahl der organisierten Sportler von knapp 700.000 im Jahr 2020 auf 662.000 im Jahr darauf.

Den größten Zuwachs verzeichnete der LSB im vergangenen Jahr mit 26 Prozent bei den Kindern bis sechs Jahren. Hier machen sich nach Angaben des LSB die vielen Kooperationen zwischen Vereinen und Kitas und Schulen bezahlt. Aber auch der Frauenanteil stieg überdurchschnittlich (plus 9,7 Prozent). „Gerade die Frauen haben eine große Last in der Pandemie geschultert, indem sie parallel ihren Beruf ausgeübt und ihre Kinder betreut haben, die nicht in die Kita und Schule gehen konnten“, sagte LSB-Direktor Friedhard Teuffel. „Umso mehr freut es uns, dass jetzt wieder so viele Frauen in die Vereine kommen und etwas für sich selbst tun.“

LSB fordert eine Sportstättenoffensive der Landespolitik

Der starke Anstieg der Mitgliederzahlen unterstreicht nach Überzeugung des LSB die Bedeutung des Sports. Deshalb sei eine Sportstättenoffensive dringend notwendig. Auch das Sportstättensanierungsprogramm müsse ausgebaut werden, lautet eine weitere Forderung des LSB an die künftige Landesregierung. „Von der neuen Koalition erwarten wir, dass sie massiv in die Sportinfrastruktur investiert, in Hallen, Plätze und nicht zuletzt Bäder“, sagte Härtel.

Der LSB will künftig mehr Übungsleiter, Trainerinnen und Trainer ausbilden, um das Sportangebot in den Vereinen zu unterstützen. „Wir sind mitten in einer Qualifizierungsinitiative, denn wir brauchen mehr ausgebildetes Personal für den Trainingsbetrieb und die Vereinsorganisation“, sagte Teuffel. „Dafür gibt es zum Glück das ‘ReStart’-Paket des Bundes als Unterstützung.“ So könnten die Kosten der Trainerausbildung mit bis zu 50 Prozent gefördert werden.

200 Kriegsflüchtlinge arbeiten bereits als Übungsleiter oder Trainer

Besonders erfolgreich verlaufe im Sport die Integration von Kriegsflüchtlingen. „Hier haben wir bereits knapp 200 Menschen ausgebildet, die in unseren Vereinen Brücken in die vielfältigen Communities unserer Stadt bauen“, sagte Härtel.