Flugverkehr

Streik am Flughafen BER: Nichts geht mehr am Mittwoch

| Lesedauer: 4 Minuten
Julian Würzer
Wegen des Streiks der Beschäftigten findet am Mittwoch am Flughafen BER kein Flugverkehr statt. Die Abfertigungshalle im Terminal ist verwaist.

Wegen des Streiks der Beschäftigten findet am Mittwoch am Flughafen BER kein Flugverkehr statt. Die Abfertigungshalle im Terminal ist verwaist.

Foto: Maurizio Gambarini

Warnstreik am Flughafen BER: Der Flugverkehr liegt lahm, Reisende sind gestrandet. Das fordert die Gewerkschaft Verdi.

Berlin. Der Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) steht still. Keine Flugzeuge heben ab, im Terminal sind die Sicherheitskontrollen geschlossen und an den Check-In-Schaltern der Fluglinien bilden sich keine Warteschlangen. Trotz des Streiks haben am Mittwoch einige Geschäfte am Terminal geöffnet, ein Supermarkt und auch Bäckereien. Vereinzelt warten Passagiere mit Reisekoffern auf den Bänken. Manche von ihnen sehen erschöpft aus. Fast zynisch wirkt da eine automatisierte Durchsage am Hauptstadtflughafen: „Ersatzbatterien jeglicher Art inklusive E-Zigaretten sind nur im Handgepäck erlaubt.“

An diesem Mittwochmorgen hat einer der folgenreichsten Warnstreiks der vergangenen Jahre am Flughafen Berlin-Brandenburg begonnen.
Die Gewerkschaft Verdi rief rund 6000 Beschäftigte der Flughafengesellschaft, der Bodenverkehrsdienste und der Luftsicherheit auf, bis 23.59 Uhr ihre Arbeit niederzulegen. So kann kein Passagierverkehr am BER abgewickelt werden. Von dem Streik am BER sind 300 Starts und Landungen und 35.000 Passagiere betroffen.

Streik am BER - Unser Reporter ist vor Ort

Streik am BER: Gewerkschaft behält sich weitere Streiks vor

Ab 8 Uhr versammelten sich Streikende vor dem Terminalgebäude auf dem Willy-Brandt-Platz. Etwa 1500 Menschen kamen zusammen. Hintergrund des Streiks sind Tarifverhandlungen. Verdi fordert für die Beschäftigten der Flughafengesellschaft und der Bodenverkehrsdienste 500 Euro mehr Lohn pro Monat bei einer Laufzeit des Tarifvertrags von zwölf Monaten. Die Arbeitgeberseite fordert in beiden Verhandlungen vor allem deutlich längere Vertragslaufzeiten.

Die meisten der Demonstrierenden kamen in Warnwesten. Einige schwenkten Fahnen der Gewerkschaft und trillerten mit ihren Pfeifen. Auf der Bühne sprach die stellvertretende Landesbezirksleiterin von Verdi, Susanne Feldkötter, das aus, was viele der Beschäftigten denken: Das bisherige Angebot ist nicht zufriedenstellend. Zudem kündigte sie an, dass man den Streik ausweiten wolle, sollte beim Angebot für die Beschäftigten nicht nachgebessert werden.

Warnstreik: "Wir stehen zusammen als BER-Familie"

Einer der 6000 Streikenden ist Martin Ellinghaus. Er arbeitet bei der Flughafenfeuerwehr. "Wir streiken heute, weil wir in den Verhandlungen festgefahren sind", sagt er gegenüber der Berliner Morgenpost. Die vom Arbeitgeber angebotenen fünf Prozent mehr Gehalt in zwei Jahren hält er für zu wenig Angesichts der Inflation sei das "nicht vertretbar". "Wir fordern 500 Euro mehr als Festbetrag", sagt Ellinghaus. Die Forderung hinge auch damit zusammen, dass die letzte Lohnerhöhung schon einige Zeit zurückliege. Diese war im Jahr 2019.

Nach der Kundgebung rief ein Verdi-Sprecher die Menschen auf, in einem Demonstrationszug um das Flughafengebäude zu ziehen. „Wir stehen zusammen als BER-Familie in dieser Tarifauseinandersetzung“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Holger Rößler. Die Bereitschaft der Beschäftigten zum Warnstreik sei stets groß gewesen. „Es ging nicht um das Ob, sondern um das Wann“, sagte Rößler.

Streik am BER - mehr zum Thema:

Streik am BER: Reisende gestrandet

Für Reisende hat der Warnstreik unangenehme Folgen. Zum Beispiel für Karoline und Martin Pietrzak. Die beiden warten seit 5 Uhr morgens am Flughafen BER. Sie sind über Nacht aus Polen angereist, um von Berlin aus über Singapur nach Phuket, Thailand zu fliegen. „Wir wollten zwei Wochen Urlaub machen, nun wissen wir nicht einmal, ob wir die Hotelkosten erstattet bekommen“, sagt Karoline Pietrzak.

Sie zieht ihr Smartphone aus der Tasche und zeigt eine Mail. Am Dienstagabend noch schrieb der Reiseveranstalter, der Flug um 9.30 Uhr finde wie geplant statt. Allerdings stand schon gestern fest, dass zu viele Beschäftigten am BER streiken und ein Passagierverkehr nicht möglich sein wird. „Im schlimmsten Fall übernachten wir eine Nacht im Hotel und hoffen, morgen einen Flug zu bekommen“, sagt Karoline Pietrzak.

Flughafen BER - Lesen Sie auch: