Barmer-Report

Pflegekräfte von Corona-Pandemie besonders betroffen

| Lesedauer: 3 Minuten
Eine Mitarbeiterin befüllt eine Spritze mit einer Corona-Impfdosis.

Eine Mitarbeiterin befüllt eine Spritze mit einer Corona-Impfdosis.

Foto: Kay Nietfeld/dpa/Symbolbild

Pflegebedürftige waren die Ersten, die gegen das Corona-Virus geimpft wurden, als das Serum noch knapp war. Nach einer Untersuchung der Barmer Ersatzkasse war das die richtige Entscheidung. Doch auch für das Pflegepersonal hat die Pandemie gravierende Konsequenzen.

Potsdam (dpa/bb). Pflegekräfte und Pflegebedürftige waren nach einer Untersuchung der Barmer Ersatzkasse von der Corona-Pandemie besonders betroffen. Gleich zu Beginn der Pandemie im April 2020 seien die Corona-Fälle bei Pflegekräften in Brandenburger Kliniken und Praxen auf 4,3 je 1000 Beschäftigte gestiegen, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Barmer-Pflegereport 2022. Dies seien damals elf Mal so viele wie in der Gesamtbevölkerung gewesen. In der Spitze wurden bei diesen Beschäftigten im März 2022 pro 1000 Mitarbeiter 17,5 Fälle erreicht, während der branchenübergreifende Wert bei 11,2 lag.

Bei den Pflegekräften in Pflegeheimen und bei ambulanten Diensten im Land seien die höchsten Werte im Februar 2022 mit 14,7 beziehungsweise 12,5 Fällen pro 1000 Beschäftigte erreicht worden, hieß es im Report weiter. Doch auch die Pflegebedürftigen in Heimen traf das Virus hart: So sei im Januar 2021 jeder zehnte Heimbewohner mit dem Corona-Virus infiziert gewesen, also sieben Mal so viele wie in der Gesamtbevölkerung. Bei den Pflegebedürftigen, die zu Hause von ambulanten Diensten oder Angehörigen versorgt wurden, waren es zur gleichen Zeit nur 3,2 Prozent beziehungsweise 1,7 Prozent.

Sowohl die Infektionsraten als auch die Zahl der Sterbefälle waren bei den äußerst pflegebedürftigen Menschen höher als bei den geringeren Pflegestufen: So gab es im Jahr 2021 Menschen in der Pflegestufe 2 genau 5,3 Sterbefälle pro 1000 Betroffene und in der Pflegestufe 5 waren es mit 55,6 fast elf Mal so viele.

In den Monaten März und April 2021 seien die Infektionsraten bei diesen Risikogruppen auf Grund der Corona-Schutzimpfungen deutlich gesunken. „Es war richtig, die Pflegebedürftigen zuerst gegen Corona zu impfen“, sagte Barmer-Landesgeschäftsführerin Gabriela Leyh bei der Vorstellung des Reports. „Auch die Hygienevorkehrungen und Maskenpflicht in den stationären Einrichtungen waren wichtige Instrumente in der Pandemiebekämpfung.“ Lockerungen der Schutzmaßnahmen sollten daher mit Augenmaß erfolgen.

Auch die Belastung der Pflegekräfte in ihrem beruflichen Alltag sei deutlich gestiegen, berichtete Leyh. Eine Befragung von Mitte Februar bis Mitte März 2022 unter gut 1000 Pflegekräften bundesweit sei zwar nicht repräsentativ, lasse aber auf Grund der Größe der Stichprobe Schlussfolgerungen zu, meinte Leyh. Bei der Umfrage gaben 43,2 Prozent an, in den vergangenen zwölf Monaten schon mal daran gedacht zu haben, den Beruf aufzugeben. Vor der Pandemie hatten mit knapp 20 Prozent weniger als die Hälfte dies erklärt.

„Neben all dem Leid und den persönlichen Schicksalen hat die Corona-Pandemie schonungslos die Schwachstellen unseres Krankenhaus- und Pflegesystems offengelegt“, sagte Leyh. „Eine Entlastung der Pflegekräfte und eine bessere Ausstattung der Krankenhäuser müssen die Antwort auf die Pandemie sein.“

Der Report basiert nach Angaben der Barmer auf den Daten von 8,6 Millionen Versicherten bundesweit und 450.000 in Brandenburg. Die Daten wurden auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet.

( © dpa-infocom, dpa:230124-99-335338/3 (dpa) )